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ÖkoArtCervus – Literaturstudie zur ökologischen Funktion von Huftieren als .pdf

Aus ökologischer Sicht verursachen Huftiere keine Schäden, sondern Störungen. Beweidung und Tritt durch Rothirsche und andere Huftiere sind Störungen, die sehr häufig Ausgangspunkt für besonderen Artenreichtum und Biologische Vielfalt sind. Ein wichtiger Bestandteil ökosystemarer Prozesse ist außerdem die Zersetzung und der Abbau von tierischen Abfallprodukten – also von Aas und Kot. Neben diesen Themen beschreibt die Broschüre den erheblichen Effekt, den Huftiere durch die sogenannten Zoochorie auslösen, also durch die Verbreitung von Samen in Fell (Epizoochorie) und mit dem Kot (Endozoochorie).

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat aus Anlass ihres 8. Rotwildsymposiums in Baden-Baden eine Literaturzusammenfassung zur ökologischen Funktion des Rothirsches veröffentlicht. Die Studie mit dem Titel „ÖkoArtCervus“ gibt einen Überblick über die komplexen ökologischen Zusammenhängen von Rotwild und anderen Huftieren und ihrer Umwelt und beschreibt ihren Nutzen für Artenvielfalt und ökologische Prozesse.

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Herbst, C.; Kinser, A. & Münchhausen, H.Frhr.v. (2016): ÖkoArtCervus. Eine Literaturstudie zur ökologischen Funktion von Rotwild und anderen wildlebenden Huftieren. Deutsche Wildtier Stiftung (Hrsg.), ISBN 978-3-936802-20-7, 6 S.

Inhalt

Recherche ökologische Funktion Rothirsch

1 Schaden und Nutzen – eine Einleitung
2 Beweidung: Baumaßnahme des Artenreichtums
   2.1 Einfluss von Beweidung auf Vegetationsgesellschaften
   2.2 Einfluss von Beweidung auf die Fauna
3 Mit Schalen und Hufen: Vielfalt durch Störung
4 Zoochorie: Die Spediteure der Artenvielfalt
5 Aas und Kot: Orte voller Leben
6 Fazit

Tagungsband zur Jagd in großen Schutzgebieten veröffentlicht

Unter dem Titel „Der Hirsch als Naturschützer“ hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Tagungsband ihres 8. Rotwildsymposiums veröffentlicht. Die Publikation dokumentiert die Vorträge und Diskussionen des Symposiums, dass 2016 in Baden-Baden stattgefunden hat. Den Tagungsband „Der Hirsch als Naturschützer” erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 14,90 € inkl. Versandkosten unter Telefon 040 9707869-0 oder über unser Bestellformular.

Der Tagungsband des 8. Rotwildsymposiums enthält wissenschaftliche Beiträge, die die positiven Effekte von Rothirsch und Co. auf die Biologische Vielfalt darstellen und belegen. Andere Vorträge setzten sich damit auseinander, wie das Wissen um die ökologische Bedeutung großer Huftiere in praktisches Handeln übersetzt werden kann. Dies ist vor allem für Nationalparke, Biosphärenreservate und andere Großschutzgebiete relevant.

 

In der Publikation werden aber auch Beispiele von Nationalparken, Biosphärenreservaten und andere Großschutzgebieten präsentiert, in denen bereits heute Konsequenzen aus dem Wissen um die ökologische Bedeutung von Huftieren gezogen werden. Die Jagd außerhalb großer jagdfreier Gebiete dient dort nur noch dem Schutz des land- und forstwirtschaftlich genutzten Umlandes. In Ihrer „Baden-Badener Erklärung“, die den verschiedenen Buchbeiträgen im Tagungsband vorangestellt ist, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung ebenfalls einen vollständigen Jagdverzicht auf den bereits heute ausgewiesenen Prozessschutzflächen. In Summe ist dies weniger als 1 % der terrestrischen Fläche der Bundesrepublik Deutschland! Darüber hinaus sollten zukünftig alle Großschutzgebiete eine Vorreiterrolle beim Umgang mit Huftieren einnehmen.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung fand vom 07. bis 09. Juli 2016 im Kurhaus Casino in Baden-Baden statt und wurde durch die Eva-Mayr Stihl Stiftung gefördert.

