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Streit um Winterfütterung in Österreich entbrannt

In Österreich ist ein erbitterter Streit um die Winterfütterung der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) ausgebrochen. Anlass und Mittelpunkt des Streits ist eine Winterfütterung für Rotwild im Gasteiner Angertal, die durch eine online-Petition und einen Fernsehbericht in den vergangenen Wochen erhebliche mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Der Vorwurf: Trotz Jahrhundertwinters haben die staatlichen Forstbetriebe als Grundbesitzer und Jagdverpächter die Winterfütterung von Reh- und Rotwild teilweise untersagt oder eingestellt. Dadurch verhungere das Wild qualvoll, kritisieren die Jäger. Die Bundesforste widersprechen, der Waldbestand sei durch die Zunahme an Verbissschäden in Gefahr.

Mittlerweile hat auch das Landesverwaltungsgericht Salzburg die Wildschäden behördlich festgestellt. Dort heisst es, dass es „auf den Flächen durch massive Wildschäden – vorrangig verursacht durch Rotwild – großflächig zum Ausfall und Absterben von Forstkulturen gekommen ist“.  Das Landesverwaltungsgericht Salzburg selbst hat einen Zusammenhang mit der Fütterung festgestellt. Weiters hat das Gericht angeordnet, „eine Wildstandsreduktion auf ein für die Wiederbewaldung verträgliches Maß herbeizuführen.“.

Den Bericht des österreichischen Fernsehsenders Servus TV finden Sie hier.

Die Gegendarstellung der Österreichischen Bundesforste finden Sie hier.

Fotorechte: © Servus TV / Mabon

Winterfütterung

Winterfütterungen sind ein wirksames Instrument, um die räumliche Verteilung von Rotwild zu steuern. Darüber hinaus wird sie vor allem in den Alpen und den Mittelgebirgen als Kompensation für Winterlebensräume in den Tallagen angesehen, die durch Besiedelung, Verkehrswege und Stauseen verloren gegangen sind. Winterfütterung kann in diesen Regionen zur Minderung von Wildschäden beitragen und helfen, Energieengpässe bei den Tieren im Winter in Folge von menschlicher Beunruhigung wie z.B. durch Freizeitnutzung auszugleichen.

Andererseits können falsch oder missbräuchlich eingesetzte Fütterungen schwerwiegende Eingriffe in das natürliche Verhalten der Tiere darstellen. Auch wird diskutiert, ob Winterfütterung dazu beiträgt, die Nahrungsgrundlage des Lebensraumes künstlich anzuheben. Eine an dieser Lebensraumkapazität orientierte Wilddichte würde zu nachteiligen Auswirkungen auf die Vegetation im Sommer führen.

Ein an der Biologie des Rotwildes orientiertes Management nutzt alle Möglichkeiten, auf Winterfütterung zu verzichten. Voraussetzungen für ein konfliktarmes Überwintern von Rotwild sind eine angemessene Populationsgröße, ruhige Einstände und vor allem ausreichend verfügbare und zugleich schadlose Äsungskapazitäten im Winter. Ein naturnah aufgebauter, gut strukturierter Wald ist dabei weniger anfällig gegen den Fraßeinfluss durch Rotwild als Altersklassenwälder. Gleichzeitig bietet die Gestaltung von Waldinnenrändern mit Weichhölzern nicht nur dem Rotwild geeignete Winteräsung, sondern bildet insgesamt einen HotSpot für die Artenvielfalt in unseren Wäldern. Unbejagte Wildäsungsflächen, die vom Wild auch am Tag genutzt werden, sind das wichtigste Element für erfolgreiche Überwinterungskonzepte beim Rotwild. Ziel sollte es also sein, Situationen, in denen Winterfütterung erforderlich ist, deutlich zu minimieren. Gleichzeitig darf der Verzicht auf Winterfütterung auch nicht zum Dogma werden.

Wintergatter

In den Alpen werden immer mehr Fütterungsbereiche eingezäunt, aus denen das Wild erst entlassen wird, wenn reichlich Bodenäsung zur Verfügung steht Für den Wald sind Wintergatter eine Entlastung. Wenn sich das Wild jedoch frühzeitig einstellt, kann es nicht mehr bejagt und der Abschuss nicht erfüllt werden. Manche Revierinhaber nutzen Wintergatter dazu, einen höheren Wildbestand zu halten. Das Gattern wilder Tiere über etwa fünf Monate pro Jahr stößt auch auf ethische Einwände und ist für viele unvereinbar mit dem Wildtiercharakter. Die Tiere selbst finden allerdings ihr Ruhebedürfnis optimal befriedigt, weil sie vor Störungen sicher sind.

