Petition gegen Räumungsklage für Rotwild

Der vor kurzem gegründete Verein „Wildes Bayern e.V.“ hat eine Online-Petition gegen die konzeptlose Streichung eines Wintergatters für Rotwild im Chiemgau gestartet. Der Verein unterstützt damit regionale Initiativen, die sich in der Sache bereits an den Landtag gewandt haben. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Wildtiere nicht einfach Spielmasse wirtschaftlicher Interessen in Wald und Feld sind,“ so Dr. Christine Miller, 2. Vorsitzende des Vereins.

Der bayerische Staat hat dem Rotwild einst Asyl in seinen Wäldern gewährt. Auf 14 % der Landesfläche, vornehmlich in den Staatsforsten darf heute dieses größte heimische Wildtier noch leben. So auch im Forstbetrieb von Ruhpolding. Nun soll hier eine der zentralen Notunterkünfte im Winter für Rotwild geräumt werden; die Tiere erhalten Platzverweis. Die natürlichen Überwinterungsorte sind auch im Chiemgau für Hirsch und Co. nicht mehr einfach zu erreichen und sie sind ihnen als Aufenthaltsorte auch nicht erlaubt. Das traditionsbewusste Rotwild wird daher auch diesen Winter versuchen, in sein altes Wintergatter zu wandern und dort Zuflucht suchen. Doch auf dem Weg dorthin soll es abgeschossen werden. Die Genehmigung wurde schon erteilt. Wer überlebt, zieht an die alte vertraute Futterstelle und wird dort wahrscheinlich verhungern. „Wir halten die Begründung, warum sich der Forstbetrieb kaum noch Rotwild auf seinen Flächen leisten will, nicht für stichhaltig,“ so Christine Miller. „Deshalb fordern wir die Aussetzung der geplanten Maßnahme und eine seriöse großräumige wildökologische Fachplanung – wie sie in unseren Nachbarländern üblich ist“.

Herzogin Helene in Bayern, die Vorsitzende des Vereins „Wildes Bayern“ ist selber Waldbesitzerin: „Rotwild hat ein Bleibe- und Lebensrecht im Chiemgau und in ganz Bayern! Als Teil der natürlichen Lebensgemeinschaft in und um den Bergwald gehört es zu unserer Heimat. Deshalb fordern wir die Menschen nicht nur im Chiemgau auf, dafür ihre Stimme zu erheben und auch der Politik zu zeigen, dass wir einen verantwortungsvolleren Umgang mit unseren Wildtieren brauchen!“

Die Unterschriftenliste und weitere Informationen findet man auf www.wildes-bayern.de.

Riesenhirsche überlebten die Eiszeit

(scinexx.de vom 10.06.15) In Baden-Württemberg gefundene Knochenreste haben sich überraschend als Relikte des Megaloceros giganteus, des Riesenhirsches, entpuppt. Im Journal „Scientific Reports“ hat ein Autorenteam u.a. von der Uni Tübingen ihre Untersuchungen der Knochenfragmente veröffentlicht: Demnach verschwanden die letzten Riesenhirsche offenbar doch nicht bereits in der Eiszeit aus Mitteleuropa. Stattdessen müssen einige Individuen noch vor 12.000 Jahren gelebt haben.

Der Riesenhirsch war einer der großen Pflanzenfresser des Eiszeitalters. Mit einer Schulterhöhe von zwei Metern und einem Geweih von bis zu 3,40 Metern Spannbreite war er eine imposante Erscheinung, die von unseren Vorfahren auch in vielen Höhlenbildern verewigt wurde. Doch mit dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit vor rund 20.000 Jahren verschwand der 1,5 Tonnen schwere Hirsch aus Mitteleuropa – so dachte man jedenfalls bisher. Nur im Nordwesten Europas hielten sich noch einige Vorkommen, vor rund 7.000 Jahren starb der Riesenhirsch dann endgültig aus. Doch nun sind Johannes Krause von der Universität Tübingen und seine Kollegen bei Ausgrabungen in zwei Höhlen am Rand der Schwäbischen Alb auf fossile Knochen eines hirschähnlichen Tieres gestoßen. Datierungen ergaben, dass diese Relikte rund 12.000 Jahre alt sind. Weil zu dieser Zeit schon lange keine Riesenhirsche in dieser Gegend mehr vorkamen, hielt man die Knochen zunächst für die Relikte eines Urzeit-Elchs. Um ganz sicher zu gehen, unterzogen die Forscher die in den Höhlen Hohle Fels und Hohlenstein-Stadel entdeckten Knochen einer genetischen Untersuchung. Es gelang ihnen dabei, mitochrondriale DNA aus den Knochen zu gewinnen und auf ihre Artzugehörigkeit zu analysieren. Das überraschende Ergebnis: Es handelte sich eindeutig um Knochen des Riesenhirschs Megaloceros giganteus.