 

Inhalt des Tagungsbandes

Baden-Badener Erklärung (Abschlussdokument des 8. Rotwildsymposiums)

Grusswort 

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (Alleinvorstand Der Deutschen Wildtier Stiftung)

Ökologische Funktionen von Rotwild in seinem Lebensraum

Der Rothirsch und die Biodiversität – Versuch einer Standortbestimmung (Sven Herzog)

Die Ökologischen Wirkungen von Rotwild und anderen wildlebenden Huftieren: Ergebnisse einer Literaturrecherche (Andreas Kinser, Coralie Herbst & Hilmar Freiherr v. Münchhausen)

Der Einfluss vom Rothirsch auf die Vegetation und die ökologischen Prozesse im Schweizerischen Nationalpark (Flurin Filli)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger (Marcus Meißner, Ulrich Maushake, Niko Balkenhol, Sven Herzog, Johannes Isselstein, Christoph Raab, Horst Reinecke, Laura Richter, Friederike Riesch, Johannes Signer, Hans-Georg Stroh & Bettina Tonn)

Von hier nach dort: Endozoochorer Transport von Pflanzendiasporen durch den Rothirsch – Potenzial für Arten des wertgebenden Offenlands (Anya Wichelhaus)

 

Der Umgang mit Schalenwild in großen Schutzgebieten

Rotwildmanagement in den Nationalparken Deutschlands – ein Überblick aus sozialwissenschaftlicher Perspektive (Stefan Ehrhart & Ulrich Schraml)

Bewertung der Naturnähe des Rothirschmanagements in mitteleuropäischen Nationalparken (Stephan Jüstl & Marco Heurich)

Die Grenzen der natürlichen Entwicklung: Wildtiermanagement im Nationalpark Hainich (Rüdiger Biehl)

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin: Ein Modell für nachhaltige Nutzung – auch für den Rothirsch? (Mathias Herrmann & Frank Christian Heute)

Faszination Wildnis! Herausforderung Rotwild? (Hubertus Meckelmann)

Der Rothirsch als Teil unseres Naturerbes (H. Otto Denstorf)

Prozessschutz für den Rothirsch – Zwischen Illusion und Vision (Friedrich Burghardt)

 

Posterpräsentationen

Streifgebietsgrößen von Rothirschen im subalpinen Raum unter intensivem Fütterungsregime (Johanna Maria Arnold & Klaus Hackländer)

Einflussfaktoren auf Verbiss, Schäle und Fegen von Rothirsch, Reh und Damhirsch in europäischen Waldökosystemen (Johanna Maria Arnold, Philipp Gerhardt, Eduard Hochbichler & Klaus Hackländer)

Fang von Rotwild im Rahmen des Projektes „Erhalt von Offenlandschaften durch zielgerichtetes Flächen- und Wildtier-Management“ (Marcus Meißner, Laura Richter, Niko Balkenhol & Sven Herzog)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als landschafts-Pfleger: Vegetation und Fernerkundung (Christoph Raab, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Rotwildtelemetrie (Laura Richter, Christoph Raab, Marcus Meißner & Niko Balkenhol)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Vegetationsökologie (Friederike Riesch, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Die Ausbreitung des Wolfs und seine empfundenen Effekte auf den Rothirsch in den Niedersächsischen Revieren – Ergebnisse aus der Wildtiererfassung (WTE) (Egbert Strauß & Reinhild Gräber)

Auswirkungen der Landschaftszerschneidung auf Rothirsch (Cervus Elaphus) und Wildkatze (Felis Silvestris): eine deutschlandweite landschaftsgenetische Studie (Katharina Westekemper)

Positionspapier zur Jagd in Nationalparken

Über 25 Jahre nach Gründung der Nationalparke Müritz, Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund fordern acht Naturschutzorganisationen die konsequente Weiterentwicklung der drei Nationalparke in Mecklenburg-Vorpommern.  Neben den beiden Naturschutzverbänden NABU und BUND sowie dem WWF und der Deutschen Wildtier Stiftung sind das der Ökologische Jagdverband MV, die Fördervereine des Müritz-Nationalparks und des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft sowie der Verein der Freunde und Förderer des Nationalparks Jasmund.

Zu dem gemeinsamen Positionspapier der acht Organisationen gelangen Sie hier.