Broschüre „Für den Rothirsch“ veröffentlicht

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat auf ihrem 9. Rotwildsymposium in Bad Driburg die Broschüre „Für den Rothirsch“ veröffentlicht. Sie enthält die nunmehr dritte Auflage des „Leitbild Rotwild“ und die Forderungen und Empfehlungen, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus ihren bisherigen Rotwildsymposien abgeleitet hat.

Die Broschüre „Für den Rothirsch” erhalten Sie über unser Bestellformular.

Für den Rothirsch

Für den Rothirsch

Rotwild ist in Deutschland nicht bedroht! Über 200.000 Tiere leben bei uns und gut ein Drittel von ihnen wird jedes Jahr nachhaltig erlegt. Allerdings: An kaum einem Fleckchen in Deutschland kann das Rotwild seinen natürlichen Verhaltensweisen nachgehen. Gesetzlich festgelegte Rotwildbezirke und hoher Nutzungsdruck in seinem Lebensraum, unserer Kulturlandschaft, hindern die Art an weiten Wanderbewegungen und einem tagvertrauten Dasein in halboffenen Landschaften.

Damit sich die Lebensbedingungen unserer größten heimischen Säugetierart verbessern, engagiert sich die Deutsche Wildtier Stiftung für den Rothirsch. Der Motor dieses Engagements sind die Rotwildsymposien, die in einem zweijährigen Turnus stattfinden. Ihr Anspruch ist, die relevanten Themen rund um den Umgang mit dem Rothirsch in den Mittelpunkt des öffentlichen und fachlichen Diskurs zu stellen und daraus Lösungen für einen gerechten Umgang mit Rotwild in Deutschland zu erarbeiten.

Auf dem 1. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung im Jahr 2002 haben Urich Wotschikowsky et al. den Entwurf für ein „Leitbild Rotwild“ vorgestellt. Im Jahr 2005 wurde das Leitbild schließlich mit einer breiten Unterstützung durch unterschiedliche Jagd-, Umwelt- und Eigentümerverbände von der Deutschen Wildtier Stiftung herausgegeben. Seither ist das Leibild Rotwild der wesentliche Anker der inhaltlichen Arbeit der Deutschen Wildtier Stiftung rund um den Rothirsch. Die vorliegende Broschüre enthält die nunmehr dritte Auflage des Leitbild Rotwild, in der im Vergleich zum Originaltext aus dem Jahr 2005 lediglich die zwischenzeitlichen Gesetzesänderungen angepasst worden sind.

Seine Autoren verstanden das Leitbild Rotwild als Ausgangspunkt auf dem Weg zu einem besseren Rotwildmanagement. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat seither versucht, mit ihren Rotwildsymposien diesen Weg weiterzugehen. Das Ergebnis sind die Forderungen und Empfehlungen, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus ihren bisherigen Rotwildsymposien abgeleitet hat, und die in dieser Broschüre ebenfalls zusammengetragen worden sind. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Jagdstrategie, Wald und Wild, Hegegemeinschaften, Jagdethik und Jagd in Großschutzgebieten.

 

 

Einladung zum 9. Rotwildsymposium: Der Rothirsch in der Überzahl

 

Die Deutsche Wildtier Stiftung lädt ein zu ihrem 9. Rotwildsymposium

Der Rothirsch in der Überzahl –
Wege zu einer tierschutzgerechten Rotwildreduktion

vom 28. bis 30. Juni 2018 in Bad Driburg

Sehr hohe Rotwilddichten führen nicht nur zu Konflikten mit der Land- und Forstwirtschaft, sondern dienen immer wieder auch als Argument gegen die Auflösung von Rotwildbezirken oder kürzere Jagdzeiten. Für das Wohlergehen unseres größten Landsäugers sind sehr hohe Dichten in unserer eng besiedelten Kulturlandschaft daher eher schädlich. Das 9. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung hat zum Ziel, die besonderen Maßnahmen, die in zeitlich befristeten Reduktionsphasen ergriffen werden sollten, herauszuarbeiten. Im Ergebnis sollen praktische Empfehlungen formuliert werden, damit dort, wo es gewünscht ist, eine wirkungsvolle und dabei tierschutzgerechte Rotwildreduktion in einem begrenzten Zeitraum gelingen kann.