„Diese unerwartete Präsenz von Megalocerus giganteus in Süddeutschland nach der Eiszeit deutet darauf hin, dass dieser Riesenhirsch länger hier überlebte als bisher angenommen“, sagen die Forscher. Möglicherweise habe es auch in anderen Gebieten Mitteleuropas solche Überlebenden gegeben.

Konkurrenz durch Rothirsch und Co
Die DNA half den Forschern auch dabei, die Verwandtschaft der Riesenhirsche näher zu bestimmen – und einen möglichen Grund für ihr Aussterben. Demnach ist der heutige Damhirsch und nicht der Rothirsch der engste noch lebende Verwandte des Riesenhirsches. „Anhand des Körperbaus wurde spekuliert, ob der Rothirsch am nächsten mit dem Riesenhirsch verwandt sei, dies können wir in unserer Studie klar widerlegen“, sagt Erstautor Alexander Immel von der Universität Tübingen.

Der Rothirsch scheint dafür schon damals ähnlich wie die Rentiere ein Konkurrent des Riesenhirschs gewesen zu sein, wie Isotopenanalysen der Knochen nahelegten: „Vor der letzten Kaltzeit unterschieden sich die Werte von allen drei Arten, danach zeigte sich eine klare Übereinstimmung“, erklärt Mitautorin Dorothée Drucker. „Das deutet auf einen kleiner werdenden Lebensraum hin oder auf eine sich überschneidende Ernährungsweise der Hirscharten.“

Die Forscher spekulieren, dass sich die Riesenhirsche nach der letzten Kaltzeit den Lebensraum und die Nahrung mit anderen Hirscharten teilen mussten. Zudem war ihr bis zu 3,40 Meter breites Geweih wenig geeignet für das Leben im zunehmend bewaldeten Europa. Wahrscheinlich setzten dem Riesenhirsch die Konkurrenz mit anderen Arten sowie eine mögliche Überjagung durch Menschen zu, was letztlich zum Aussterben dieser imposanten Hirsche führte. (Scientific Reports, 2015;  doiu.a. von der Uni Tübingen : 10.1038/srep10853)

Den gesamten Artikel auf scinexx.de finden Sie hier.

Den online-Artikel „Mitochondrial Genomes of Giant Deers Suggest their Late Survival in Central Europe“ finden Sie hier.

Endbericht zu Telemetriestudien vorgestellt

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt haben der Schweizer Kanton Graubünden, das Fürstentum Liechtenstein und das Land Vorarlberg in den letzten fünf Jahren das Rotwild im Rätikon untersucht. Am 29. April sind in Raggal (Grosswalsertal) die Ergebnisse vorgestellt worden. Den zweiteiligen Endbericht der Telemetriestudien und eine populärwissenschaftliche Broschüre mit den wichtigsten Ergebnissen des Projektes finden Sie hier.

Das 2009 gestartete Gemeinschaftsprojekt stand unter der Leitung des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die Studie hatte zum Ziel, mit insgesamt 67 GPS-besenderten Hirschen deren Verhalten und Wanderungen im Rätikon zu dokumentieren und zu analysieren. Die Forschungsergebnisse sollen nun als Grundlage für eine Optimierung des Rotwildmanagements dienen.