Weltweit werden Nationalparke ausgewiesen, damit sich die Natur an manchen Orten ohne direkte Einflussnahme des Menschen entwickeln kann. In Deutschland sind die Nationalparke von diesem Ziel jedoch noch weit entfernt: Selbst in den Kernzonen werden große Wildtiere nach wie vor durch Jagd reguliert und die Natur vor sich selbst bewahrt. Immerhin: In Mecklenburg-Vorpommern wird ab Ende dieses Jahres jeglicher Holzeinschlag eingestellt. Weiterhin in erheblichem Umfang finden aber Jagd und Fischerei selbst in den Kernzonen statt. Die bislang einmalige Allianz der Naturschutzorganisationen fordert diesbezüglich eine rasche und konsequente Nachsteuerung ein. „Im Grundsatz müssen alle Eingriffe künftig ausschließlich auf die Minimierung von Schäden ausgerichtet sein, die Wildtiere außerhalb der Nationalparke, im Siedlungsraum oder an Hochwasserschutzanlagen verursachen“, so Albrecht von Kessel, Vorsitzender des Fördervereins Müritz-Nationalpark und ergänzt: „So weit wie möglich müssen sich daher die Jagd und das Wildmanagement aus den Kernbereichen der Nationalparke zurückziehen.“

Besuchern ist es nicht mehr vermittelbar, dass bis auf kleine Ausnahmen, wie z.B. der Wildruhezone am Darßer Ort, die weit überwiegenden Teile der Nationalparke nach wie vor bejagt werden. „Natur Natur sein lassen“ muss sich hier so weit wie möglich endlich auch auf das Wildmanagement beziehen. Das gilt vor allem für die Nationalparke Müritz und Vorpommersche Boddenlandschaft und aufgrund seiner kleinen Fläche eingeschränkt für den Nationalpark Jasmund.

Die acht Naturschutzorganisationen sind bereit, die Landesregierung bei der künftigen Entwicklung der drei Nationalparke aktiv zu unterstützen und konstruktiv zu begleiten. Leitlinien müssen dabei die internationalen Standards für Nationalparke sein. Neben dem Positionspapier der acht Organisationen bieten die regelmäßigen Prüfberichte von EUROPARC Deutschland – dem Dachverband der Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke in Deutschland – die dafür notwendigen Hinweise.

Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt das gemeinsame Papier der Umweltverbände zur Weiterentwicklung der Nationalparke. In ihrer Baden-Badener Erklärung, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass ihres 8. Rotwildsymposiums formuliert hat, fordert die Stiftung bereits im Jahr 2016 einen vollständigen Jagdverzicht in den Kernbereichen der Großschutzgebiete.

 

 

 

 

 

10 Jahre nach dem Jagdverzicht im NSG

Seit dem Jahr 2007 wird auf einer rund 6.000 Hektar großen Flächen im Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide im Osten Sachsens nicht mehr gejagt. Von vielen Seiten wurde damals prophezeit, dass im Gebiet vor allem Laubbäume durch den hohen Fraßdruck durch Schalenwild keine Chance haben würden. Heute lässt sich besichtigen, dass alle Wissenschaftler mit ihren Vorhersagen daneben gelegen haben. Mehr noch: Die IUCN (Weltnaturschutzunion) hat vor einem Jahr die Königsbrücker Heide zum einzigen großteils unbeeinflussten Wildnisareal Deutschlands erklärt.

Einen Artikel vom 28.03.2017 über die Königsbrücker Heide in der ZEIT finden Sie hier.

In der Baden-Badener Erklärung, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass ihres 8. Rotwildsymposiums formuliert hat, fordert die Stiftung einen vollständigen Jagdverzicht in den Kernbereichen der Großschutzgebiete. Das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass ein Jagdverzicht zugunsten eines vollständigen Prozessschutzes gelingen kann.

Die Deutsche Wildtier Stiftung veröffentlicht Forderungen zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten

Die Deutsche Wildtier Stiftung veröffentlicht ihre Baden-Badener-Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten.