Das Programm des 9. Rotwildsymposiums finden Sie hier.

Ein online-Anmeldeformular zum 9. Rotwildsymposium finden Sie hier.

Rotwildsymposium Gräflicher Park

Veranstaltungsort & Hotel-Empfehlung

Gräflicher Park Grand Resort
Brunnenallee 1
33014 Bad Driburg
info@graeflicher-park.de

Bitte reservieren Sie mit dem Stichwort „Deutsche Wildtier Stiftung“ Ihre Übernachtungsgelegenheit.

In diesen Hotels haben wir Zimmer für Sie reserviert:

► Gräflicher Park Grand Resort (05253 9523-0)
► Böhlers Landgasthaus (05253 1235)
► Hotel Erika Stratmann (05253 9810)
► Hotel Schwallenhof (05253 981300)
► Hotel Waldcafé Jäger (05253 93390)

Anmeldung

Bitte melden Sie sich bis zum 19. Juni 2018 an.

Teilnahmegebühr

130 € (Studierende: 70 €) inkl. Verpflegung am 29. und 30. Juni, Abendessen, Exkursion und Tagungsband
80 € ohne Abendessen
50 € Begleitperson beim Abendessen

Bitte überweisen Sie den Betrag bis zum 19. Juni 2018 an:
Deutsche Wildtier Stiftung
IBAN: DE81 2005 0550 1002 2515 59
IHR NAME – Rotwildsymposium 2018“

Posterausstellung

Alle Rotwildprojekte in Deutschland sind herzlich eingeladen, ein Poster auf dem Rotwildsymposium zu präsentieren. Bitte melden Sie Ihr Poster bis zum 24. Juni 2018 bei der Deutschen Wildtier Stiftung an.

Organisation

Dr. Andreas Kinser, Julia Wedekind & Hilmar Freiherr v. Münchhausen

 

Das 9. Rotwildsymposium wird gefördert durch

 

 

Tagungsband zur Jagd in großen Schutzgebieten veröffentlicht

Unter dem Titel „Der Hirsch als Naturschützer“ hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Tagungsband ihres 8. Rotwildsymposiums veröffentlicht. Die Publikation dokumentiert die Vorträge und Diskussionen des Symposiums, dass 2016 in Baden-Baden stattgefunden hat. Den Tagungsband „Der Hirsch als Naturschützer” erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 14,90 € inkl. Versandkosten unter Telefon 040 9707869-0 oder über unser Bestellformular.

Der Tagungsband des 8. Rotwildsymposiums enthält wissenschaftliche Beiträge, die die positiven Effekte von Rothirsch und Co. auf die Biologische Vielfalt darstellen und belegen. Andere Vorträge setzten sich damit auseinander, wie das Wissen um die ökologische Bedeutung großer Huftiere in praktisches Handeln übersetzt werden kann. Dies ist vor allem für Nationalparke, Biosphärenreservate und andere Großschutzgebiete relevant.

 

In der Publikation werden aber auch Beispiele von Nationalparken, Biosphärenreservaten und andere Großschutzgebieten präsentiert, in denen bereits heute Konsequenzen aus dem Wissen um die ökologische Bedeutung von Huftieren gezogen werden. Die Jagd außerhalb großer jagdfreier Gebiete dient dort nur noch dem Schutz des land- und forstwirtschaftlich genutzten Umlandes. In Ihrer „Baden-Badener Erklärung“, die den verschiedenen Buchbeiträgen im Tagungsband vorangestellt ist, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung ebenfalls einen vollständigen Jagdverzicht auf den bereits heute ausgewiesenen Prozessschutzflächen. In Summe ist dies weniger als 1 % der terrestrischen Fläche der Bundesrepublik Deutschland! Darüber hinaus sollten zukünftig alle Großschutzgebiete eine Vorreiterrolle beim Umgang mit Huftieren einnehmen.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung fand vom 07. bis 09. Juli 2016 im Kurhaus Casino in Baden-Baden statt und wurde durch die Eva-Mayr Stihl Stiftung gefördert.