Lob für Bündnerjagd …

Projektleiter Friedrich Reimoser von der Universität Wien lobte in seinen Ausführungen das Jagdsystem der Bündner Jagdbehörden: Dass in Graubünden rund Dreiviertel des Abschussplans, trotz hoher Schalenwild-Bestände, innert drei Wochen im September erfüllt werden könne, sei vorbildlich. Üblicherweise dauere die Jagd auf Rotwild bis zum Bezug der Wintereinstände im Dezember. So sei es namentlich in Regionen mit ausgeprägtem Wanderverhalten des Schalenwildes unumgänglich, die Bestände erst zu diesem Zeitpunkt abschliessend zu regulieren. Das Forschungsprojekt belege, dass ein Grossteil des Rotwilds den Sommer in Vorarlberg verbringe. Die abschliessende Bejagung im Spätherbst dürfe nicht zur früh erfolgen, weil der Rothirsch sich ansonsten der Bejagung entziehe und eine gemeinsame Bestandesregulierung immer schwieriger werde. Eine Jagd nach dem ersten Schneefall im Dezember stelle für den Hirsch, im Gegensatz zu Störungen gegen Ende des Winters, aus wildbiologischer Sicht kein Problem dar.

… und Wildruhezonen

Reimoser stellte aufgrund der Studienergebnisse auch dem Wildruhezonen-Konzept ein gutes Zeugnis aus. Im Gegensatz zum Fürstentum Liechtenstein oder Vorarlberg, wo solche Zonen auf freiwilliger Basis beruhen würden, sei das Bündner Modell bereits gesetzlich verankert und demensprechend wirksam. Seine Aussage belegte er mit einer Grafik, welche die Körpertemperatur und Pulsfrequenz von Rotwild während der Wintermonate zeigt. Lediglich jene Tiere in den Wildruhezonen vermochten sich in den naturgegebenen «Stromsparmodus» zu versetzen und dementsprechend Nahrung und Energie zu sparen. In Vorarlberg habe das Rotwild aufgrund der Fütterungen gar keinen Anlass, sich in diesen Modus zu versetzen. Wichtig sei es bei diesem Modell, die Fütterung kontinuierlich zu gewährleisten, weil ein Unterbruch für das Schalenwild sonst schlimme Folgen hätte. Der Hirsch brauche nämlich etwa acht Tage, um seine Körperfunktionen entsprechend anzupassen.

Das Forschungsprojekt brachte noch viele weitere Neuerkenntnisse oder Bestätigungen an den Tag. Eine Zusammenfassung kann in einer entsprechenden, gemeinsamen Broschüre nachgeschlagen werden (Bezug beim Amt für Jagd und Fischerei in Chur).

Den kompletten Artikel finden Sie hier.

Zähltag! Sendung im NDR zur Schalenwild-Erfassung

(NDR „NaturNah“ vom 31.03.2015). Wie zählt man Schalenwild wie Reh- und Rotwild? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Rahmen einer Studie, die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Auftrag gegeben hat. Am 30. und 31. März hat das NDR-Fernsehen zwei Fernsehbeiträge über das Projekt gezeigt.

In dem Projekt „Vergleichende Analyse verschiedener Methoden zur Erfassung von freilebenden Huftieren“  werden verschiedene Methoden zur Erfassung von einzelnen Schalenwildarten getestet, um erstmalig aussagekräftige Ergebnisse über Bestandsdichten zu erhalten. Bisher gibt es keine verlässliche Methode, um Wild auf einer definierten Fläche unter natürlichen Bedingungen zählen zu können. Für ein modernes Wildtiermanagement sind Kenntnisse über die Populationsgröße einzelner Schalenwildarten jedoch dringend erforderlich.

Insgesamt werden im Rahmen dieser Studie fünf unterschiedliche Methoden (Scheinwerferzählung, Infrarot [IR]-Taxation/Distance Sampling, Erfassung aus der Luft, Frischkot-Genotypisierung, Fotofallenmonitoring) getestet und verglichen.

Einen 3-minütigen Fernsehbeitrag in der Sendung Hallo Niedersachsen finden Sie hier.

Einen ausführlichen Fernsehbeitrag in der Sendung NaturNah finden Sie hier. 

 

Hirsche der Welt im Jagdschloss Springe

Vom 19. April bis zum 30. August 2015 zeigt das Jagdschloss Springe die Sonderausstellung „Hirsche der Welt“.  Die für Europa einmalige wildbiologische Sammlung von Hirscharten wurde zuletzt im Schloss Palárikovo, Slowakei gezeigt, im Museum des Internationalen Jagdrates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC). Hauptinitiator ist der Münchner Wildtierforscher Werner Trense. Die Trophäen stammen aus seinem Privatbesitz, stehen jetzt im Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehören zum Sammlungsbestand des Jagdschlosses Granitz, Rügen.

