Trophäenjagd im Nationalpark?

(Hannoversche Allgemeine vom 17. August 2016) Der frühere Leiter des Nationalparks Harz kritisiert die derzeitige Rotwildjagd im Großschutzgebiet. Die sollte es eigentlich nur unter streng ökologischen Kriterien geben. Doch unter der Hand habe sich eine widersinnige Entwicklung vollzogen. Sein Vorwurf: „Wir haben praktisch eine Trophäenjagd bekommen, die dem Gedanken eines Nationalparks völlig zuwiderläuft“, sagt Wolf-Eberhard Barth. Dies belegten Veröffentlichungen des Rotwildringes Harz, in denen sich unter dem im Nationalpark Harz erlegten Rotwild ungewöhnlich viele kapitale Hirsche fänden.

Der Nationalpark Harz, der als gesamtdeutsches Projekt 2006 fusionierte, umfasst etwa ein Zehntel der Mittelgebirgsregion rund um den Brocken. Im Gegensatz zum Schweizerischen Nationalpark ist hier die Jagd auf Hirsche erlaubt. Männliche Rothirsche sollten aber nur bis zu einem Alter von vier Jahren bejagt werden. So ist es in den Konzepten des Nationalparks festgehalten. Doch die jüngste Statistik (2015) des Rotwildringes Harz spricht eine andere Sprache. „Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Hirschen war mit 368 zu 366 fast gleich. Und unter den erlegten Hirschen war sogar ein zwölf Jahre alter Zwanzigender“, klagt der frühere Forstdirektor.

Sabine Bauling von der Nationalparkverwaltung widerspricht hier nicht. Sie bestätigt, dass derzeit auch ältere Hirsche abgeschossen würden. „Nicht wegen der Trophäen“, sagt sie: „Aber wir haben ein echtes Rotwildproblem.“ Dass man von den selbst gesetzten Regeln abweiche, sei eine „temporäre Sache“, von der man erst lasse, wenn die Population zurückgegangen sei. Deshalb habe man seit 2010 steigende Abschusszahlen. Bauling verweist auf den „extremen Wildtierverbiss“: „Wenn zehn Jahre alte Buchen wie ein Bonsai aussehen, dann hat das nichts mit Nationalpark zu tun.“ Für Barth führt diese Abschuss-Strategie in die völlig falsche Richtung. Denn man vergräme die Hirsche, die doch Besucher des Nationalparks anziehen sollten.

Zu dem Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gelangen Sie hier.

Die Deutsche Wildtier Stiftung forderte auf ihrem 8. Rotwildsymposium  im Juli 2016 den Jagdverzicht in Kernzonen der Nationalparke. Rotwild und andere wildlebende Huftiere haben einen ökologischen Zweck und sind der Schlüssel für viele ökologische Prozesse. Der Umgang mit Huftieren sollte daher vor allem dort neu bewertet werden, wo der Schutz der natürlichen Prozesse im Vordergrund steht. Zu diesen sogenannten Prozessschutzflächen gehören auch die Kernzonen der Nationalparke. Die Reduktion und Nutzung von Schalenwild durch Jagd sollte aus Sicht der Deutschen Wildtier Stiftung in die Übergangsbereiche zur Normallandschaft konzentriert werden.

 

 

Tagungsbericht vom 8. Rotwildsymposium

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung vom 07. bis 09. Juli 2016 in Baden-Baden stand unter dem Titel „Der Hirsch als Naturschützer“. Die Vorträge und Diskussionen behandelten auf der einen Seite die ökologischen Funktionen, die Rothirsche und andere Huftiere in ihrem Lebensraum übernehmen. Als Konsequenz aus dem Wissen um diese Effekte diskutierten die über 170 Teilnehmer aus Naturschutz-, Jagd- und Forstbehörden, Politik und Wissenschaft auf der anderen Seite den Umgang mit großen Huftieren in Großschutzgebieten.

Den ausführlichen Tagungsbericht des 8. Rotwildsymposiums und eine Bildgalerie finden Sie hier.

 

Zu den ökologischen Effekten durch Beweidung, Tritt, Samenverbreitung und Verwesung hat die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass des 8. Rotwildsymposiums eine Literaturzusammenfassung veröffentlicht.