 

Inhalt des Tagungsbandes

Baden-Badener Erklärung (Abschlussdokument des 8. Rotwildsymposiums)

Grusswort 

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (Alleinvorstand Der Deutschen Wildtier Stiftung)

Ökologische Funktionen von Rotwild in seinem Lebensraum

Der Rothirsch und die Biodiversität – Versuch einer Standortbestimmung (Sven Herzog)

Die Ökologischen Wirkungen von Rotwild und anderen wildlebenden Huftieren: Ergebnisse einer Literaturrecherche (Andreas Kinser, Coralie Herbst & Hilmar Freiherr v. Münchhausen)

Der Einfluss vom Rothirsch auf die Vegetation und die ökologischen Prozesse im Schweizerischen Nationalpark (Flurin Filli)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger (Marcus Meißner, Ulrich Maushake, Niko Balkenhol, Sven Herzog, Johannes Isselstein, Christoph Raab, Horst Reinecke, Laura Richter, Friederike Riesch, Johannes Signer, Hans-Georg Stroh & Bettina Tonn)

Von hier nach dort: Endozoochorer Transport von Pflanzendiasporen durch den Rothirsch – Potenzial für Arten des wertgebenden Offenlands (Anya Wichelhaus)

 

Der Umgang mit Schalenwild in großen Schutzgebieten

Rotwildmanagement in den Nationalparken Deutschlands – ein Überblick aus sozialwissenschaftlicher Perspektive (Stefan Ehrhart & Ulrich Schraml)

Bewertung der Naturnähe des Rothirschmanagements in mitteleuropäischen Nationalparken (Stephan Jüstl & Marco Heurich)

Die Grenzen der natürlichen Entwicklung: Wildtiermanagement im Nationalpark Hainich (Rüdiger Biehl)

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin: Ein Modell für nachhaltige Nutzung – auch für den Rothirsch? (Mathias Herrmann & Frank Christian Heute)

Faszination Wildnis! Herausforderung Rotwild? (Hubertus Meckelmann)

Der Rothirsch als Teil unseres Naturerbes (H. Otto Denstorf)

Prozessschutz für den Rothirsch – Zwischen Illusion und Vision (Friedrich Burghardt)

 

Posterpräsentationen

Streifgebietsgrößen von Rothirschen im subalpinen Raum unter intensivem Fütterungsregime (Johanna Maria Arnold & Klaus Hackländer)

Einflussfaktoren auf Verbiss, Schäle und Fegen von Rothirsch, Reh und Damhirsch in europäischen Waldökosystemen (Johanna Maria Arnold, Philipp Gerhardt, Eduard Hochbichler & Klaus Hackländer)

Fang von Rotwild im Rahmen des Projektes „Erhalt von Offenlandschaften durch zielgerichtetes Flächen- und Wildtier-Management“ (Marcus Meißner, Laura Richter, Niko Balkenhol & Sven Herzog)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als landschafts-Pfleger: Vegetation und Fernerkundung (Christoph Raab, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Rotwildtelemetrie (Laura Richter, Christoph Raab, Marcus Meißner & Niko Balkenhol)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Vegetationsökologie (Friederike Riesch, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Die Ausbreitung des Wolfs und seine empfundenen Effekte auf den Rothirsch in den Niedersächsischen Revieren – Ergebnisse aus der Wildtiererfassung (WTE) (Egbert Strauß & Reinhild Gräber)

Auswirkungen der Landschaftszerschneidung auf Rothirsch (Cervus Elaphus) und Wildkatze (Felis Silvestris): eine deutschlandweite landschaftsgenetische Studie (Katharina Westekemper)

Tagungsbericht vom 8. Rotwildsymposium

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung vom 07. bis 09. Juli 2016 in Baden-Baden stand unter dem Titel „Der Hirsch als Naturschützer“. Die Vorträge und Diskussionen behandelten auf der einen Seite die ökologischen Funktionen, die Rothirsche und andere Huftiere in ihrem Lebensraum übernehmen. Als Konsequenz aus dem Wissen um diese Effekte diskutierten die über 170 Teilnehmer aus Naturschutz-, Jagd- und Forstbehörden, Politik und Wissenschaft auf der anderen Seite den Umgang mit großen Huftieren in Großschutzgebieten.

Den ausführlichen Tagungsbericht des 8. Rotwildsymposiums und eine Bildgalerie finden Sie hier.

 

Zu den ökologischen Effekten durch Beweidung, Tritt, Samenverbreitung und Verwesung hat die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass des 8. Rotwildsymposiums eine Literaturzusammenfassung veröffentlicht.

Informationen zu der Literaturzusammenfassung finden Sie hier. Recherche ökologische Funktion Rothirsch

Lässt sich Rotwild im Nationalpark schützen?

