Abgesagt – 10. Rotwildsymposium 2020

Das 10. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung, das vom 11. bis 13. Juni in Berlin stattfinden sollte, ist aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation abgesagt. Die Deutsche Wildtier Stiftung wird ihr 10. Rotwildsymposium nun im kommenden Jahr veranstalten.

Seit dem Jahr 2002 finden in einem zweijährigen Rhythmus die Rotwildsymposien der Deutschen Wildtier Stiftung statt. Sie behandeln aktuelle jagdpolitische oder -praktische Themen rund um Rot- und anderes Schalenwild. Im Mittelpunkt standen in den vergangenen Jahren die Themen Reduktionsprojekte, Wald und Wild, Hegegemeinschaften, Jagdethik und Rotwildbezirke. Tagungsorte für das in der Regel dreitägige Symposium waren u.a. das Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn, das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum in München oder das Kurhaus Casino in Baden-Baden. Die bisherigen neun Rotwildsymposien wurden von bis zu 250 Teilnehmern besucht.

Zielgruppe für die Veranstaltung sind Vertreter der Praxis und der Wissenschaft ebenso wie Meinungsbildner und Entscheidungsträger aus Politik, Ministerien und Verbänden in den Bereichen Jagd und Naturschutz sowie Land- und Forstwirtschaft. Ein besonderes Augenmerk wird auf Vertreter der Medien gelegt. Neben den Jagdmedien berichten allgemeine Presse, Rundfunk und Fernsehen regelmäßig über die Rotwildsymposien. Der im Anschluss an das Symposium erarbeitete umfangreiche Tagungsband dient als Dokumentation der Tagung und trägt die Inhalte der Rotwildsymposien weit über den Teilnehmerkreis hinaus.

Die Tagungsbände der vergangenen neun Rotwildsymposien finden Sie hier.

Tagungsband zur tierschutzgerechten Rotwildreduktion veröffentlicht

Mit „Der Rothirsch in der Überzahl“ hat die Deutsche Wildtier Stiftung Anfang August ein Buch über die Rotwildreduktion unter Einhaltung des Tierschutzes veröffentlicht. Die Publikation dokumentiert die Vorträge und Diskussionen des 9. Rotwildsymposiums, das 2018 in Bad Driburg stattgefunden hat. Den 200 Seiten umfassenden Band erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 14,90 € inkl. Versandkosten unter Telefon 040 9707869-0 oder über unser Bestellformular.

In den über 25 Jahren ihres Bestehens hat die Deutsche Wildtier Stiftung kein Wort über die Dichte von Rotwildpopulationen verloren. Maßstab ihres Engagements war, ist und bleibt das Wohlbefinden der überlebenden Population. Und gerade deshalb war das Thema des 9. Rotwildsymposiums, die tierschutzgerechte Rotwildreduktion, geradezu ein Paradethema für die Deutsche Wildtier Stiftung. Denn Rotwildreduktion bedeutet sehr viel mehr als heiß geschossene Gewehrläufe! Es ist verantwortungslos, dass sich bisher weder Waldeigentümer- oder Forstverbände noch Natur- oder gar Tierschutzverbände mit den vielfältigen Herausforderungen bei der Reduktion von Rotwildpopulationen auseinandergesetzt haben.

Tagungsband Rotwildreduktion

Der Tagungsband des 9. Rotwildsymposiums zeigt Hintergründe der Populationsdynamik beim Rotwild sowie Voraussetzungen und Jagdstrategien, um Rotwildpopulationen tierschutzgerecht in einem begrenzten Zeitraum zu reduzieren. Dazu gehören weder verlängerte Jagdzeiten noch die Nachtjagd. Eine als Projekt und nicht als Dauerzustand begriffene Rotwildreduktion gelingt in kompetenten und durchsetzungsfähigen Hegegemeinschaften. Ihr wichtigstes Instrument ist die Spätsommerjagd zur Erlegung von Kalb-Alttier-Doubletten. 

Inhalt des Tagungsbandes

Bad Driburger Erklärung: Empfehlungen zur Reduktion von Rotwildbeständen unter Einhaltung des Tierschutzes

Grusswort (Prof. Dr. Fritz Vahrenholt; Alleinvorstand Der Deutschen Wildtier Stiftung)

Wieviel ist zu viel?

Nachhaltige Jagd oder tierschutzgerechte Reduktion? Der schmale Grat zwischen viel und zu viel (Hilmar Freiherr v. Münchhausen)

Wann ist „viel“ zu viel? Zur Bedeutung der Rotwilddichte im Rahmen eines zeitgemässen Managements (Sven Herzog)

Wieviel ist viel? Methoden und Ergebnisse moderner Schalenwilderfassung (Reinhild Gräber)

Faktoren der Populationsdynamik

Geschlechterverhältnis der Kälber – kein Zufall beim Rotwild (Sebastian G. Vetter & Walter Arnold)

Auswirkungen der Abschussstruktur auf die Populationsentwicklung beim Rotwild (Andreas Kinser, Benno Wölfing, Hilmar Freiherr V. Münchhausen, Reinhild Gräber & Ursula Siebert)