Vorgestellt werden Geweihe und Schulterpräparate von 61 Hirscharten. Verbreitungskarten sowie ein Katalog zur Erstausstellung im Jagdschloss Granitz geben interessante Informationen über die Lebensräume, den Populationsstatus und den Schutz in den jeweiligen Heimatländern. Viele der gezeigten Hirsche sind durch Brandrodung der Wälder, Wilddieberei und unkontrollierte Jagd in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht und mahnen zum schonenden Umgang mit der Natur.

Rothirsch oben ohne! Stangensammeln verboten!

(Quelle: Thüringer Allgemeine & dpa/th vom 21.02.2015) Thüringens Hirsche entledigen sich derzeit ihrer bei Sammlern beliebten Geweihe. Doch wer eine solche Geweihstange im Wald finde und sie mit nach Hause nehme, mache sich der Wilderei strafbar, warnte die Landesanstalt Thüringenforst. Darauf stünden Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren. Nur wer vom zuständigen Jäger oder Förster autorisiert sei, dürfe eine solche Trophäe einpacken. Ansonsten müssten Finder sie liegenlassen. Wer derzeit gezielt durch den Wald streife, um Geweihe zu suchen, störe zudem das Wild in der Schonzeit, hieß es.

Vor allem während der Brunft im September benötigen Rothirsche ihre Geweihe, um sich gegen Nebenbuhler verteidigen oder durchsetzen zu können. Dabei bricht schon mal der sprichwörtliche Zacken aus der Krone. Damit zur kommenden Brunft die Stirnwaffe wieder voll einsatzbereit ist, verlieren Rothirsche jeden Spätwinter ihren Kopfschmuck, damit er in den kommenden vier Monaten wieder neu gebildet werden kann. Mehr zum Geweihwachstum des Rotwildes finden Sie hier.

Geweihe mitnehmen gilt als Wilddieberei

Geweihe von Hirschen im Thüringer Wald könnten bis zu acht Kilogramm schwer werden, erklärt Volker Gebhardt vom Vorstand des Thüringenforstes. In Ausnahmefällen seien sogar bis zu zwölf Kilogramm möglich. Besonders stark sei der Kopfschmuck im Alter zwischen 12 und 14 Jahren ausgeprägt. Doch bereiten diese Trophäen den Förstern und Jägern in Thüringen Probleme. Denn das Sammeln der „Stangen“ wie Jäger die abgestoßenen Geweihe nennen, ist illegal und gilt als Wilddieberei, so Volker Gebhardt. Sollte ein Wanderer mit einem solchen Geweih erwischt werden, könnten ihm Geld-, in schlimmen Fällen sogar Freiheitsstrafen drohen.

In der Realität ist das aber eher selten. „Denn werden Stangensammler in flagranti erwischt, so bekommt man regelmäßig die Antwort: Wollte ich sowieso beim zuständigen Jagdpächter abgeben“, erzählt Forstdirektor Horst Sproßmann. Demnach seien Wanderer mit Rucksack, in denen ein Geweih steckt, schon verdächtig. Im Wald würden vor allem Fußspuren an bestimmten Orten darauf hindeuten, dass gezielt nach abgeworfenen Geweihen gesucht wurde.

Seit 16. Januar besteht Schonzeit für Rotwild

Auch den Landesjagdverband in Thüringen ärgern diese „illegalen“ Sammler. Durch sie werde vor allem derzeit das Wild an seinen Futterplätzen gestört, erklärt Steffen Liebig, Vorsitzender des Landesjagdverbandes in Thüringen. Das Rotwild werde durch die Störer nur tiefer in den Wald getrieben, in Gegenden in denen im Winter der Schnee höher liege, ergänzt sein Stellvertreter Manfred Ißleib. Das könne die Tiere schwächen und ihr Überleben im Winter erschweren. Der Jäger weist darauf hin, dass ab 16. Januar für Rotwild Schonzeit sei und es nicht gejagt werden dürfe, damit es Ruhe habe. Wenn die Tiere während dieser Zeit aber immer wieder an ihren Futterstellen von Personen aufgescheucht werden, bestehe die Gefahr, dass sich Rehe und Hirsche tiefer in die Wälder zurückziehen und stattdessen dort dann Bäume anknabbern und so schädigen.