(Schwarzwälder Bote vom 07. Juni 2016) Fritz traut sich nur in der Nacht auf freie Flächen. Tagsüber versteckt er sich im Schutz des dichten Waldes, denn mit Menschen hat er schlechte Erfahrungen gemacht. Der Rothirsch ist eines von sieben Tieren, die derzeit im Nationalpark Schwarzwald mit GPS-Senderhalsbändern ausgestattet sind. Beobachtet wird Fritz von Friedrich Burghardt und seinem Team, das sich im Fachbereich „Wald und Naturschutz“ des Nationalparks unter anderem um das Rotwild kümmert. Deren Populationsentwicklung macht manchem benachbarten Waldbesitzer allerdings Sorgen, wenn die Natur und damit auch die Tierwelt im Nationalpark langfristig auf 75 Prozent der Fläche sich selbst überlassen werden soll. Eine Sorge, die Friedrich Burghardt nicht teilt – vorausgesetzt, die Jagdpraxis ändert sich, und die Tiere bekommen im Nordschwarzwald wieder mehr Raum und Ruhe. Dazu bedürfe es aber eines intelligenten Wildtiermanagements und Rotwildkonzepts für den ganzen Nordschwarzwald, das die sehr mobilen Tiere auf der Populationsebene betrachtet. Dazu müssten Experten aus Forst, Jagd, Tourismus und Gemeinden zusammenarbeiten und sich darauf einigen, wie und im welchem Umfang die Tiere bejagt werden sollen.

Dass der Prozessschutz, also das eigentliche Ziel von Nationalparken, auch für große Pflanzenfresser möglich ist, zeigt laut Burghardt ein Blick in die Schweiz: Im Nationalpark im Engadin bereitet das Rotwild keine Probleme und hat sich wieder an den Menschen gewöhnt. Dort können Besucher die stattlichen Hirsche tagsüber an den Waldrändern beobachten, denn die Tiere haben schnell gelernt, dass der Mensch ihren Rückzugsraum achtet und sie im Nationalpark sicher sind.

Den vollständigen Artikel im Schwarzwälder Boten finden Sie hier.

Auf Flächen, die wie unsere Nationalparke exklusiv dem Naturschutz vorbehalten sind, könnten Wirkungen der Wiederkäuer eigentlich konfliktfrei zugelassen werden. Doch selbst in den meisten unserer Nationalparke wird Rotwild und anderes Schalenwild auf der überwiegenden Fläche „gemanagt“ und die Natur vor sich selbst bewahrt. Und das obwohl Rotwild und anderes Schalenwild der Schlüssel für eine ganze Reihe ökologischer Prozesse darstellt. Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung vom 07. bis 09. Juli 2016 beleuchtet beide Seiten. 

8. Rotwildsymposium: Der Hirsch als Naturschützer

Die Deutsche Wildtier Stiftung lädt vom 07. bis 09. Juli 2016 nach Baden-Baden ein zu ihrem

8. Rotwildsymposium

Der Hirsch als Naturschützer

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Rotwild und alle anderen Schalenwildarten erfüllen in ihren Lebensräumen viele ökologische Funktionen! Sie schaffen struktur- und artenreiche Biotope, verbreiten Samen und sind Lebensraum für Aaskäfer und Beutetiere für große Prädatoren. Ohne Schalenwild gäbe es bei uns weder Wolf noch Luchs! Während einige dieser ökologischen Prozesse auch bei sehr geringen Schalenwilddichten eintreten, erfolgen andere umso besser, je mehr große Pflanzenfresser vorhanden sind. In diesem Fall werden ökologische Prozesse in unseren vielfältig genutzten Wäldern jedoch sehr schnell zu einem wirtschaftlichen Schaden und sind unerwünscht. Auf Flächen, die exklusiv dem Naturschutz vorbehalten sind, könnten Wirkungen der Wiederkäuer dagegen weitgehend konfliktfrei zugelassen werden. Doch selbst in den meisten unserer Nationalparke wird Rotwild und anderes Schalenwild auf der überwiegenden Fläche „gemanagt“ und die Natur vor sich selbst bewahrt.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung

  • beleuchtet die Bedeutung großer Wildtierarten für ökologische Prozesse,
  • zieht Konsequenzen aus diesem Wissen und
  • hinterfragt den Umgang mit dem Rothirsch auf großen Naturschutzflächen.