Große, wild lebende Huftiere wie der Rothirsch lösen in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft viele Konflikte aus. Im Gegensatz zu dieser „Normallandschaft“ stehen in großen Schutzgebieten jedoch die Ziele des Natur-, Arten- und Prozessschutzes im Mittelpunkt. Und zu diesen ökologischen Prozessen gehören auch unsere Huftiere wir Rothirsch, Reh und Wildschwein. Ihre Einflüsse wie Beweidung und Tritt, Samenverbreitung und Verwesung fördern völlig unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten und Artgemeinschaften und tragen in ihrer Gesamtheit zu einem heterogenen und damit artenreichen Ökosystem bei. Als Konsequenz aus dem Wissen um die ökologischen Funktionen der Huftiere fordert die Deutsche Wildtier Stiftung in ihrer Baden-Badener Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten einen veränderten Umgang mit Rothirsch & Co. in National- und Naturparken, Biosphärengebieten und auf den großen Flächen des Nationalen Naturerbes. Denn selbst in Nationalparken wird der Rothirsch bisher nur geduldet aber nicht als Bestandteil des zu schützenden Ökosystems und der ökologischen Prozesse wahrgenommen.

In der Baden-Badener Erklärung, die die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass ihres 8. Rotwildsymposiums formuliert hat, fordert die Stiftung unter anderem einen vollständigen Jagdverzicht in den Kernbereichen der Nationalparke. Darüber hinaus sollten alle Großschutzgebiete in Deutschland auch Lebensraum für den Rothirsch sein. Besonders in Bayern und Baden-Württemberg gibt es große Schutzgebiete, in denen der Rothirsch „per Dekret“ nicht leben darf.

Die Baden-Badener Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten finden Sie hier.

Eine Pressemeldung zur Veröffentlichung der Baden-Badener Erklärung zum Umgang mit Huftieren in Großschutzgebieten finden Sie hier.

Recherche ökologische Funktion RothirschZu einer Literaturrecherche zu den ökologischen Funktionen großer Huftiere gelangen Sie hier.

 

 

 

 

 

 

Trophäenjagd im Nationalpark?

(Hannoversche Allgemeine vom 17. August 2016) Der frühere Leiter des Nationalparks Harz kritisiert die derzeitige Rotwildjagd im Großschutzgebiet. Die sollte es eigentlich nur unter streng ökologischen Kriterien geben. Doch unter der Hand habe sich eine widersinnige Entwicklung vollzogen. Sein Vorwurf: „Wir haben praktisch eine Trophäenjagd bekommen, die dem Gedanken eines Nationalparks völlig zuwiderläuft“, sagt Wolf-Eberhard Barth. Dies belegten Veröffentlichungen des Rotwildringes Harz, in denen sich unter dem im Nationalpark Harz erlegten Rotwild ungewöhnlich viele kapitale Hirsche fänden.

Der Nationalpark Harz, der als gesamtdeutsches Projekt 2006 fusionierte, umfasst etwa ein Zehntel der Mittelgebirgsregion rund um den Brocken. Im Gegensatz zum Schweizerischen Nationalpark ist hier die Jagd auf Hirsche erlaubt. Männliche Rothirsche sollten aber nur bis zu einem Alter von vier Jahren bejagt werden. So ist es in den Konzepten des Nationalparks festgehalten. Doch die jüngste Statistik (2015) des Rotwildringes Harz spricht eine andere Sprache. „Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Hirschen war mit 368 zu 366 fast gleich. Und unter den erlegten Hirschen war sogar ein zwölf Jahre alter Zwanzigender“, klagt der frühere Forstdirektor.

Sabine Bauling von der Nationalparkverwaltung widerspricht hier nicht. Sie bestätigt, dass derzeit auch ältere Hirsche abgeschossen würden. „Nicht wegen der Trophäen“, sagt sie: „Aber wir haben ein echtes Rotwildproblem.“ Dass man von den selbst gesetzten Regeln abweiche, sei eine „temporäre Sache“, von der man erst lasse, wenn die Population zurückgegangen sei. Deshalb habe man seit 2010 steigende Abschusszahlen. Bauling verweist auf den „extremen Wildtierverbiss“: „Wenn zehn Jahre alte Buchen wie ein Bonsai aussehen, dann hat das nichts mit Nationalpark zu tun.“ Für Barth führt diese Abschuss-Strategie in die völlig falsche Richtung. Denn man vergräme die Hirsche, die doch Besucher des Nationalparks anziehen sollten.

Zu dem Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gelangen Sie hier.