Manfred Ißleib verweist darauf, dass es für Interessierte beispielsweise im Thüringer Wald extra eingerichtete Wildbeobachtungsstationen gebe. Von dort aus könnte den Tieren zumeist das ganze Jahr über, zugeschaut werden. Rotwild kommt in Thüringen vor allem im Thüringer Wald, im Ostthüringer Schiefergebirge, aber auch im Harz und in Südwestthüringen vor.

Rothirsch mit Fernziel?

(jagderleben.de vom 06.02.2015): Ein Rothirsch hat Anfang Februar einen Großeinsatz auf dem Münchner Flughafen ausgelöst. Der ungerade Zehner wurde von mehreren Passanten in einem öffentlichen Bereich entdeckt und die Polizei setzte umgehend zwei Besatzungen in Marsch. Ihnen gelang es den Rothirsch in das umzäunte Audi-Fahrertrainingslager zu treiben, wo er später narkotisiert und in den umliegenden Rotwildbezirk Isarauen gebracht wurde. Unklar bleibt der Grund für den Ausflug des Hirsches: Da Rotwild in Bayern nur auf 14 % der Landesfläche legal leben darf, wollte der Hirsch vielleicht auf diesem Weg das Land verlassen.

Mehr zu den Rotwildbezirken in Deutschland finden Sie hier.

Mehr zum Rothirsch auf dem Flughafen erfahren Sie hier.

Hirsch Ludwig auf Sendung im Nationalpark

(Österreichische Bundesforste vom 28.01.2015) Überraschende Ergebnisse im Rotwild-Forschungsprojekt der Österreichischen Bundesforste im Nationalpark Kalkalpen – Hirsche senden 50.000 GPS-Daten per SMS – Weitere Besenderungen geplant

Neue Erkenntnisse bringt das mehrjährige Telemetrieprojekt der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) in Zusammenarbeit mit der Nationalpark Gesellschaft zur Erforschung des Rotwildes im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich. „Unser Ziel ist es, die Wanderungen des Rotwildes wissenschaftlich zu dokumentieren und ihr Verhalten in der seit knapp 20 Jahren nicht mehr bejagten Ruhezone des Nationalparks zu erforschen“, erklärt Georg Erlacher, Vorstandssprecher der Bundesforste, die den Großteil der Flächen des Schutzgebietes betreuen. „Die fundierten Daten dienen auch dazu, unser Wildtiermanagement im Nationalpark weiter zu optimieren.“ Seit 2012 wurden insgesamt 19 Hirsche und Hirschkühe – alle zur eindeutigen Unterscheidung mit eigenen Namen versehen – mit GPS-Halsbändern ausgestattet. Bis zu sieben Mal pro Tag senden Ludwig, Kordula & Co ihre Koordinaten aus den weitläufigen Wäldern und übermittelten via SMS bereits 50.000 Peilpunkte. Die Daten einiger Tiere wurden nun zu ersten aufwändigen Bewegungsprofilen verarbeitet, die Aufschluss über Lauf-, Tag- und Nachtaktivität der größten Säugetiere in der Region geben. „Schon die ersten Auswertungen haben uns überrascht“, meint Erlacher. „Sie zeigen uns, dass sich Rotwild in der Natur nicht immer so verhält, wie wir dies ursprünglich angenommen haben.“

Das Wandern ist des Hirschen (Un-)Lust

Die im Laufe eines Jahres zurückgelegten Strecken unterscheiden sich von Tier zu Tier zwar deutlich, die Wanderrouten sind insgesamt jedoch erheblich kürzer als erwartet. Der sechsjährige Hirsch Ludwig zum Beispiel ist von sehr gemütlicher Natur. Nicht einmal 1,5 km streift er durchschnittlich pro Tag umher und bewegt sich dabei durch ein relativ kleines Gebiet von rund 2.400 Hektar. Seine weibliche Artgenossin Kordula ist im stolzen (Hirschkuh-)Alter von 15 Jahren hingegen schon etwas sportlicher: Sie bewältigt immerhin Strecken von über 750 km pro Jahr und legt dabei fast 90.000 Höhenmeter zurück. Zu ihren Lieblingsplätzen zählen Einstände rund um den Almkogel auf rund 1.000 Meter Seehöhe mit teils herrlicher Aussicht ins Alpenvorland. Während der Brunftzeit sind die Flächen rund um den Hengstpass beim Rotwild besonders beliebt. Von September bis Oktober buhlen männliche Hirsche hier um die Gunst potenzieller Partnerinnen.