Vom Wissen zum Handeln: Praxiserfahrungen für eine tierschutzgerechte und erfolgreiche Rotwildreduktion

Der tierschutzgerechte Alttier-Abschuss: Schlüssel zur Reduktion (Fritz Völk & Josef Zandl)

Tierschutzgerechte Alttierbejagung auf Bewegungsjagden: Bestandsaufnahme des Gesäugestatus erlegter Alttiere (Olaf Simon & Johannes Lang)

Jagdliche Infrastruktur und jagdlicher Verzicht: Schlüssel für eine effektive Einzeljagd (Burkhard Stöcker)

Erfolgreiche und tierschutzgerechte Rotwildreduktion im Südschwarzwald (Hubert Kapp)

Einfluss auf die Bestandsdynamik beim Rotwild in der Hegegemeinschaft Rothemühl (Michael Hock)

Konflikte und Lösungswege im Rotwildverbreitungsgebiet „Senne-Teutoburger Wald-Egge“ (Michael Petrak, Martin Müller & Alexander Klug)

Die tierschutzgerechte Rotwildreduktion aus Sicht…

…der Jagdverbände (Gundolf Bartmann)

…der Grundeigentümer (Clemens Freiherr v. Oer)

wissenschaftliche Kurzbeiträge

40 Jahre Rothirschmarkierung und -besenderung als Grundlage für das Management (Flurin Filli & Hannes Jenny)

Telemetrische Untersuchungen zur Interaktion von Alttier und Kalb beim Rotwild – eine individual-basierte Pilotstudie (Ulf Hettich & Ulf Hohmann)

Alte Hirsche – wie viele sollten es sein? (Dieter Holodynski)

Praxisbeispiele zur Anwendung der Scheinwerfertaxation aus drei unterschiedlichen Rotwildlebensräumen und Bundesländern (Karsten Hupe & Olaf Simon)

Beweidung mit wildlebenden Rothirschen: Auswirkung der Nahrungsqualität auf die Raumnutzung (Laura Richter, Christoph Raab, Friederike Riesch, Johannes Signer, Bettina Tonn, Marcus Meissner, Horst Reinecke, Sven Herzog, Johannes Isselstein & Niko Balkenhol)

Beweidung mit wildlebenden Rothirschen: Effektives Management zum Erhalt von FFH-Grünland? (Friederike Riesch, Bettina Tonn, Christoph Raab, Laura Richter, Johannes Signer, Horst Reinecke, Marcus Meißner, Sven Herzog, Niko Balkenhol & Johannes Isselstein)

Wildbestandserfassung als Aufgabe und Basis für die Arbeit von Hegegemeinschaften – Beispiele aus der Praxis (Olaf Simon, Johannes Lang & Karsten Hupe)

Streit um Winterfütterung in Österreich entbrannt

In Österreich ist ein erbitterter Streit um die Winterfütterung der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) ausgebrochen. Anlass und Mittelpunkt des Streits ist eine Winterfütterung für Rotwild im Gasteiner Angertal, die durch eine online-Petition und einen Fernsehbericht in den vergangenen Wochen erhebliche mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Der Vorwurf: Trotz Jahrhundertwinters haben die staatlichen Forstbetriebe als Grundbesitzer und Jagdverpächter die Winterfütterung von Reh- und Rotwild teilweise untersagt oder eingestellt. Dadurch verhungere das Wild qualvoll, kritisieren die Jäger. Die Bundesforste widersprechen, der Waldbestand sei durch die Zunahme an Verbissschäden in Gefahr.

Mittlerweile hat auch das Landesverwaltungsgericht Salzburg die Wildschäden behördlich festgestellt. Dort heisst es, dass es „auf den Flächen durch massive Wildschäden – vorrangig verursacht durch Rotwild – großflächig zum Ausfall und Absterben von Forstkulturen gekommen ist“.  Das Landesverwaltungsgericht Salzburg selbst hat einen Zusammenhang mit der Fütterung festgestellt. Weiters hat das Gericht angeordnet, „eine Wildstandsreduktion auf ein für die Wiederbewaldung verträgliches Maß herbeizuführen.“.

Den Bericht des österreichischen Fernsehsenders Servus TV finden Sie hier.

Die Gegendarstellung der Österreichischen Bundesforste finden Sie hier.

Fotorechte: © Servus TV / Mabon

Winterfütterung

Winterfütterungen sind ein wirksames Instrument, um die räumliche Verteilung von Rotwild zu steuern. Darüber hinaus wird sie vor allem in den Alpen und den Mittelgebirgen als Kompensation für Winterlebensräume in den Tallagen angesehen, die durch Besiedelung, Verkehrswege und Stauseen verloren gegangen sind. Winterfütterung kann in diesen Regionen zur Minderung von Wildschäden beitragen und helfen, Energieengpässe bei den Tieren im Winter in Folge von menschlicher Beunruhigung wie z.B. durch Freizeitnutzung auszugleichen.