Das vollständige Programm und organisatorische Informationen finden Sie hier.

Ein Formular zur Anmeldung per E-Mail, Brief oder Fax finden Sie hier.

Parallel zum 8. Rotwildsymposium finden in Baden-Baden die Sommerfestspiele statt. Bitte denken Sie daher rechtzeitig an Ihre Übernachtungsbuchung. Wir haben in mehreren Hotels bis Mitte bzw. Ende Mai ein Kontingent für Sie reservieren lassen.

 

Nager haben Hirschgeweihe zum Fressen gern

Welche Rolle spielt Rotwild in der Natur? Die Antwort hängt davon ab, wen Sie fragen. Für die einen ist der Hirsch im Wald eine Art „Elefant im Porzellanladen“: Also ein Schädling, den es zu bekämpfen gilt. Für die anderen ist Rotwild Teil des Ökosystems; ein „Natur-Gestalter“, ohne den andere Arten nicht existieren würden.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung findet vom 7. – 9. Juli 2016 unter dem Titel „Der Rothirsch als Naturschützer“ in Baden-Baden statt.

 

Hamburg, 10. Februar 2016. Im Februar stehen selbst Platzhirsche plötzlich „oben ohne“ da! Der Abwurf des Geweihs ist mit dem Tiefstand des Sexualhormons Testosteron verbunden. Knochenfressende Zellen, sogenannte Osteoklasten, haben den Knochen zwischen Geweih und Stirnzapfen zerstört. Die Geweihstange löst sich und fällt ab.

Was für den Rothirsch zunächst ein Verlust ist, bringt vielen anderen Wildtieren einen Gewinn. „Mäuse, Eichhörnchen und Füchse knabbern an dem Geweihknochen, um an die wertvollen Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Phosphor sowie Spurenelemente wie Eisen zu gelangen“, sagt Dr. Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Nicht nur Nager haben Hirschgeweihe zum Fressen gern.“ Die durch die Zersetzung der Abwurfstangen frei werdenden Mineralstoffe sind typische Bestandteile zur Bodendüngung und damit ein kleiner aber wertvoller Stein im Baukasten der Natur.

In dem immerwährenden Kreislauf von Werden und Vergehen bekommt auch der Rothirsch seine „Krone“ zurück. Schon bald nach dem Abwurf beginnt der Knochen erneut zu wachsen. Was sich jetzt in nur 140 Tagen abspielt, verblüfft bis heute die Wissenschaftler: Der Rothirsch bildet in kürzester Zeit so viel Knochenmasse, dass bis zum Spätsommer ein komplett neues Geweih gewachsen ist. Dieser Prozess der Geweihbildung wird von Humanmedizinern erforscht, um Brüche und Knochenerkrankungen bei Menschen in Zukunft besser und schneller zu heilen.

Pressekontakt
Eva Goris, Pressesprecherin, Christoph-Probst-Weg 4, 20251 Hamburg,
Telefon 040 9707869-13, Fax 040 9707869-19,
E.Goris@DeutscheWildtierStiftung.de, www.DeutscheWildtierStiftung.de

Nationalpark Schwarzwald will Jagdruhezone für Schalenwild

(Stuttgarter Zeitung vom 01. September 2015) Die Grundidee von Nationalparken ist der Prozessschutz. Der Mensch zieht sich zurück und lässt der Natur freien Lauf. Das unterscheidet die Schutzgebietskategorie „Nationalpark“ von z.B. „Naturschutzgebieten“, in denen durch gezielte Pflegemaßnahmen bestimmte Arten oder Lebensräume erhalten werden können. Die Idealvorstellung einer ungezügelten Natur stößt jedoch häufig an Akzeptanz-Grenzen, wenn sich zeigt, dass Natur auch zerstörerisch wirken kann – wenn Stürme oder Feuer wüten, Borkenkäfer Fichten kahl fressen oder Rotwild und Rehe Bäume schädigen. In einem Nationalpark aber spricht man nicht von Schaden. Im Prozessschutz gehört alles zum Ökosystem, ob Pflanzen, Pilze, Insekten, Tiere – gleichberechtigt und wertneutral. Der Nationalpark Nordschwarzwald will daher das Prozessschutz-Prinzip nun auch für große Wildtiere gelten lassen: Von Herbst an soll das Rotwild im Nationalpark Nordschwarzwald auf rund 2000 Hektar nicht mehr geschossen werden. Eine echte Herausforderung ist dabei der Anspruch, den Abschussplan für das gesamte Gebiet trotzdem zu erfüllen, um die angrenzenden Wirtschaftswälder nicht zu gefährden. Das zukünftige Jagdkonzept stützt sich daher vor allem auf zwei Bereiche: Bewegungsjagd und ausreichende Äsungsflächen.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Rotwild und anderes Schalenwild übernimmt in großen Ökosystemen häufig ganz unbemerkt ökologische Funktionen. Mehr zur Öko-Rolle von Rothirsch & Co, finden Sie hier.