Informationen zu der Literaturzusammenfassung finden Sie hier. Recherche ökologische Funktion Rothirsch

Der Rothirsch als Naturschützer

Hamburg, 7. Juli 2016. Rothirsche und andere Huftiere sind der Schlüssel für viele ökologische Prozesse und ihr Wirken ist häufig Ausgangspunkt für besonderen Artenreichtum und Biologische Vielfalt. Doch selbst in unseren großen Schutzgebieten wie den National- oder Naturparken und den Biosphärenreservaten wird unser größtes heimisches Wildtier meist nur geduldet und nicht als Bestandteil der zu schützenden ökologischen Prozesse wahrgenommen. Um diesen Konflikt ging es auf dem 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung in Baden-Baden. Über 170 Teilnehmer aus Naturschutz-, Jagd- und Forstbehörden, Politik und Wissenschaft kamen im Kurhaus Casino zusammen, um bis Samstag über den Umgang mit großen Huftieren wie dem Rothirsch in Großschutzgebieten zu diskutieren.

„In Großschutzgebieten muss sich der Umgang mit dem Rothirsch von der intensiv durch Land- und Forstwirtschaft genutzten Landschaft unterscheiden“, forderte Professor Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. Immerhin ein Drittel der Fläche Deutschlands liegt in einem Großschutzgebiet. In vielen dieser Gebiete darf sich Rotwild jedoch bereits per Gesetz nicht ausbreiten. „Der Rothirsch lebt in Baden-Württemberg gerade einmal auf vier Prozent der Landesfläche – das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist beispielsweise per Gesetz rotwildfrei.“ Prof. Vahrenholt plädierte dafür, Rotwildbezirke abzuschaffen oder wenigstens zu erweitern.

Auf Flächen, die exklusiv der Natur vorbehalten sind, soll nach den Vorstellungen der Deutschen Wildtier Stiftung der Einfluss von Rothirsch & Co. als natürlicher Lebensraumgestalter verstanden und unterstützt werden. Diese sogenannten Prozessschutzflächen, die zum Beispiel in den Nationalparken liegen, entsprechen weniger als 1 % der Fläche Deutschlands, machen unterm Strich aber weit über 100.000 Hektar oder 130.000 Fußballfelder aus. „Auf diesen Flächen sollte die Jagd ruhen und Natur wirklich Natur sein dürfen“, fordert Professor Dr. Fritz Vahrenholt.

Lässt sich Rotwild im Nationalpark schützen?

(Schwarzwälder Bote vom 07. Juni 2016) Fritz traut sich nur in der Nacht auf freie Flächen. Tagsüber versteckt er sich im Schutz des dichten Waldes, denn mit Menschen hat er schlechte Erfahrungen gemacht. Der Rothirsch ist eines von sieben Tieren, die derzeit im Nationalpark Schwarzwald mit GPS-Senderhalsbändern ausgestattet sind. Beobachtet wird Fritz von Friedrich Burghardt und seinem Team, das sich im Fachbereich „Wald und Naturschutz“ des Nationalparks unter anderem um das Rotwild kümmert. Deren Populationsentwicklung macht manchem benachbarten Waldbesitzer allerdings Sorgen, wenn die Natur und damit auch die Tierwelt im Nationalpark langfristig auf 75 Prozent der Fläche sich selbst überlassen werden soll. Eine Sorge, die Friedrich Burghardt nicht teilt – vorausgesetzt, die Jagdpraxis ändert sich, und die Tiere bekommen im Nordschwarzwald wieder mehr Raum und Ruhe. Dazu bedürfe es aber eines intelligenten Wildtiermanagements und Rotwildkonzepts für den ganzen Nordschwarzwald, das die sehr mobilen Tiere auf der Populationsebene betrachtet. Dazu müssten Experten aus Forst, Jagd, Tourismus und Gemeinden zusammenarbeiten und sich darauf einigen, wie und im welchem Umfang die Tiere bejagt werden sollen.

Dass der Prozessschutz, also das eigentliche Ziel von Nationalparken, auch für große Pflanzenfresser möglich ist, zeigt laut Burghardt ein Blick in die Schweiz: Im Nationalpark im Engadin bereitet das Rotwild keine Probleme und hat sich wieder an den Menschen gewöhnt. Dort können Besucher die stattlichen Hirsche tagsüber an den Waldrändern beobachten, denn die Tiere haben schnell gelernt, dass der Mensch ihren Rückzugsraum achtet und sie im Nationalpark sicher sind.