Aktiv durch die Dämmerung

Wird vielerorts gemutmaßt, dass sich Rotwild durch verstärkte Nachtaktivität einer Bejagung geschickt entzieht, zeigen die ersten Telemetriedaten, dass die Tiere die längsten Strecken in der Dämmerung zurücklegen. Auch täglich wiederkehrende Bewegungsmuster, wie Jäger sie vermuten, kennen die Tiere meist nicht. „Wie wir aus den bisherigen Auswertungen sehen, scheint auch die jagdfreie Ruhezone wenig Einfluss auf die Streifgebiete des Rotwildes zu haben“, so Erlacher.

Weitere Hirschbesenderungen im Winter geplant

In den kommenden Wochen sollen drei weitere Hirsche bzw. Hirschkühe bei den Winterfütterungen, zu denen sich die Tiere in der kargen Jahreszeit regelmäßig einfinden, mit einem GPS-Halsband versehen werden. Zwei Jahre wird das Rotwild dann rund alle drei Stunden Peildaten übermitteln und Wissenswertes über seine Wanderbewegungen preisgeben. „Für eine fundierte wissenschaftliche Aufarbeitung brauchen wir so viele Bewegungsdaten wie möglich. Manchmal kann ein Peil-Sender auch ausfallen oder die Tiere bevorzugen Plätze in entlegenen Gebieten, in denen kein GSM-Netz verfügbar ist“, erklärt Erlacher. Unterstützt wird das Rotwild-Telemetrie-Projekt vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER). Das Projekt läuft noch weitere zwei Jahre, die finalen Ergebnisse werden voraussichtlich 2017 zur Verfügung stehen.

Winterliches Hirsch-Theater im Nationalpark Kalkalpen

Für Naturfans bietet der 21.000 ha große Wald-Nationalpark Kalkalpen von Jänner bis März alljährlich ein ganz besonderes Schauspiel. Im Bodinggraben, einem der schönsten Talschlüsse der Kalkalpen, finden sich täglich rund 40 bis 90 Hirsche und Hirschkühe bei der Winterfütterung ein. Im Rahmen geführter Touren können die prächtigen Tiere von einer Besucherplattform aus so nah wie sonst nie beobachtet werden. Weitere Informationen und Anmeldungen im Nationalpark Zentrum Molln unter der Telefonnummer 07584/3651.

Rückfragehinweis

Österreichische Bundesforste
Andrea Kaltenegger, Unternehmenskommunikation
E-Mail: andrea.kaltenegger@bundesforste.at

Freie Fahrt für Weihnachtsmänner nur mit Rentieren!

Rotwild WeihnachtsgeschenkeAlle Kinder kennen „Rudolf“: Er hat eine rote Nase, ist ein Rentier und hilft dem Weihnachtsmann bei der Auslieferung der Geschenke. Dabei kann sich der Weihnachtsmann glücklich schätzen, dass er ein Rentier und keinen Rothirsch vor seinen Schlitten gespannt hat! Nur mit einem Rentier hat der himmlische Geschenkebote freie Fahrt in ganz Deutschland! Würde ein Rothirsch seinen Schlitten ziehen, wäre die Auslieferung der Geschenke in großer Gefahr. Denn: Mit Rothirschen würde der Weihnachtsmann schnell an die Grenzen der sogenannten Rotwildbezirke stoßen. Und das bedeutet im Ernstfall Totalverlust der Tiere durch einen amtlich verordneten Abschuss!

Auf fast der halben Fläche der Bundesrepublik Deutschland wäre die Auslieferung der Geschenke per Rothirsch sogar unmöglich: In sechs Bundesländern ist die Ausbreitung des Rothirsches per Gesetz verboten. Besonders übel sähe es mit den Geschenken in Baden-Württemberg und Bayern aus: Hier dürfen Rothirsche nämlich nur auf vier bzw. 14 Prozent der Landesfläche leben. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert deshalb: „Freiheit für den Rothirsch“! Und das nicht nur zur Vorweihnachtszeit.