Andererseits können falsch oder missbräuchlich eingesetzte Fütterungen schwerwiegende Eingriffe in das natürliche Verhalten der Tiere darstellen. Auch wird diskutiert, ob Winterfütterung dazu beiträgt, die Nahrungsgrundlage des Lebensraumes künstlich anzuheben. Eine an dieser Lebensraumkapazität orientierte Wilddichte würde zu nachteiligen Auswirkungen auf die Vegetation im Sommer führen.

Ein an der Biologie des Rotwildes orientiertes Management nutzt alle Möglichkeiten, auf Winterfütterung zu verzichten. Voraussetzungen für ein konfliktarmes Überwintern von Rotwild sind eine angemessene Populationsgröße, ruhige Einstände und vor allem ausreichend verfügbare und zugleich schadlose Äsungskapazitäten im Winter. Ein naturnah aufgebauter, gut strukturierter Wald ist dabei weniger anfällig gegen den Fraßeinfluss durch Rotwild als Altersklassenwälder. Gleichzeitig bietet die Gestaltung von Waldinnenrändern mit Weichhölzern nicht nur dem Rotwild geeignete Winteräsung, sondern bildet insgesamt einen HotSpot für die Artenvielfalt in unseren Wäldern. Unbejagte Wildäsungsflächen, die vom Wild auch am Tag genutzt werden, sind das wichtigste Element für erfolgreiche Überwinterungskonzepte beim Rotwild. Ziel sollte es also sein, Situationen, in denen Winterfütterung erforderlich ist, deutlich zu minimieren. Gleichzeitig darf der Verzicht auf Winterfütterung auch nicht zum Dogma werden.

Wintergatter

In den Alpen werden immer mehr Fütterungsbereiche eingezäunt, aus denen das Wild erst entlassen wird, wenn reichlich Bodenäsung zur Verfügung steht Für den Wald sind Wintergatter eine Entlastung. Wenn sich das Wild jedoch frühzeitig einstellt, kann es nicht mehr bejagt und der Abschuss nicht erfüllt werden. Manche Revierinhaber nutzen Wintergatter dazu, einen höheren Wildbestand zu halten. Das Gattern wilder Tiere über etwa fünf Monate pro Jahr stößt auch auf ethische Einwände und ist für viele unvereinbar mit dem Wildtiercharakter. Die Tiere selbst finden allerdings ihr Ruhebedürfnis optimal befriedigt, weil sie vor Störungen sicher sind.

Tierschutz bei der Rotwildreduktion

Vom 28. bis 30. Juni 2018 fand in Bad Driburg das 9. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung zu dem Thema „Der Rothirsch in der Überzahl – Wege zu einer tierschutzgerechten Rotwildreduktion“ statt. Ziel des dreitägigen Symposiums war, die besonderen Maßnahmen, die in zeitlich befristeten Reduktionsprojekten ergriffen werden sollten, herauszuarbeiten. In der „Bad Driburger Erklärung“, dem Abschlusspapier des 9. Rotwildsymposiums, sind die Rahmenbedingungen und jagdpraktischen Empfehlungen für eine wirkungsvolle Rotwildreduktion unter Berücksichtigung des Tierschutzes formuliert. Im Mittelpunkt steht dabei der Anspruch, dass Rotwildreduktion niemals Dauerzustand sein darf, sondern als ein zeitlich und räumlich begrenztes Projekt verstanden werden muss.

 

Bad Driburger Erklärung

Empfehlungen zur Reduktion von Rotwildbeständen unter Einhaltung des Tierschutzes

aus Anlass des 9. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung (2018)

 

Präambel

Die Verbreitung des Rotwildes in Deutschland ist sehr verschieden: Auf etwa der Hälfte der Fläche darf der Rothirsch per Gesetz nicht leben. In einem weiteren Viertel kommt er aufgrund ungünstiger Lebensraumbedingungen nicht vor. In manchen seiner Vorkommensgebiete ist der Bestand so stark reduziert, dass die Art keine Rudel mehr bilden und damit nicht ihrer Biologie entsprechend leben kann. Hier muss die Population wieder wachsen. In anderen Verbreitungsgebieten ist die Dichte auf großer Fläche aber auch sehr hoch. Sehr hohe Rotwilddichten können regional, z.B. in Großschutzgebieten oder auf Truppenübungsplätzen, toleriert oder sogar erwünscht sein und müssen auch in der Normallandschaft nicht unausweichlich zu untragbaren Schäden in der Land- und Forstwirtschaft führen. Dennoch ist die Gefahr groß, dass sehr hohe Rotwilddichten in unserer Normallandschaft nicht mit den berechtigten Interessen der Landnutzer zu vereinbaren sind. In diesem Fall müssen Rotwildbestände reduziert werden.

Rotwildpopulationen tierschutzgerecht zu reduzieren ist eine viel anspruchsvollere Aufgabe als die normale Jagd, bei der Wildtierbestände nachhaltig genutzt werden. Denn das tierschutzgerechte Erlegen von erwachsenen weiblichen Individuen ist beim Rotwild aufgrund der engen und langen Bindung zwischen Alttier und Kalb deutlich schwieriger als bei anderen Schalenwildarten. Darüber hinaus muss auch während der Reduktion des Wildbestandes die Sichtbarkeit und damit die Bejagbarkeit des störungsempfindlichen Rotwildes erhalten bleiben. Unter diesen Prämissen wird eine Reduktion des Rotwildbestandes nicht erfolgreich sein, wenn die bisherige Jagdpraxis einfach nur intensiviert oder Jagdzeiten verlängert oder gar die Nachtjagd zugelassen werden. Es braucht vielmehr besonderer Methoden und Jagdstrategien, um Rotwildbestände tierschutzgerecht zu reduzieren.