Die Deutsche Wildtier Stiftung forderte auf ihrem 8. Rotwildsymposium  im Juli 2016 den Jagdverzicht in Kernzonen der Nationalparke. Rotwild und andere wildlebende Huftiere haben einen ökologischen Zweck und sind der Schlüssel für viele ökologische Prozesse. Der Umgang mit Huftieren sollte daher vor allem dort neu bewertet werden, wo der Schutz der natürlichen Prozesse im Vordergrund steht. Zu diesen sogenannten Prozessschutzflächen gehören auch die Kernzonen der Nationalparke. Die Reduktion und Nutzung von Schalenwild durch Jagd sollte aus Sicht der Deutschen Wildtier Stiftung in die Übergangsbereiche zur Normallandschaft konzentriert werden.

 

 

Tagungsbericht vom 8. Rotwildsymposium

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung vom 07. bis 09. Juli 2016 in Baden-Baden stand unter dem Titel „Der Hirsch als Naturschützer“. Die Vorträge und Diskussionen behandelten auf der einen Seite die ökologischen Funktionen, die Rothirsche und andere Huftiere in ihrem Lebensraum übernehmen. Als Konsequenz aus dem Wissen um diese Effekte diskutierten die über 170 Teilnehmer aus Naturschutz-, Jagd- und Forstbehörden, Politik und Wissenschaft auf der anderen Seite den Umgang mit großen Huftieren in Großschutzgebieten.

Den ausführlichen Tagungsbericht des 8. Rotwildsymposiums und eine Bildgalerie finden Sie hier.

 

Zu den ökologischen Effekten durch Beweidung, Tritt, Samenverbreitung und Verwesung hat die Deutsche Wildtier Stiftung aus Anlass des 8. Rotwildsymposiums eine Literaturzusammenfassung veröffentlicht.

Informationen zu der Literaturzusammenfassung finden Sie hier. Recherche ökologische Funktion Rothirsch

Der Rothirsch als Naturschützer

Hamburg, 7. Juli 2016. Rothirsche und andere Huftiere sind der Schlüssel für viele ökologische Prozesse und ihr Wirken ist häufig Ausgangspunkt für besonderen Artenreichtum und Biologische Vielfalt. Doch selbst in unseren großen Schutzgebieten wie den National- oder Naturparken und den Biosphärenreservaten wird unser größtes heimisches Wildtier meist nur geduldet und nicht als Bestandteil der zu schützenden ökologischen Prozesse wahrgenommen. Um diesen Konflikt ging es auf dem 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung in Baden-Baden. Über 170 Teilnehmer aus Naturschutz-, Jagd- und Forstbehörden, Politik und Wissenschaft kamen im Kurhaus Casino zusammen, um bis Samstag über den Umgang mit großen Huftieren wie dem Rothirsch in Großschutzgebieten zu diskutieren.

„In Großschutzgebieten muss sich der Umgang mit dem Rothirsch von der intensiv durch Land- und Forstwirtschaft genutzten Landschaft unterscheiden“, forderte Professor Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. Immerhin ein Drittel der Fläche Deutschlands liegt in einem Großschutzgebiet. In vielen dieser Gebiete darf sich Rotwild jedoch bereits per Gesetz nicht ausbreiten. „Der Rothirsch lebt in Baden-Württemberg gerade einmal auf vier Prozent der Landesfläche – das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist beispielsweise per Gesetz rotwildfrei.“ Prof. Vahrenholt plädierte dafür, Rotwildbezirke abzuschaffen oder wenigstens zu erweitern.

Auf Flächen, die exklusiv der Natur vorbehalten sind, soll nach den Vorstellungen der Deutschen Wildtier Stiftung der Einfluss von Rothirsch & Co. als natürlicher Lebensraumgestalter verstanden und unterstützt werden. Diese sogenannten Prozessschutzflächen, die zum Beispiel in den Nationalparken liegen, entsprechen weniger als 1 % der Fläche Deutschlands, machen unterm Strich aber weit über 100.000 Hektar oder 130.000 Fußballfelder aus. „Auf diesen Flächen sollte die Jagd ruhen und Natur wirklich Natur sein dürfen“, fordert Professor Dr. Fritz Vahrenholt.

Lässt sich Rotwild im Nationalpark schützen?