Tod dem Rothirsch! Lang lebe der Rotfuchs…?

## Presseinformation zum 7. Rotwildsymposium: „Gleichheit“ ## Warum gehen wir Menschen so unterschiedlich mit Wildtieren um? Manche Arten werden vergöttert, andere verdammt. Manche gehegt und gefüttert, andere gnadenlos verfolgt. Im Mittelpunkt des 7. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung steht daher das Verhältnis zwischen Mensch und Wildtier. Die Veranstaltung findet vom 25. bis 28. September 2014 in Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Im Vorfeld beleuchtet die Deutsche Wildtier Stiftung in einer Reihe von Presseinformationen anhand verschiedener Beispiele den Umgang mit Wildtieren in Deutschland. Die dritte Folge thematisiert den Konflikt um die „Gleichheit“ der Wildtiere.

Die Jagd auf Schalenwild wie Hirsch, Reh und Wildschwein ist im überwiegenden Teil der Bevölkerung akzeptiert; denn die meisten Menschen wissen, dass diese Wildarten in Deutschland zahlreich sind und reguliert werden müssen. Die Schäden in der Land- und Forstwirtschaft würden sonst überhandnehmen. Außerdem liefert die Jagd Wildfleisch für die Ernährung. „Ohne Jagd verursachen die großen Wildtiere enorme Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, bis die Populationen irgendwann durch verheerende Seuchen zusammenbrechen würden“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Doch was bei Hirsch, Reh und Wildschwein recht und billig ist, gilt nicht unbedingt für andere Wildtiere: „So einleuchtend die Bejagung von Schalenwild ist, so umstritten ist die Jagd auf Rotfuchs, Steinmarder und Waschbär“, so Münchhausen weiter. „Dabei sind auch diese Arten häufig und können als Beutegreifer negative Auswirkungen auf bedrohte heimische Arten haben.“

Vor allem die am Boden brütenden Vogelarten wie Rebhuhn, Wiesenweihe und Brachvogel haben es schwer. Sie stehen auf der Speisekarte der pelzigen Beutegreifer ganz oben. „Den Bodenbrütern geht es in intensiv genutzten Agrarlandschaften ohnehin schon sehr schlecht“, betont der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Zusätzlich kommen die oft nur noch kleinen Populationen seltener Vogelarten durch Rotfuchs, Waschbär, Steinmarder & Co. unter Druck.“ Doch die Jagd auf pelztragende Beutegreifer ist unpopulär. „Ihr Einfluss auf die Artenvielfalt ist in der Bevölkerung weitgehend unbekannt und das Nutzen von Pelzen gilt als verwerflich“, kritisiert Münchhausen.

Wildtiere unterliegen in ihrem „Wert“ stark der emotionalen und wirtschaftlichen Betrachtung durch den Menschen – oft leider ohne Blick auf die ökologischen Zusammenhänge in der Natur. „Wir fordern einen fairen Umgang mit allen Wildtieren, egal ob Rothirsch oder Rotfuchs“, betont der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wenn die Jagd auf Schalenwild zur Sicherung der land- und forstwirtschaftlichen Erträge recht ist, muss die Jagd auf häufige Beutegreifer als Beitrag zum Artenschutz nur billig sein.“

Das 7. Rotwildsymposium findet vom 25. – 28. September 2014 in Warnemünde statt. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stiftung „Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern“ und durch das Land Mecklenburg-Vorpommern. Schirmherr der Tagung ist Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Zu den Referenten gehören Kapazitäten wie Dr. Florian Asche, Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, Prof. Dr. Konrad Ott, Prof. Dr. Friedrich Reimoser und Dr. Helmuth Wölfel.

Weiterführende Informationen:

Die Positionen der Deutschen Wildtier Stiftung zur Rotwildpolitik finden Sie hier.

Informationen zur Rotwildpolitik der Länder finden Sie hier.