Eine wirkungsvolle und dabei tierschutzgerechte Rotwildreduktion darf nie Dauerzustand sein, sondern muss als ein zeitlich und räumlich begrenztes Projekt verstanden werden. In diesem Reduktionsprojekt müssen alle Prinzipien für einen waidgerechten und damit fairen und verantwortungsvollen Umgang mit Rotwild weiterhin gelten. Dazu gehören neben den im Bundesjagdgesetz formulierten Tierschutzaspekten, u.a. zum Muttertierschutz und dem Verbot der Hetzjagd (§§ 19, 22 BJagdG), auch der Verzicht auf die Nachtjagd, die Einrichtung und Beibehaltung von Wildruhezonen und ein Jagdzeitende am 31.12. eines jeden Jahres.

Rahmenbedingungen für ein Reduktionsprojekt

Die Reduktion von Rotwildpopulationen ist niemals Selbstzweck und niemals ein Automatismus als Folge von hohen Schäden durch Rotwild. Sie ist einer von mehreren und immer der als Letztes zu verfolgende Lösungsweg. Ein Reduktionsprojekt folgt einem abgestimmten Projektplan und gelingt vor allem in kompetenten und durchsetzungsfähigen Hegegemeinschaften. Diese sollten eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sein. Je nach Ausgangspopulation sollte das Reduktionsprojekt in der Regel nicht länger als fünf Jahre dauern.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Reduktionsprojekt sind

  • die möglichst genaue Kenntnis von Umfang sowie Alters- und Sozialstruktur der Population auf Grundlage anerkannter Methoden,
  • die möglichst genaue Kenntnis und Beschreibung von Ausmaß und räumlicher Verteilung des Konfliktes,
  • der Konsens von Grundeigentümern, Bewirtschaftern und Jagdausübungsberechtigten über das zu tolerierende Maß des Wildeinflusses in Wald und Feldflur und das Ausmaß der Bestandesreduktion,
  • das Erarbeiten eines Projektplanes, ggf. unter Einbindung externer, professioneller Berater, in dem das Projektgebiet, die Laufzeit, begleitende Maßnahmen und Indikatoren für den Projekterfolg definiert werden,
  • vorhergehende intensive Bemühungen zur Konfliktlösung durch Grundeigentümer, Bewirtschafter und Jagdausübungsberechtigte u.a. durch veränderte Jagdstrategien, Lebensraumverbesserungen und waldbauliche sowie landwirtschaftliche Maßnahmen,
  • die Umsetzung des Reduktionsprojektes bevorzugt in den Konfliktschwerpunkten,
  • ein Endbestand, der in seinem Umfang und seiner Alters- und Sozialstruktur die Rudelbildung zulässt und
  • die regelmäßige Evaluierung der Konfliktsituation und des Populationszustandes während des Reduktionsprojektes.

Empfehlungen für die Jagdpraxis in einem Reduktionsprojekt

Höhe und Struktur der Jagdstrecke

Rotwild wird reduziert, indem die getätigten Abschüsse deutlich über dem Zuwachs liegen. Nachhaltig werden Rotwildbestände aber erst reduziert, wenn der Anteil an Zuwachsträgern innerhalb der Population sinkt. Das tierschutzgerechte Erlegen von Alttieren ist daher das wichtigste und wirkungsvollste Instrument in Reduktionsprojekten.

Merkmale eines wirkungsvollen und gleichzeitig tierschutzgerechten Reduktionsprojektes sind

  • der körperliche Nachweis aller erlegten Individuen,
  • ein Gesamtabschuss, der 10 bis 25 % über dem erwarteten Zuwachs liegt,
  • ein Anteil von maximal 40 % männlichen Wildes am Gesamtabschuss,
  • ein Streckenverhältnis von Alttieren zu Kälbern, das tierschutzgerecht – und damit immer nach dem Prinzip „erst das Kalb und dann das dazu gehörende Alttier“ – zu realisieren ist und durch das gleichzeitig ausreichend Zuwachsträger aus der Population entnommen werden (Streckenverhältnis 1:1,5 bis 1:2),
  • ein Verhältnis von nahezu gleich vielen erlegten Alt- und Schmaltieren im Vergleich zu den erlegten Kälbern.

Jagdstrategien während eines Reduktionsprojektes

Die tierschutzgerechte Reduktion von Rotwild in einem begrenzten Zeitraum erfordert Einsatz, Disziplin und handwerkliches Können, um eine hohe Gesamtstrecke und die angestrebte Streckenstruktur zu erreichen. Wesentliches Element von Reduktionsprojekten ist die Einzeljagd auf weibliches Wild im Spätsommer.