(Schwarzwälder Bote vom 07. Juni 2016) Fritz traut sich nur in der Nacht auf freie Flächen. Tagsüber versteckt er sich im Schutz des dichten Waldes, denn mit Menschen hat er schlechte Erfahrungen gemacht. Der Rothirsch ist eines von sieben Tieren, die derzeit im Nationalpark Schwarzwald mit GPS-Senderhalsbändern ausgestattet sind. Beobachtet wird Fritz von Friedrich Burghardt und seinem Team, das sich im Fachbereich „Wald und Naturschutz“ des Nationalparks unter anderem um das Rotwild kümmert. Deren Populationsentwicklung macht manchem benachbarten Waldbesitzer allerdings Sorgen, wenn die Natur und damit auch die Tierwelt im Nationalpark langfristig auf 75 Prozent der Fläche sich selbst überlassen werden soll. Eine Sorge, die Friedrich Burghardt nicht teilt – vorausgesetzt, die Jagdpraxis ändert sich, und die Tiere bekommen im Nordschwarzwald wieder mehr Raum und Ruhe. Dazu bedürfe es aber eines intelligenten Wildtiermanagements und Rotwildkonzepts für den ganzen Nordschwarzwald, das die sehr mobilen Tiere auf der Populationsebene betrachtet. Dazu müssten Experten aus Forst, Jagd, Tourismus und Gemeinden zusammenarbeiten und sich darauf einigen, wie und im welchem Umfang die Tiere bejagt werden sollen.

Dass der Prozessschutz, also das eigentliche Ziel von Nationalparken, auch für große Pflanzenfresser möglich ist, zeigt laut Burghardt ein Blick in die Schweiz: Im Nationalpark im Engadin bereitet das Rotwild keine Probleme und hat sich wieder an den Menschen gewöhnt. Dort können Besucher die stattlichen Hirsche tagsüber an den Waldrändern beobachten, denn die Tiere haben schnell gelernt, dass der Mensch ihren Rückzugsraum achtet und sie im Nationalpark sicher sind.

Den vollständigen Artikel im Schwarzwälder Boten finden Sie hier.

Auf Flächen, die wie unsere Nationalparke exklusiv dem Naturschutz vorbehalten sind, könnten Wirkungen der Wiederkäuer eigentlich konfliktfrei zugelassen werden. Doch selbst in den meisten unserer Nationalparke wird Rotwild und anderes Schalenwild auf der überwiegenden Fläche „gemanagt“ und die Natur vor sich selbst bewahrt. Und das obwohl Rotwild und anderes Schalenwild der Schlüssel für eine ganze Reihe ökologischer Prozesse darstellt. Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung vom 07. bis 09. Juli 2016 beleuchtet beide Seiten. 

EU-Naturschutz geht vor „Wald vor Wild“

(Jagd in Bayern 6/2016) In Oberbayern hat ein Eigenjagdbesitzer erfolgreich gegen die Festsetzung des Abschussplans auf Rotwild geklagt. Sein Revier liegt vollständig in einem europäischen Vogelschutzgebiet (SPA), in dem das besonders geschützte Auerwild vorkommt. Die Untere Jagdbehörde hatte diesem Umstand bei ihrer Bewertung aber nicht Rechnung gezollt. Das Bayerische Verwaltungsgericht München befand nun, dass in einem SPA-Gebiet die auf EU-Ebene festgelegten Erhaltungsziele höherrangig zu bewerten seien als der Grundsatz „Wald vor Wild“ (Az. M7K15.3412). Konkret ging es um einen Rotwildabschuss, der auf 45 Stück zum sofortigen Vollzug festgesetzt wurde. Argumentiert wurde mit dem hohen Verbiss am Wald, der teilweise in einem Sanierungsgebiet mit Schutzwaldanteilen liege. Beantragt hatte der Revierinhaber 32 Stück und klagte deshalb gegen den Bescheid der Behörde. Das Verwaltungsgericht erklärte den Bescheid wegen Abwägungsfehlern für rechtswidrig. Die Behörde habe die Belange des Naturschutzes nicht in ausreichendem Maße in ihre Abwägungsentscheidung eingestellt.

 

Das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtes München verdeutlicht, dass für manche Belange des Naturschutzes ein hoher Rotwild-Abschussplan unzweckmäßig ist. Denn Rotwild übernimmt in seinem Lebensraum eine ökologische Funktion, die zum Beispiel für das  Auerwild besonders wichtig ist. Auf dem 8. Rotwildsymposium vom 07. bis 09. Juli 2016 widmet sich die Deutsche Wildtier Stiftung diesem Thema: Der Hirsch als Naturschützer.