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Der Rothirsch – Ein Fall für die Rote Liste ? – Neue Wege für das Rotwildmanagement

Nur wenige unserer mitteleuropäischen Wildtierarten bewegen und polarisieren die Fachwelt seit mehreren Jahrzehnten so sehr wie der Rothirsch. Die Gründe hierfür sind vielfältig und zum Teil sicher historisch gewachsen, zum Teil aber auch Ausdruck aktueller Probleme hinsichtlich des Managements dieser Art. Konsens herrscht lediglich dahingehend, dass diese freilebende mitteleuropäische Großwildart zumindest im überwiegenden Teil des Landes eines aktiven Managements bedarf.

Konsensfähige Managementkonzepte zu erarbeiten ist offensichtlich nicht einfach. Eine Besonderheit dieser Wildtierart ist, dass sie gebietsweise in hohen Populationsdichten vorkommt, welche teilweise die Umsetzung zeitgemäßer Waldbaukonzepte verhindern, andererseits aber zweifellos Kriterien für die Aufnahme in die Roten Listen erfüllt. Beides wird durch die fortschreitende Teilung eines ehemals geschlossenen Verbreitungsgebietes und die Zurückdrängung dieser ehemals flächendeckend vorkommenden Art in 140 so genannte Rotwildgebiete zusätzlich verstärkt. So sind dem Rothirsch heute nur noch zirka 20% seines ursprünglichen Lebensraumes geblieben. Inwieweit die Fragmentierung der Landschaft bereits die langfristige evolutionäre Anpassungsfähigkeit und damit die Überlebensfähigkeit dieser Art beeinflusst, ist derzeit Gegenstand verschiedener Untersuchungen.

Zudem wird der Rothirsch als einheimisches Wildtier von der breiteren Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Er ist aufgrund der menschlichen Einflüsse auf seine Lebensräume für die meisten Menschen nicht mehr erlebbar. Die Diskussion in der Fachöffentlichkeit schließlich ist durch die mangelhafte und sehr emotionale Kommunikation zwischen einzelnen Interessengruppen geprägt. Mit dieser Veranstaltung möchten die Veranstalter alle Interessierten zum gemeinsamen Dialog einladen. Insbesondere sehen die Veranstalter vor diesem Hintergrund Handlungsbedarf in mehrere Richtungen:

  • Ein gemeinsames Forum der verschiedenen Interessengruppen („stakeholders“), der Politik und der Wissenschaft soll etabliert werden. Dieses kann und soll die Basis für eine dringend erforderliche, bundesweit koordinierte „Rotwildpolitik“ bilden, und die wissenschaftlichen Ergebnisse in politische und praktische Handlungsempfehlungen umsetzen.
  • Eine Intensivierung und Versachlichung der Diskussion unter Einbeziehung einer breiten Öffentlichkeit ist dringend erforderlich. Eine Zukunft für den Rothirsch kann es nur bei ausreichendem Interesse und Verständnis in der Bevölkerung geben.
  • Die Rotwildforschung im deutschsprachigen Raum erfolgt immer noch weitgehend in kleinen und kleinsten Forschergruppen. Sie ist ohne eine intensive Vernetzung dieser Gruppen kaum zukunftsfähig. Konzepte für integrierende, großräumige und insbesondere auch internationale wissenschaftliche Verbundprojekte fehlen bisher weitgehend. Diese gilt es zu erarbeiten.

 Allein Jäger und Förster haben sich bisher des Rothirsches angenommen. Das Interesse der Jäger hat wohl das Überleben der Hirsche gesichert. Die Schäden im Wald sind deutlich zurückgegangen. Doch das reicht weder, um dem Wildtier eine angemessene Zukunft zu sichern, noch um das faszinierende Großtier für die Bevölkerung erlebbar zu machen. Daher engagieren sich jetzt auch verstärkt andere Gruppen der Gesellschaft für diese Art. Die großen Naturschutzverbände und Naturschutzverwaltungen, Verkehrswegeplaner und nicht zuletzt auch zahlreiche Politiker seien als Beispiel genannt.