Instrumente und Merkmale der Einzeljagd während eines tierschutzgerechten Reduktionsprojektes sind

  • die intensive Kahlwildjagd im August zum Erlegen von Kalb-Alttier-Dubletten mit erfahrenen und qualifizierten Jägern,
  • die Kahlwildjagd in der Brunft abseits der Brunftplätze,
  • die Frühsommerjagd auf Schmaltiere und -spießer mit erfahrenen und qualifizierten Jägern,
  • der Verzicht auf das Erlegen von Schmalspießern und jungen Hirschen aus gemischten Rudeln zu Gunsten von Kälbern und Schmaltieren,
  • der Anspruch, beim Kälberabschuss in geeigneten Situationen möglichst weibliche Kälber aus einem Rudel zu erlegen,
  • im Fall einer unzureichenden Abschusshöhe bei den Alttieren die gezielte Anrührjagd auf nicht-führende Alttiere mit erfahrenen und qualifizierten Jägern kurz vor dem Ende der Jagdzeit und
  • die Einrichtung und das Respektieren von Wildruhezonen, um die Sicht- und damit auch die Bejagbarkeit des Rotwildes zu unterstützen.

Die Merkmale der Bewegungsjagd während eines tierschutzgerechten Reduktionsprojekts sind

  • die Konzentration auf den Kälberabschuss,
  • die ausschließliche Freigabe von Alttieren erst nach Erlegen des sicher zum Alttier gehörenden Kalbes,
  • die ausschließliche Freigabe von einzeln ziehenden Schmalspießern und jungen Hirschen auf Bewegungsjagden,
  • die ständige Evaluierung von Organisation und Ablauf der Bewegungsjagd u.a. durch Vergabe und Auswertung von Standkarten und
  • die regelmäßige Veränderung von Jagdablauf und Schützenständen, um Erfahrungs- und Traditionsbildung beim Rotwild zu vermeiden.

Download

Bad Driburger Erklärung: Empfehlungen zur Reduktion von Rotwildbeständen unter Einhaltung des Tierschutzes

Bilder vom 9. Rotwildsymposium

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Deutsche Wildtier Stiftung verurteilt Schonzeitaufhebung in RLP

Hamburg, 01. Februar 2018. Am 1. Februar beginnt für Rothirsche in ganz Deutschland endlich die Schonzeit. In ganz Deutschland? Nein! Ein kleiner Landkreis im Südwesten der Republik zieht weiter gegen die Hirsche zu Felde und verlängert die Jagdzeit bis in den März. Damit nicht genug: Um die Jagdstrecke in den kommenden Wochen noch zu erhöhen, dürfen die Tiere per Ausnahmeregelung in stockdunkler Nacht mit Scheinwerfern angestrahlt und dann abgeschossen werden. „Die Schonzeitaufhebung im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis ist an behördlichem Aktionismus und wildbiologischer Unkenntnis nicht zu überbieten“, kommentiert Dr. Andreas Kinser, Jagd- und Forstexperte der Deutschen Wildtier Stiftung die Bekanntmachung der Oberen Jagdbehörde. Die Schonzeitaufhebung soll nach Behördenwillen die Schäden des Rotwildes auf landwirtschaftlichen Flächen verhindern. „Die viel langfristigeren Schäden im Wald werden aber durch nächtliche Jagd im Februar und März massiv zunehmen“, so Kinser weiter. „Im Rhein-Lahn-Kreis wird in Sachen Rotwild in den kommenden Wochen alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.“

Dass in der Region zwischen Rhein und hessischer Landesgrenze ein sehr hoher Rotwildbestand existiert, ist seit vielen Jahren bekannt. Darum wurde im vergangenen Jahr der Abschussplan großzügig erhöht. Da bisher die neuen Zielvorgaben nicht erreicht wurden, sollen es nun eine verlängerte Jagdzeit und künstliche Lichtquellen richten. Ignoriert wird aber die Tatsache, dass die Tiere, die Nachts auf die Felder ziehen und dort gejagt werden, in den kommenden Wochen den Wald kaum mehr verlassen werden und dann dort junge Baumtriebe und Rinde fressen. Dass Problem wird also lediglich vom Feld in den Wald verschoben.

Die Deutsche Wildtier Stiftung warnt davor, dass das Rotwild durch die nächtlichen Abschusskommandos immer unsichtbarer wird und der dringend notwendige Abschuss zukünftig noch schwerer zu erfüllen sein wird. Ein Teufelskreis! „Die Reduktion einer Rotwildpopulation ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, so Andreas Kinser. „Klug wäre eine intensive Jagd im August und gemeinsames Jagen im Herbst, um möglichst viele weibliche Tiere tierschutzgerecht zu erlegen.“ Ganz falsch ist ein wahlloser Eingriff im Winter, wenn die Tiere von Natur aus eigentlich auf Sparflamme leben. Fazit: Verantwortungsvolle Jäger reduzieren hohe Rotwildpopulationen im Spätsommer und Herbst. Behördlicher Aktionismus beginnt aber erst, wenn es längst zu spät ist.

Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Rotwild ein, der auch notwendige Reduktionsphasen einschließt. Die tierschutzgerechte Rotwildreduktion wird auch das Thema des 9. Rotwildsymposiums sein, das die Stiftung im Juni 2018 in Nordrhein-Westfalen veranstalten wird. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Tagungsband zur Jagd in großen Schutzgebieten veröffentlicht

Unter dem Titel „Der Hirsch als Naturschützer“ hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Tagungsband ihres 8. Rotwildsymposiums veröffentlicht. Die Publikation dokumentiert die Vorträge und Diskussionen des Symposiums, dass 2016 in Baden-Baden stattgefunden hat. Den Tagungsband „Der Hirsch als Naturschützer” erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 14,90 € inkl. Versandkosten unter Telefon 040 9707869-0 oder über unser Bestellformular.

Der Tagungsband des 8. Rotwildsymposiums enthält wissenschaftliche Beiträge, die die positiven Effekte von Rothirsch und Co. auf die Biologische Vielfalt darstellen und belegen. Andere Vorträge setzten sich damit auseinander, wie das Wissen um die ökologische Bedeutung großer Huftiere in praktisches Handeln übersetzt werden kann. Dies ist vor allem für Nationalparke, Biosphärenreservate und andere Großschutzgebiete relevant.

 

In der Publikation werden aber auch Beispiele von Nationalparken, Biosphärenreservaten und andere Großschutzgebieten präsentiert, in denen bereits heute Konsequenzen aus dem Wissen um die ökologische Bedeutung von Huftieren gezogen werden. Die Jagd außerhalb großer jagdfreier Gebiete dient dort nur noch dem Schutz des land- und forstwirtschaftlich genutzten Umlandes. In Ihrer „Baden-Badener Erklärung“, die den verschiedenen Buchbeiträgen im Tagungsband vorangestellt ist, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung ebenfalls einen vollständigen Jagdverzicht auf den bereits heute ausgewiesenen Prozessschutzflächen. In Summe ist dies weniger als 1 % der terrestrischen Fläche der Bundesrepublik Deutschland! Darüber hinaus sollten zukünftig alle Großschutzgebiete eine Vorreiterrolle beim Umgang mit Huftieren einnehmen.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung fand vom 07. bis 09. Juli 2016 im Kurhaus Casino in Baden-Baden statt und wurde durch die Eva-Mayr Stihl Stiftung gefördert.

 

Inhalt des Tagungsbandes

Baden-Badener Erklärung (Abschlussdokument des 8. Rotwildsymposiums)

Grusswort 

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (Alleinvorstand Der Deutschen Wildtier Stiftung)

Ökologische Funktionen von Rotwild in seinem Lebensraum

Der Rothirsch und die Biodiversität – Versuch einer Standortbestimmung (Sven Herzog)

Die Ökologischen Wirkungen von Rotwild und anderen wildlebenden Huftieren: Ergebnisse einer Literaturrecherche (Andreas Kinser, Coralie Herbst & Hilmar Freiherr v. Münchhausen)

Der Einfluss vom Rothirsch auf die Vegetation und die ökologischen Prozesse im Schweizerischen Nationalpark (Flurin Filli)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger (Marcus Meißner, Ulrich Maushake, Niko Balkenhol, Sven Herzog, Johannes Isselstein, Christoph Raab, Horst Reinecke, Laura Richter, Friederike Riesch, Johannes Signer, Hans-Georg Stroh & Bettina Tonn)

Von hier nach dort: Endozoochorer Transport von Pflanzendiasporen durch den Rothirsch – Potenzial für Arten des wertgebenden Offenlands (Anya Wichelhaus)

 

Der Umgang mit Schalenwild in großen Schutzgebieten

Rotwildmanagement in den Nationalparken Deutschlands – ein Überblick aus sozialwissenschaftlicher Perspektive (Stefan Ehrhart & Ulrich Schraml)

Bewertung der Naturnähe des Rothirschmanagements in mitteleuropäischen Nationalparken (Stephan Jüstl & Marco Heurich)

Die Grenzen der natürlichen Entwicklung: Wildtiermanagement im Nationalpark Hainich (Rüdiger Biehl)

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin: Ein Modell für nachhaltige Nutzung – auch für den Rothirsch? (Mathias Herrmann & Frank Christian Heute)

Faszination Wildnis! Herausforderung Rotwild? (Hubertus Meckelmann)

Der Rothirsch als Teil unseres Naturerbes (H. Otto Denstorf)

Prozessschutz für den Rothirsch – Zwischen Illusion und Vision (Friedrich Burghardt)

 

Posterpräsentationen

Streifgebietsgrößen von Rothirschen im subalpinen Raum unter intensivem Fütterungsregime (Johanna Maria Arnold & Klaus Hackländer)

Einflussfaktoren auf Verbiss, Schäle und Fegen von Rothirsch, Reh und Damhirsch in europäischen Waldökosystemen (Johanna Maria Arnold, Philipp Gerhardt, Eduard Hochbichler & Klaus Hackländer)

Fang von Rotwild im Rahmen des Projektes „Erhalt von Offenlandschaften durch zielgerichtetes Flächen- und Wildtier-Management“ (Marcus Meißner, Laura Richter, Niko Balkenhol & Sven Herzog)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als landschafts-Pfleger: Vegetation und Fernerkundung (Christoph Raab, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Rotwildtelemetrie (Laura Richter, Christoph Raab, Marcus Meißner & Niko Balkenhol)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Vegetationsökologie (Friederike Riesch, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Die Ausbreitung des Wolfs und seine empfundenen Effekte auf den Rothirsch in den Niedersächsischen Revieren – Ergebnisse aus der Wildtiererfassung (WTE) (Egbert Strauß & Reinhild Gräber)

Auswirkungen der Landschaftszerschneidung auf Rothirsch (Cervus Elaphus) und Wildkatze (Felis Silvestris): eine deutschlandweite landschaftsgenetische Studie (Katharina Westekemper)

Tagungsbände zum Download

Die Tagungsbände der Rotwildsymposien der Deutschen Wildtier Stiftung tragen die Tagungsinhalte weit über den Teilnehmerkreis hinaus. Die Publikationen der letzten drei Rotwildsymposien erhalten Sie über unser Bestellformular. Die vergriffenen Tagungsbände des 1. bis 5. Rotwildsymposiums haben wir für Sie hier zum Download zur Verfügung gestellt.

5. Rotwildsymposium (2010): Der Hirsch und der Wald – von einem abgeschobenen Flüchtling und seinem ungeliebten Exil

Wie kann das Miteinander von Wald, Wild und den Nutzungsinteressen des Menschen vereinbart werden? Die Beiträge unterstreichen, dass Ursache für den sogenannten Wald-Wild Konflikt auch ein fehlgeleiteter Waldbau, falsche Jagdstrategien oder ein ungelenkter Tourismus sein kann. Die Lösung des Konfliktes liegt immer in einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten. (mit Beiträgen u.a. von Heinrich Reck, Friedrich Reimoser und Michael Miersch)

Neben den Vorträgen enthält der Tagungsband auch Kurzbeiträge zu aktuellen Forschungsergebnissen aus der umfangreichen Posterausstellung.

Hier geht’s zum download des Tagungsbandes vom 5. Rotwildsymposium

 

4. Rotwildsymposium (2008): „Jagdfrei“ für den Rothirsch

Der  Tagungsband des 4. Rotwildsymposiums „`Jagdfrei´ für den Rothirsch“ fasst alle Referate rund um die drei zentralen Forderungen der Deutschen Wildtier Stiftung mit Blick auf eine Verringerung des Jagddrucks zusammen. Wildbiologen, Jagdpolitiker und Praktiker haben darin wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen zur Verkürzung der Jagdzeit, zum Einhalten des Nachtjagdverbotes und zur Ausweisung von Wildruhezonen zusammengetragen.

Hier geht’s zum download des Tagungsbandes vom 4. Rotwildsymposium

 

3. Rotwildsymposium (2006): Freiheit für den Rothirsch! – Zur Zukunft der Rotwildgebiete in Deutschland

Mit dem Ziel, Wege aufzuzeigen, wie im Konsens mit allen Beteiligten dem Rotwild wieder mehr Lebensraum eröffnet werden kann, hatte die Deutsche Wildtier Stiftung zu ihrem 3. Rotwildsymposium nach Berlin geladen. (mit Beiträgen u.a. von Josef H. Reichholf, Florian Asche und Rudolf Gürthler)

Hier geht’s zum download des Tagungsbandes vom 3. Rotwildsymposium

 

2. Rotwildsymposium (2004): Ein Leitbild für den Umgang mit dem Rothirsch in Deutschland – Vom Reden zum Handeln

Im Mittelpunkt des 2. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung stand die Auseinandersetzung um ein Leitbild für den zukünftigen Umgang mit dem Rothirsch in Deutschland. (mit Beiträgen u.a. von Ulrich Wotschikowsky, Olaf Simon und Helmuth Wölfel)

Hier geht’s zum download des Tagungsbandes vom 2. Rotwildsymposium

 

1. Rotwildsymposium (2002): Der Rothirsch – Ein Fall für die Rote Liste ? – Neue Wege für das Rotwildmanagement

Mit ihrem 1. Rotwildsymposium hat die Deutsche Wildtier Stiftung ein gemeinsames Forum der verschiedenen Interessengruppen („stakeholders“), der Politik und der Wissenschaft etabliert. Es soll dazu beitragen, die wissenschaftlichen Ergebnisse in politische und praktische Handlungsempfehlungen umzusetzen und die Öffentlichkeit in eine Zukunft für den Rothirsch einzubinden. (mit Beiträgen u.a. von Wolfgang Schröder, Elisaberth Emmert und Joachim Selesnow)

Hier geht’s zum download des Tagungsbandes vom 1. Rotwildsymposium

 

Positionspapier zur Jagd in Nationalparken

Über 25 Jahre nach Gründung der Nationalparke Müritz, Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund fordern acht Naturschutzorganisationen die konsequente Weiterentwicklung der drei Nationalparke in Mecklenburg-Vorpommern.  Neben den beiden Naturschutzverbänden NABU und BUND sowie dem WWF und der Deutschen Wildtier Stiftung sind das der Ökologische Jagdverband MV, die Fördervereine des Müritz-Nationalparks und des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft sowie der Verein der Freunde und Förderer des Nationalparks Jasmund.