Den vollständigen Artikel im Schwarzwälder Boten finden Sie hier.

Auf Flächen, die wie unsere Nationalparke exklusiv dem Naturschutz vorbehalten sind, könnten Wirkungen der Wiederkäuer eigentlich konfliktfrei zugelassen werden. Doch selbst in den meisten unserer Nationalparke wird Rotwild und anderes Schalenwild auf der überwiegenden Fläche „gemanagt“ und die Natur vor sich selbst bewahrt. Und das obwohl Rotwild und anderes Schalenwild der Schlüssel für eine ganze Reihe ökologischer Prozesse darstellt. Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung vom 07. bis 09. Juli 2016 beleuchtet beide Seiten. 

EU-Naturschutz geht vor „Wald vor Wild“

(Jagd in Bayern 6/2016) In Oberbayern hat ein Eigenjagdbesitzer erfolgreich gegen die Festsetzung des Abschussplans auf Rotwild geklagt. Sein Revier liegt vollständig in einem europäischen Vogelschutzgebiet (SPA), in dem das besonders geschützte Auerwild vorkommt. Die Untere Jagdbehörde hatte diesem Umstand bei ihrer Bewertung aber nicht Rechnung gezollt. Das Bayerische Verwaltungsgericht München befand nun, dass in einem SPA-Gebiet die auf EU-Ebene festgelegten Erhaltungsziele höherrangig zu bewerten seien als der Grundsatz „Wald vor Wild“ (Az. M7K15.3412). Konkret ging es um einen Rotwildabschuss, der auf 45 Stück zum sofortigen Vollzug festgesetzt wurde. Argumentiert wurde mit dem hohen Verbiss am Wald, der teilweise in einem Sanierungsgebiet mit Schutzwaldanteilen liege. Beantragt hatte der Revierinhaber 32 Stück und klagte deshalb gegen den Bescheid der Behörde. Das Verwaltungsgericht erklärte den Bescheid wegen Abwägungsfehlern für rechtswidrig. Die Behörde habe die Belange des Naturschutzes nicht in ausreichendem Maße in ihre Abwägungsentscheidung eingestellt.

 

Das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtes München verdeutlicht, dass für manche Belange des Naturschutzes ein hoher Rotwild-Abschussplan unzweckmäßig ist. Denn Rotwild übernimmt in seinem Lebensraum eine ökologische Funktion, die zum Beispiel für das  Auerwild besonders wichtig ist. Auf dem 8. Rotwildsymposium vom 07. bis 09. Juli 2016 widmet sich die Deutsche Wildtier Stiftung diesem Thema: Der Hirsch als Naturschützer.

8. Rotwildsymposium: Der Hirsch als Naturschützer

Die Deutsche Wildtier Stiftung lädt vom 07. bis 09. Juli 2016 nach Baden-Baden ein zu ihrem

8. Rotwildsymposium

Der Hirsch als Naturschützer

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Rotwild und alle anderen Schalenwildarten erfüllen in ihren Lebensräumen viele ökologische Funktionen! Sie schaffen struktur- und artenreiche Biotope, verbreiten Samen und sind Lebensraum für Aaskäfer und Beutetiere für große Prädatoren. Ohne Schalenwild gäbe es bei uns weder Wolf noch Luchs! Während einige dieser ökologischen Prozesse auch bei sehr geringen Schalenwilddichten eintreten, erfolgen andere umso besser, je mehr große Pflanzenfresser vorhanden sind. In diesem Fall werden ökologische Prozesse in unseren vielfältig genutzten Wäldern jedoch sehr schnell zu einem wirtschaftlichen Schaden und sind unerwünscht. Auf Flächen, die exklusiv dem Naturschutz vorbehalten sind, könnten Wirkungen der Wiederkäuer dagegen weitgehend konfliktfrei zugelassen werden. Doch selbst in den meisten unserer Nationalparke wird Rotwild und anderes Schalenwild auf der überwiegenden Fläche „gemanagt“ und die Natur vor sich selbst bewahrt.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung

  • beleuchtet die Bedeutung großer Wildtierarten für ökologische Prozesse,
  • zieht Konsequenzen aus diesem Wissen und
  • hinterfragt den Umgang mit dem Rothirsch auf großen Naturschutzflächen.

Das vollständige Programm und organisatorische Informationen finden Sie hier.

Ein Formular zur Anmeldung per E-Mail, Brief oder Fax finden Sie hier.

Parallel zum 8. Rotwildsymposium finden in Baden-Baden die Sommerfestspiele statt. Bitte denken Sie daher rechtzeitig an Ihre Übernachtungsbuchung. Wir haben in mehreren Hotels bis Mitte bzw. Ende Mai ein Kontingent für Sie reservieren lassen.

 

Nager haben Hirschgeweihe zum Fressen gern

Welche Rolle spielt Rotwild in der Natur? Die Antwort hängt davon ab, wen Sie fragen. Für die einen ist der Hirsch im Wald eine Art „Elefant im Porzellanladen“: Also ein Schädling, den es zu bekämpfen gilt. Für die anderen ist Rotwild Teil des Ökosystems; ein „Natur-Gestalter“, ohne den andere Arten nicht existieren würden.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung findet vom 7. – 9. Juli 2016 unter dem Titel „Der Rothirsch als Naturschützer“ in Baden-Baden statt.

 

Hamburg, 10. Februar 2016. Im Februar stehen selbst Platzhirsche plötzlich „oben ohne“ da! Der Abwurf des Geweihs ist mit dem Tiefstand des Sexualhormons Testosteron verbunden. Knochenfressende Zellen, sogenannte Osteoklasten, haben den Knochen zwischen Geweih und Stirnzapfen zerstört. Die Geweihstange löst sich und fällt ab.

Was für den Rothirsch zunächst ein Verlust ist, bringt vielen anderen Wildtieren einen Gewinn. „Mäuse, Eichhörnchen und Füchse knabbern an dem Geweihknochen, um an die wertvollen Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Phosphor sowie Spurenelemente wie Eisen zu gelangen“, sagt Dr. Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Nicht nur Nager haben Hirschgeweihe zum Fressen gern.“ Die durch die Zersetzung der Abwurfstangen frei werdenden Mineralstoffe sind typische Bestandteile zur Bodendüngung und damit ein kleiner aber wertvoller Stein im Baukasten der Natur.

In dem immerwährenden Kreislauf von Werden und Vergehen bekommt auch der Rothirsch seine „Krone“ zurück. Schon bald nach dem Abwurf beginnt der Knochen erneut zu wachsen. Was sich jetzt in nur 140 Tagen abspielt, verblüfft bis heute die Wissenschaftler: Der Rothirsch bildet in kürzester Zeit so viel Knochenmasse, dass bis zum Spätsommer ein komplett neues Geweih gewachsen ist. Dieser Prozess der Geweihbildung wird von Humanmedizinern erforscht, um Brüche und Knochenerkrankungen bei Menschen in Zukunft besser und schneller zu heilen.

Pressekontakt
Eva Goris, Pressesprecherin, Christoph-Probst-Weg 4, 20251 Hamburg,
Telefon 040 9707869-13, Fax 040 9707869-19,
E.Goris@DeutscheWildtierStiftung.de, www.DeutscheWildtierStiftung.de

Tagungsband zur Jagdethik veröffentlicht

Unter dem Titel „Gestresst, Verwaist und Eingesperrt“ hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Tagungsband zu ihrem 7. Rotwildsymposium veröffentlicht. Die Beiträge zur Doppelmoral im Umgang mit großen Wildtieren sind dabei aktueller denn je: Die jüngsten Entwicklungen in der Jagdpolitik zeigen, dass bei unseren Wildtieren mitunter mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Die Beiträge zu den ethischen Prinzipien in der Jagdpraxis unterstreichen dagegen die Verantwortung jedes einzelnen Jägers für unsere Wildtiere. Den Tagungsband “Gestress, Verwaist und Eingesperrt” erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 14,90 € inkl. Versandkosten unter Telefon 040 9707869-0 oder über ein Bestellformular.

Ethik und Moral unterscheiden den menschlichen Jäger vom tierischen Fressfeind. Um den ethischen und moralischen Ansprüchen unserer Gesellschaft gerecht zu werden, müssen die Jäger wie alle anderen die Natur nutzenden Menschen bei ihren Entscheidungen ihre Verantwortung für das Wohlbefinden der Wildtiere gegen ihre Handlungsmotive abwägen. Eine besondere Verantwortung hat der Gesetzgeber, der den Rahmen für die Handlungen des Menschen vorgibt. Doch die Messlatte für „gutes“ Handeln wird in Deutschland je nach Wildtier unterschiedlich angesetzt. Wie wäre es sonst möglich, dass die Ausbreitung von Wolf und Biber begrüßt, die des Rothirsches aber vor allem in den südlichen Bundesländern verboten wird? Und wieso glauben wir, Igel füttern zu müssen, Rothirsche jedoch nicht? Ist damit nicht George Orwells „Farm der Tiere“, auf der alle Tiere gleich, aber manche gleicher sind, in unserem Land allgegenwärtig?

Das 7. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung stellte die Frage nach der Gleichheit der Wildtiere. Die im nun erschienenen Tagungsband zusammengestellten Beiträge schlagen einen Bogen über die verschiedenen Facetten eines ethischen und moralischen Umgangs mit unseren großen Wildtieren und beleuchten die jagdpraktischen Aspekte des Tier- und Artenschutzes, die „richtiges“ oder „gutes“ Handeln ausmachen. Themen sind dabei u.a. der Muttertierschutz, das Nachsuchenwesen oder die natürlichen Verhaltensweisen des Rotwildes. Als Aufruf an die Jagdpraxis und Forderung an den Gesetzgeber hat die Deutsche Wildtier Stiftung ihr „Ostsee-Papier“ zum ethischen Umgang mit großen Wildtieren dem Tagungsband vorangestellt.

Das 7. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung fand vom 25. bis 28. September 2014 an der Ostsee in Warnemünde statt und wurde durch die Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern und das Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

 

Inhaltsverzeichnis des Tagungsbandes

Das „Ostee-Papier“ zum ethischen Umgang mit unseren großen Wildtieren in Politik und Jagd

Grußworte

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung)

Claus Robert Agte (Stifter und Vorsitzender der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern)

Dr. Till Backhaus (Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern)

Deutschland – Deine Farm der Tiere

Zum psychischen Phänomen der Projektion im Naturschutz (Florian ASCHE)

Hirsch und Jäger zwischen Ethik und Moral

Jagd aus naturethischer Sicht (Konrad OTT/ Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Vom Prädator zum Jäger – ethische Prinzipien bei der Jagd (Sven HERZOG/ Technische Universität Dresden)

Die Doppelmoral im Umgang mit großen Wildtieren

Die Ausbreitung großer Wildtierarten: grenzenlos und eingesperrt (Janosch ARNOLD/ WWF Deutschland)

Jagdschutz versus Forstschutz – sind Bäume wertvoller als Tiere? (Thomas GEHLE)

Füttern in der Not? Spatz ja – Hirsch nein? (Gregor BEYER, MdL a. D.)

Ethische Prinzipien in der Jagdpraxis

Wieviel Alttier braucht das Kalb? Zum Muttertierschutz beim Rotwild (Helmuth WÖLFEL)

Vermeidung von Schmerzen: das behördliche Nachsuchenwesen in Dänemark (Mads FLINTERUP/ Dänisches Schweisshund-Register)

Ermöglichen natürlicher Verhaltensweisen – wanderndes und tagvertrautes Rotwild (Andreas KINSER & Hilmar Freiherr v. MÜNCHHAUSEN/ Deutsche Wildtier Stiftung)

Wissen und Training: Basis für ein verantwortungsvolles Jagdhandwerk (Heiko HORNUNG/ Redaktion WILD UND HUND)

Empfehlungen an Politik und Praxis

Wider die Doppelmoral beim Umgang mit Wildtieren: Empfehlungen an die Politik (Dieter DEUSCHLE/ LJV Baden-Württemberg)

Kriterien für eine zukunftsfähige Jagd: Empfehlungen an die Praxis (Friedrich REIMOSER/ Universität für Bodenkultur Wien)

Einführung in die Exkursionsziele

Lebensraumnutzung des Rotwildes in Mecklenburg-Vorpommern am Beispiel des Darss/Zingst (Matthias NEUMANN & Frank TOTTEWITZ/ Thünen-Institut für Waldökosysteme)

Posterpräsentationen

Beeinflussung des Raum-Zeit-Verhaltens von Rotwild (Cervus elaphus) durch großräumige Beweidungsprojekte auf ausgewählten DBU-Naturerbeflächen – eine Projektvorstellung (Siegfried RIEGER et al./ Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde)

Vergleichende Analyse verschiedener Methoden zur Erfassung von freilebenden Huftieren (Reinhild GRÄBER et al./ Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung)

Wildschwerpunktgebiete in Mecklenburg-Vorpommern (Matthias NEUMANN/ Thünen-Institut für Waldökosysteme)

Untersuchung der Knochenmarkfettgehalte von Rot- und Rehwild in Niedersachsen (Jan WAGNER et al./ Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung)

Das Bestellformular finden Sie hier.

Tierschutz darf bei der Jagd nicht auf der Strecke bleiben!

## Presseinformation zum 7. Rotwildsymposium: „Jagd“ ## Warum gehen wir Menschen so unterschiedlich mit Wildtieren um? Manche Arten werden vergöttert, andere verdammt. Manche gehegt und gefüttert, andere gnadenlos verfolgt. Im Mittelpunkt des 7. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung steht daher das Verhältnis zwischen Mensch und Wildtier. Die Veranstaltung findet vom 25. bis 28. September 2014 in Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Im Vorfeld beleuchtet die Deutsche Wildtier Stiftung in einer Reihe von Presseinformationen anhand verschiedener Beispiele den Umgang mit Wildtieren in Deutschland. Die fünfte Folge thematisiert die Jagd.

Wölfe, Bären und Luchse kennen bei der Jagd auf Beutetiere weder Ethik noch Moral! Sie töten, um zu fressen: Dabei ist es ihnen gleich, ob die gerissene Beute ein Muttertier ist und das Junge einsam und verlassen den Hungertod stirbt oder der gehetzte Hirsch im Winter jedes Gramm Fett zum Überleben braucht. So ist Natur! Doch der Mensch hat andere Maßstäbe. „Ethik und Moral unterscheiden den jagenden Menschen vom Raubtier“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Im Gegensatz zum Raubtier versuchen ethisch handelnde Jäger ganz bewusst, Wildtieren Leid zu ersparen. Dazu gehört, neben vielen weiteren Aspekten, Muttertiere nie vor Jungtieren zu erlegen und jedes verwundete Tier so schnell wie möglich von seinem Leiden zu erlösen. „Leider gibt es immer wieder gewissenlose Jäger, die den Muttertierschutz nicht besonders ernst nehmen“, mahnt Münchhausen. Genauso schlimm ist, wenn nicht jedes beschossene Tier mit einem geeigneten Hund nachgesucht wird. „Wir fordern alle Jäger auf, über Jagdethik nicht nur am Stammtisch zu reden, sondern auch danach zu handeln! Dabei darf es keine Unterschiede zwischen einer Wildtaube und einem Rothirsch geben“, fordert der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung.

Neben der Jagdpraxis sollte auch die Jagdgesetzgebung moralischen Ansprüchen unterliegen. Nicht zuletzt müssen Gesetze dafür sorgen, dass Wildtiere ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen können. „Doch leider wird gerade der Rothirsch durch politische Vorgaben an seinen natürlichen Wanderbewegungen gehindert“, kritisiert Münchhausen. Darüber hinaus führen die im europäischen Vergleich besonders langen Jagdzeiten beim Rotwild in Deutschland dazu, dass die Tiere im Winter häufig ihre Energiereserven nicht schonen können. Die Folge: Waldvegetation wird durch Verbiss und Schälen geschädigt.
Woher der Wind bei der Frage rund um Jagdzeiten gerade weht, zeigt sich aktuell in Niedersachsen: Die Landesregierung hatte eine Verkürzung der Jagdzeiten für Rotwild vorgeschlagen, doch bei der Forst-Lobby regte sich gegen diesen Vorschlag sofort massiver Widerstand. „Leider ist die Landesregierung eingeknickt und hat ihren Vorschlag zurückgezogen“, bedauert der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Gerade die letzten beiden Januarwochen seien mit die erfolgreichsten für die Jagd, heißt es in einer Stellungnahme der niedersächsischen Förster. „Dass Wildtiere in den Wintermonaten dringend Ruhe benötigen, wird ignoriert“, sagt Münchhausen und fordert, dass Jagdgesetze auch das Wohl der Wildtiere berücksichtigen.

Das 7. Rotwildsymposium findet vom 25. – 28. September 2014 in Warnemünde statt. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stiftung „Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern“ und durch das Land Mecklenburg-Vorpommern. Schirmherr der Tagung ist Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Zu den Referenten gehören Kapazitäten wie Dr. Florian Asche, Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, Prof. Dr. Konrad Ott, Prof. Dr. Friedrich Reimoser und Dr. Helmuth Wölfel.

Weiterführende Informationen:

Informationen zur Jagdpolitik der Länder finden Sie hier.

Mehr zum Thema Rotwildverbreitung erfahren Sie hier.

Bitte nicht füttern! Oder doch…?

## Presseinformation zum 7. Rotwildsymposium: „Fütterung“ ## Warum gehen wir Menschen so unterschiedlich mit Wildtieren um? Manche Arten werden vergöttert, andere verdammt. Manche gehegt und gefüttert, andere gnadenlos verfolgt. Im Mittelpunkt des 7. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung steht daher das Verhältnis zwischen Mensch und Wildtier. Die Veranstaltung findet vom 25. bis 28. September 2014 in Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Im Vorfeld beleuchtet die Deutsche Wildtier Stiftung in einer Reihe von Presseinformationen anhand verschiedener Beispiele den Umgang mit Wildtieren in Deutschland. Die vierte Folge thematisiert den Konflikt um die „Fütterung“ von Wildtieren.

Warum füttern die Menschen Spatzen und Meisen im Winter, aber keine Greifvögel oder Raben? Die meisten Arten, die an ein Futterhäuschen kommen, sind im Bestand nicht bedroht. „Das Motiv für das Füttern von Wildtieren ist nicht der Schutz von Arten, sondern Mitleid mit der Not einzelner Tiere“, meint Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Darüber hinaus erfreuen sich Menschen gerade in der Winterzeit an den kleinen Singvögeln. Amsel, Drossel, Fink und Star sind leicht zu versorgen, doch was ist mit der Krähe oder dem Mäusebussard? „Hier sind Handlungsmöglichkeiten und Mitleid gleichermaßen begrenzt“, so Münchhausen.
Um das Füttern von großen Wildtieren wie Rot- und Rehwild werden von Naturschützern, Waldbesitzern und Jägern heftige Diskussionen geführt. Denn die Bestände an Schalenwild sind in Deutschland hoch. Soll man harten Wintern das Ausmerzen von kranken und schwachen Tiere überlassen, um die Populationsdichte durch Nahrungsknappheit zu regulieren? „Am Ende entscheidet der Mensch, welche Tiere ihr Fressen `wert` sind und welche nicht“, sagt Münchhausen. Der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung hält es für notwendig, dass in wirklichen Notzeiten auch die großen Wildtiere gefüttert werden. „In unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft findet Rot- und Rehwild in harten Wintern mit hoher Schneelage oder verharschter Eisdecke sehr wenig Nahrung.“

Auch Störungen durch Spaziergänger, Jogger und Wintersportler verlangen flüchtenden Tieren viel Energie ab. Die Folge: Einige Rehe und Hirsche verhungern; die Überlebenden schädigen durch Verbiss und das Schälen von Rinde den Wirtschaftswald. „Artgerechtes Füttern in wirklichen Notzeiten ist eine moralische Verpflichtung und ein Beitrag, um den Konflikt zwischen den Ansprüchen von Wildtieren und den ökonomischen Zielen der Forstwirtschaft zu entschärfen“, betont Münchhausen. Der Mensch füttert gern, denn Tier-Liebe geht bei den meisten durch den Magen. „Besser als zu Füttern wäre es, wenn Wildtiere geeignete Lebensräume hätten“, fordert Münchhausen. Ob Kleingärtner, Waldbesitzer oder Jäger – jeder, der Flächen besitzt oder Natur nutzt, kann etwas für Wildtiere tun. Das beginnt bei der Gestaltung von Gärten und hört bei der intensiven Flächennutzung in der Land- und Forstwirtschaft auf.

Das 7. Rotwildsymposium findet vom 25. – 28. September 2014 in Warnemünde statt. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stiftung „Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern“ und durch das Land Mecklenburg-Vorpommern. Schirmherr der Tagung ist Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Zu den Referenten gehören Kapazitäten wie Dr. Florian Asche, Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, Prof. Dr. Konrad Ott, Prof. Dr. Friedrich Reimoser und Dr. Helmuth Wölfel.

Weiterführende Informationen:

Mehr zum Thema Konflikte zwischen Rotwild und Mensch erfahren Sie hier.

Die Positionen der Deutschen Wildtier Stiftung zur Rotwildpolitik finden Sie hier.