Viele Vertreter dieser Gruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind auf Initiative der Deutschen Wildtier Stiftung und der Abteilung für Wildökologie und Jagdwirtschaft der TU Dresden in Bonn zusammengekommen. Sie haben Erfahrungen ausgetauscht, Lösungsansätze aufgezeigt, Handlungsempfehlungen als Voraussetzung für eine bundesweit koordinierte Rotwildpolitik erarbeitet und den Grundstein für ein gemeinsames Vorgehen zum Wohle dieser Art gelegt.

Der Tagungsband zum 1. Rotwildsymposium

Cover Fall für die Rote ListeInhalt

Aktuelle Fragen der Rotwildforschung/ Prof. Dr. W. BÜTZLER (Fachhochschule Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen)

Autobahnen-Wasserstraßen-Revierzuweisung. Zu den Lebensraumansprüchen und der Verinselung des Rothirsches/ Dr. H. WÖLFEL, M. MEISSNER (Georg-August-Universität Göttingen)

Untersuchungen zur Bestandesentwicklung und Wildverteilung von Rotwild als Hinweis für die Abschlussplanung/ Dr. F. TOTTEWITZ (Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Eberswalde)

Anwendung von Satellitentelemetrie und GIS für die ökologische Raumplanung bei Rotwild im Nordostdeutschen Tiefland/ Prof. Dr. S. RIEGER, C. PFEIFLE und M. MÄTZOLD (Fachhochschule Eberswalde)

Voraussetzungen für die nachhaltige Integration des Naturerbes „Rotwild“ in die Kulturlandschaft/ Prof. Dr. F. REIMOSER (Tierärztliche Universität Wien)

Rotwild im Thüringer Wald – Population und Lebensraum als Basis großräumiger Bewirtschaftung/ Prof. Dr. S. GÄRTNER (Fachhochschule Schwarzburg)

Verbiss im Bergwald: Welche Rolle spielt der Rothirsch? Forschungsfragen und –ansätze im Programm „Wald-Wild-Kulturlandschaft“ der WSL/ Dr. W. SUTER (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf)

Rothirsche in einem unbejagten Gebiet – das Experiment Schweizerischer Nationalpark/ Dr. E. FILLI (Schweizerischer Nationalpark, Zernetz)

Rotwild als Bioindikator/ Prof. Dr. H. KIERDORF (Universität Hildesheim)

Hirsche neu sortiert: Erkenntnisse aus der Cervidengenetik/ Prof. Dr. W. SCHRÖDER (Technische Universität München)

Genetische Strukturen des Rotwildes und deren Konsequenzen für das Management der Art/ H’Doz Dr. Dr. S. HERZOG (Technische Universität Dresden)

Mensch und Rothirsch – Gedanken zu einem zeitgemäßen Umgang mit großen Säugetieren in der Kulturlandschaft/ H. G. RETHWISCH (Deutsche Wildtier Stiftung)

Neue Aufgaben für alte Parke/ Prof. Dr. W. SCHRÖDER (Technische Universität München)

Vernetzung von Rotwildlebensräumen und Berücksichtigung seiner Lebensansprüche in der Kulturlandschaft am Beispiel des Landes Nordrhein-Westfalen/ Dr. M. PETRAK (Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Nordrhein-Westfalen)

Zur Lebensraumsituation des Rotwildes in Deutschland –vom Einzelrevier zur Rotwild-Region/ R. W. BECKER (AG Rotwild im Deutschen Jagdschutzverband)

Agrarpolitik – Chance oder Gefahr für heimische Wildtiere? H. Frhr. v. MÜNCHHAUSEN (WWF Deutschland)

Ein Leitbild für das Rotwild-Management in Deutschland / U. WOTSCHIKOWSKY & O. SIMON (VAUNA & Institut für Tierökologie und Naturbildung)

König der Wälder oder großer brauner Rindenfresser – Rotwildbejagung aus Sicht des ÖJV / E. EMMERT (Ökologischer Jagdverein)

Eine erstaunliche Karriere – vom bösen Rinderfresser zur ökologischen Leittierart / G. BEYER (NABU)

Interdisziplinäre Überlegungen zur Wertigkeit der Art Rotwild /J. SELESNOW (Schutzgemeinschaft Deutsches Wild)

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Der Rothirsch – Ein Fall für die Rote Liste. Tagungsband zum 1. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung

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