Zu dem gemeinsamen Positionspapier der acht Organisationen gelangen Sie hier.

Weltweit werden Nationalparke ausgewiesen, damit sich die Natur an manchen Orten ohne direkte Einflussnahme des Menschen entwickeln kann. In Deutschland sind die Nationalparke von diesem Ziel jedoch noch weit entfernt: Selbst in den Kernzonen werden große Wildtiere nach wie vor durch Jagd reguliert und die Natur vor sich selbst bewahrt. Immerhin: In Mecklenburg-Vorpommern wird ab Ende dieses Jahres jeglicher Holzeinschlag eingestellt. Weiterhin in erheblichem Umfang finden aber Jagd und Fischerei selbst in den Kernzonen statt. Die bislang einmalige Allianz der Naturschutzorganisationen fordert diesbezüglich eine rasche und konsequente Nachsteuerung ein. „Im Grundsatz müssen alle Eingriffe künftig ausschließlich auf die Minimierung von Schäden ausgerichtet sein, die Wildtiere außerhalb der Nationalparke, im Siedlungsraum oder an Hochwasserschutzanlagen verursachen“, so Albrecht von Kessel, Vorsitzender des Fördervereins Müritz-Nationalpark und ergänzt: „So weit wie möglich müssen sich daher die Jagd und das Wildmanagement aus den Kernbereichen der Nationalparke zurückziehen.“

Besuchern ist es nicht mehr vermittelbar, dass bis auf kleine Ausnahmen, wie z.B. der Wildruhezone am Darßer Ort, die weit überwiegenden Teile der Nationalparke nach wie vor bejagt werden. „Natur Natur sein lassen“ muss sich hier so weit wie möglich endlich auch auf das Wildmanagement beziehen. Das gilt vor allem für die Nationalparke Müritz und Vorpommersche Boddenlandschaft und aufgrund seiner kleinen Fläche eingeschränkt für den Nationalpark Jasmund.

Die acht Naturschutzorganisationen sind bereit, die Landesregierung bei der künftigen Entwicklung der drei Nationalparke aktiv zu unterstützen und konstruktiv zu begleiten. Leitlinien müssen dabei die internationalen Standards für Nationalparke sein. Neben dem Positionspapier der acht Organisationen bieten die regelmäßigen Prüfberichte von EUROPARC Deutschland – dem Dachverband der Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke in Deutschland – die dafür notwendigen Hinweise.

Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt das gemeinsame Papier der Umweltverbände zur Weiterentwicklung der Nationalparke. In ihrer Baden-Badener Erklärung, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass ihres 8. Rotwildsymposiums formuliert hat, fordert die Stiftung bereits im Jahr 2016 einen vollständigen Jagdverzicht in den Kernbereichen der Großschutzgebiete.

 

 

 

 

 

Die Deutsche Wildtier Stiftung veröffentlicht Forderungen zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten

Die Deutsche Wildtier Stiftung veröffentlicht ihre Baden-Badener-Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten.

Große, wild lebende Huftiere wie der Rothirsch lösen in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft viele Konflikte aus. Im Gegensatz zu dieser „Normallandschaft“ stehen in großen Schutzgebieten jedoch die Ziele des Natur-, Arten- und Prozessschutzes im Mittelpunkt. Und zu diesen ökologischen Prozessen gehören auch unsere Huftiere wir Rothirsch, Reh und Wildschwein. Ihre Einflüsse wie Beweidung und Tritt, Samenverbreitung und Verwesung fördern völlig unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten und Artgemeinschaften und tragen in ihrer Gesamtheit zu einem heterogenen und damit artenreichen Ökosystem bei. Als Konsequenz aus dem Wissen um die ökologischen Funktionen der Huftiere fordert die Deutsche Wildtier Stiftung in ihrer Baden-Badener Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten einen veränderten Umgang mit Rothirsch & Co. in National- und Naturparken, Biosphärengebieten und auf den großen Flächen des Nationalen Naturerbes. Denn selbst in Nationalparken wird der Rothirsch bisher nur geduldet aber nicht als Bestandteil des zu schützenden Ökosystems und der ökologischen Prozesse wahrgenommen.

In der Baden-Badener Erklärung, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass ihres 8. Rotwildsymposiums formuliert hat, fordert die Stiftung unter anderem einen vollständigen Jagdverzicht in den Kernbereichen der Nationalparke. Darüber hinaus sollten alle Großschutzgebiete in Deutschland auch Lebensraum für den Rothirsch sein. Besonders in Bayern und Baden-Württemberg gibt es große Schutzgebiete, in denen der Rothirsch „per Dekret“ nicht leben darf.

Die Baden-Badener Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten finden Sie hier.

Eine Pressemeldung zur Veröffentlichung der Baden-Badener Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten finden Sie hier.

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