 

Mehr zu den Rotwildbezirken in den Ländern und zu Forderungen der Deutschen Wildtier Stiftung finden Sie hier.

 

Rotwild als Landschaftspfleger?

Der Geschäftsbereich Bundesforst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wird gemeinsam mit den Universitäten Göttingen und Dresden ab 2015 ein fünfjähriges Forschungsprojekt zum Einfluss von Rotwild auf Offenlandbiotope durchführen. Die Untersuchungen werden auf dem Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte in Grafenwöhr durchgeführt.

Offene und halboffene Landschaften unterschiedlicher Größe und Ausprägung sind ein wichtiges Merkmal der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Das vorhandene Spektrum an ökologisch wichtigen Lebensräumen und Lebensgemeinschaften wurde maßgeblich von historisch gewachsenen, extensiven landwirtschaftlichen Nutzungssystemen geprägt. Die über lange Zeit konstante Nutzung und Gestaltung durch den Menschen ist eine wichtige Basis der heute in der Kulturlandschaft vorhandenen biologischen Vielfalt.

Aufgrund gravierender Veränderungen in der Landnutzung hat der Erhalt extensiv genutzter Offenlandlebensräume in den letzten Jahrzehnten massiv an Bedeutung gewonnen. Sie beinhalten zahlreiche seltene, streng geschützte Lebensraumtypen und sind Rückzugsräume für viele gefährdete Arten. Um die betreffenden Pflanzengesellschaften und den offenen Charakter der Flächen zu erhalten, ist ein laufender Entzug von Biomasse durch deren Nutzung oder regelmäßige Pflegeeingriffe erforderlich. Großflächige Schutz- und Managementkonzepte sind daher vergleichsweise aufwändig und kostenintensiv. Als ein in ökologischer Hinsicht zielführendes Instrument hat sich die extensive Beweidung mit robusten Rassen verschiedener Nutztierarten etabliert. Das System ist jedoch auch mit einigen Nachteilen behaftet und nicht auf allen Flächen realisierbar. Das gestalterische Potential wildlebender heimischer Huftiere wurde bisher kaum berücksichtigt.

Im Rahmen dieses Vorhabens soll daher untersucht werden, welchen Beitrag autochthone, freilebende Rothirschvorkommen zur Pflege von Offenlandbiotopen leisten können. Ziel des Projektes ist es den Zielerreichungsgrad und die Anwendbarkeit des Systems „Rothirschbeweidung“ zu klären und die für eine Umsetzung relevanten Wissensdefizite zu beseitigen. Als Projektgebiet wurde der von der US-Armee genutzte Truppenübungsplatz Grafenwöhr / Bayern ausgewählt. Der dort vorhandene Rothirschbestand nutzt aufgrund eines zielgerichteten Wildtiermanagements intensiv die offenen Teile des Lebensraumes. Über einen Zeitraum von insgesamt 5 Jahren sollen die Vegetationsentwicklung, das Raum-Zeit-Verhalten sowie die diesbezüglichen Wechselbeziehungen in zwei Teillebensräumen untersucht werden. Hierzu werden zwei feste Bezugsflächen mit unterschiedlichen standörtlichen Voraussetzungen und Vegetationstypen ausgewählt. In jeder der beiden Flächen werden bis zu 15 Rothirsche beider Geschlechter mit GPS-Sendern versehen und die vorhandenen Vegetationsgesellschaften sowie ihre Veränderung erfasst. Darüber hinaus werden auf Testflächen in beiden Lebensräume detailliert die Fraßeinwirkung auf die Vegetation ermittelt und Wechselwirkungen zusätzlicher gezielter Pflegemaßnahmen (Feuer, Mahd) mit der Beweidung durch Rothirsche untersucht.

Das Vorgehen liefert eine umfangreiche Datengrundlage zu Habitatnutzung und Habitatgestaltung von Rothirschen im Offenland und erlaubt so eine umfassende Erprobung, Analyse und Bewertung des Beweidungssystems sowie ergänzender Steuerungsinstrumente. Abschließend sollen konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet und bei entsprechender Ergebnislage ein konzeptioneller Rahmen für die praktische Umsetzung in anderen Lebensräumen entwickelt werden. Gefördert wird das Pilotprojekt aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank.