Das Rotwild und der Klimawald

Nach Aussage der „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ aus dem Jahr 2008 drohen Ausmaß, Richtung und Geschwindigkeit des Klimawandels die Anpassungsfähigkeit des Ökosystems Wald an sich verändernde Umweltbedingungen zu überfordern. Die aus dieser Annahme abgeleiteten Empfehlungen für die forstliche Praxis reichen vom Umbau einförmiger Waldgefüge in vielschichtige und gemischte Dauerwald-Strukturen bis hin zu einer größeren Vielfalt an Baumarten, z.B. durch die Einmischung „klimarobuster“ Arten in die bestehenden Waldbestände. Das die Einmischung seltener Baumarten auch bei geringen Schalenwilddichten zu Konflikten führt, ist jedem forstlichen Praktiker bekannt. Das Klimwald-Projekt der Universität Kassel, das aktuell im Wolfhager Land in Nordhessen läuft und Lösungsansätze für einen zukunftsfähigen, robusten Wald liefern soll, sieht einen verstärkten Abschuss von Rotwild vor. Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) sprach darüber mit dem Vorsitzenden der Rotwildhegegemeinschaft Wattenberg-Weidelsburg. Zu dem Interview in der HNA gelangen Sie hier.

Die Rotwildhegegemeinschaft Wattenberg-Weidelsburg ist mit 23.000 Hektar das kleinste Rotwild-Gebiet Hessens. Die höchste Jagdstrecke in den vergangenen 40 Jahren betrug 34 Tiere. Bereits im Sommer 2016 sprach die HNA mit dem Projektverantwortlichen bei der Uni Kassel u.a. über die Möglichkeit, Rotwild zum Beispiel durch Ruhezonen räumlich zu lenken. Zu dem Beitrag gelangen Sie hier.

 

Petition zum Rotwild im Erzgebirge

Seit zwei Jahren beschäftigt der Streit um das Rotwild im Erzgebirge die Medien und den Sächsischen Landtag. Die Kontrahenten sind die Rotwildhegegemeinschaft Erzgebirge auf der einen und der Staatsbetrieb Sachsenforst auf der anderen Seite. Die einen fordern einen tierschutzgerechten Umgang mit dem Rotwild in Sachsen und ein staatlich gestütztes Rotwildmanagement mit Wildruhezonen, in denen nicht gejagt wird. Die anderen, der Staatsbetrieb Sachsenforst, wollen den Wald widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel machen und investieren dafür mehr als 140 Millionen Euro in den Waldumbau, der durch überhöhte Wildbestände gefährdet sei. Die Interessengemeinschaft südsächsischer Hegegemeinschaften möchte nun mit einer Petition an den Sächsischen Landtag herantreten. Die Interessengemeinschaft fordert unter anderem

  • eine Pflichtmitgliedschaft in Hegegemeinschaften,
  • das Erlegen von Wild nur mit gültigem Abschussplan,
  • die Jagdzeit auf Schalenwild- außer Schwarzwild – bis zum 31.12. eines Jahres zu begrenzen und
  • Wildtiermanagementpläne als Grundlage für jagdliches Handeln.

Den konkreten Wortlaut der Petition finden Sie hier.

Der Wald ist nicht genug

(Sächsische Zeitung vom 07.09.2016) In Sachsen tobt ein Kampf um die Zukunft des Rotwildes. Es geht um artgerechtes Leben, Holznutzung und Wissenschaft – und um viel Geld. Die Kontrahenten sind die Rotwildhegegemeinschaft Erzgebirge auf der einen und der Staatsbetrieb Sachsenforst auf der anderen Seite. Die einen fordern einen tierschutzgerechten Umgang mit dem Rotwild in Sachsen und ein staatlich gestütztes Rotwildmanagement mit Wildruhezonen, in denen nicht gejagt wird. Die anderen, der Staatsbetrieb Sachsenforst, wollen den Wald widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel machen und investieren dafür mehr als 140 Millionen Euro in den Waldumbau, der durch überhöhte Wildbestände gefährdet sei. Das Kuriose: Beide Seiten wollen ihre Position mit einer eigene Studie über die eigentliche Populationsgröße des Rotwildes im Erzgebirge untermauern. Und beide Auftragnehmer sitzen an der TU Dresden, nur in unterschiedlichen Instituten.

Zwei Studien mit der gleichen Zielstellung, beide in Kooperation mit der TU Dresden und beide Hunderttausende von Euro teuer – das erscheint skurril. Umso mehr, da die verstrittenen Seiten dasselbe Ziel haben: weniger Wildschäden in Sachsen und ein auch zahlenmäßig gesundes Verhältnis von Wild und Wald. Allein der Weg zum Ziel ist ein unterschiedlicher: Die einen argumentieren, dass eine kluge Jagd mit Wildruhezonen und kurzen Jagdzeiten auch Wildschäden verhindern können. Die anderen, der Staatsbetrieb Sachsenforst, sehen allein im Abschuss der Tiere den Lösungsweg.

Den vollständigen Artikel in der Sächsischen Zeitung finden Sie hier.

Aus Sicht der Deutschen Wildtier Stiftung ist die Reduktion der Rotwildpopulation nur ein Baustein, um den Konflikt um Wald und Wild zu lösen. Die Stiftung fordert daher seit langem ein Umdenken bei der Jagd auf Rotwild. Denn Wildruhezonen, kurze Jagdzeiten und Lebensraumverbesserung führen nicht nur zu insgesamt geringeren Wildschäden, sondern auch zu höheren Jagdstrecken.

Tierschutzgerechter Alttier-Abschuss

Die Regulierung der Rotwilddichte stellt angesichts der überdurchschnittlichen Lernfähigkeit der Art viele Jäger vor eine erhebliche Herausforderung. Grundsätzlich gilt: Je geringer der Jagddruck gehalten werden kann, desto weniger scheu wird das Wild und desto effizienter und rascher lässt sich der angestrebte Abschuss erreichen. Dr. Fritz Völk von der Österreichischen Bundesforst AG hat gemeinsam mit weiteren Rotwild-Experten einen Schwerpunktartikel zur tierschutzgerechten Alttier-Bejagung verfasst. Denn wenn vorwiegend das Kalb oder der einjährige Nachwuchs vom Alttier weggeschossen wird, hat das unweigerlich zunehmende Scheuheit der Muttertiere als „Erfahrungsträger“ zur Folge und man wird immer weniger Rotwild in Anblick bekommen. Durch die Weitergabe ihrer Erfahrungen an die Artgenossen erschwert das vorsichtige Verhalten der Alttiere die künftige Bejagung erheblich.

Der Artikel beschäftigt sich mit den Grundvoraussetzungen für vertrautes Wild, mit dem notwendigen Doppelabschuss von Kalb und Tier, der Bejagung von größeren Rudeln sowie der Notwendigkeit bejagungsfreier Äsungsflächen im Wald. Wichtig war den Autoren aber auch ein Blick auf die jagdlichen „basics“ bei der Rotwildjagd.

Zu dem Artikel über den Tierschutz-gerechten Alttier-Abschuss gelangen Sie hier.

Das Manuskript zu dem Artikel entstand unter Mitwirkung von Walter Arnold, Franz Blaser, Thomas Blaser, Hendrik Block, Martin Brauneder, Dominik Dachs, Thomas Eder, Rupert Essl, Corinna Gertenbach, Erwin Groiss, Klaus Hackländer, Felix Karpf, Johannes Kober, Toni Lederer, Horst Leitner, Roman Lengauer, Josef Messner, Helmut Neubacher, Leopold Obermair, Roman Paumann, Heinrich Pernkopf, Robert Prem, Walter Pucher, Norbert Putzgruber, Fritz Reimoser, Rudolf Reiner, Christoph Rogge, Markus Rohn, Helmut Schandl, Hubert Schatz, Herbert Sieghartsleitner, Werner Spinka, Pepi Stock, Natascha Trübenbach, Hannes Üblagger, Andreas Völk, Manfred Vonbank, Erich Werger und Josef Zandl.

 

 

EU-Naturschutz geht vor „Wald vor Wild“

(Jagd in Bayern 6/2016) In Oberbayern hat ein Eigenjagdbesitzer erfolgreich gegen die Festsetzung des Abschussplans auf Rotwild geklagt. Sein Revier liegt vollständig in einem europäischen Vogelschutzgebiet (SPA), in dem das besonders geschützte Auerwild vorkommt. Die Untere Jagdbehörde hatte diesem Umstand bei ihrer Bewertung aber nicht Rechnung gezollt. Das Bayerische Verwaltungsgericht München befand nun, dass in einem SPA-Gebiet die auf EU-Ebene festgelegten Erhaltungsziele höherrangig zu bewerten seien als der Grundsatz „Wald vor Wild“ (Az. M7K15.3412). Konkret ging es um einen Rotwildabschuss, der auf 45 Stück zum sofortigen Vollzug festgesetzt wurde. Argumentiert wurde mit dem hohen Verbiss am Wald, der teilweise in einem Sanierungsgebiet mit Schutzwaldanteilen liege. Beantragt hatte der Revierinhaber 32 Stück und klagte deshalb gegen den Bescheid der Behörde. Das Verwaltungsgericht erklärte den Bescheid wegen Abwägungsfehlern für rechtswidrig. Die Behörde habe die Belange des Naturschutzes nicht in ausreichendem Maße in ihre Abwägungsentscheidung eingestellt.

 

Das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtes München verdeutlicht, dass für manche Belange des Naturschutzes ein hoher Rotwild-Abschussplan unzweckmäßig ist. Denn Rotwild übernimmt in seinem Lebensraum eine ökologische Funktion, die zum Beispiel für das  Auerwild besonders wichtig ist. Auf dem 8. Rotwildsymposium vom 07. bis 09. Juli 2016 widmet sich die Deutsche Wildtier Stiftung diesem Thema: Der Hirsch als Naturschützer.

Verantwortung für Waldbesitzer, Jäger und Touristiker

(www.derwesten.de vom 10.03.2016) Bei einem Pressegespräch des Regionalforstamtes Oberes Sauerland ging es unter anderem um das Thema Rotwild. In vielen Revieren der Region seien die Wildschäden höher als die Pachteinnahmen. „Es gibt nicht einen einzigen Schuldigen im Konflikt zwischen Wald und Wild“, betont Hans von der Goltz, Leiter des Forstamtes. Das zentrale Problem liege in der Emotionalität des Themas und der oft mangelnden Gesprächsbereitschaft zwischen Waldbesitzern und Jägern aufgrund deren unterschiedlichen Interessen. Und noch ein Problem wurde angesprochen: Durch Wanderer, Mountainbiker, Geocacher, Ski-Langläufer und auch Hunde, die sich abseits der ausgewiesenen Wege und sogar an Fütterungsstellen aufhalten, werde das Wild zusätzlich aufgeschreckt und brauche durch den so erhöhten Stoffwechsel mehr Nahrung, die es sich wiederum vor allem im Winter an den Bäumen hole. „Wild gehört zum Wald, aber Waldbesitzer, Jäger und auch Touristiker müssen konstruktive Gespräche führen und gemeinsam die Verantwortung für einen gesunden Wald übernehmen“, so von der Goltz.

Den vollständigen Artikel in der WAZ finden Sie hier.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hält weiterentwickelte Hegegemeinschaften für das geeignete Instrument, um einen Ausgleich zwischen den Interessen des Menschen und den Lebensraumansprüchen des Wildes zu erreichen. Dafür müssen sich Hegegemeinschaften aber von den bisherigen „Abschussgemeinschaften“ zu „Wildschutz- und -nutzgemeinschaften“ entwickeln und vom Gesetzgeber mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet werden. Die geeignete Rechtsform ist dafür die Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die zentrale Forderung an die Hegegemeinschaften der Zukunft ist, dass die Vertreter der Grundbesitzer Zugang zu den Hegegemeinschaften bekommen und dort gleichberechtigt Sitz und Stimme haben.

Die Forderungen der Deutschen Wildtier Stiftung zu den Hegegemeinschaften von morgen und weitere Informationen finden Sie hier.

Lebensraumgutachten im Taunus übergeben

(Wetzlarer Neue Zeitung vom 15.02.2016) Wegen seiner ausgedehnten Waldflächen gehört der Raum Waldsolms seit jeher zum Kern des Rotwildvorkommens im Taunus. Am Freitagabend wurde nun ein Lebensraumgutachten für das Rotwild in der Region an die Jägerschaft, Forstverwaltung und Gemeinde übergeben. Das Gutachten beleuchtet auf 82 Seiten die Lebensverhältnisse des Rotwildes in der Jagdgenossenschaft Waldsolms im Osttaunus und enthält auch realisierbare Empfehlungen zur Lebensraumgestaltung und Bejagung für die Zukunft. Verantwortlich für das Gutachten ist Olaf Simon vom Institut für Tierökologie und Naturbildung in Gonterskirchen.

Die Jagdgenossenschaft Waldsolms als Vertreterin der Grundeigentümer hat sich nach dem Grundsatz „Wald mit Wild“ vier Ziele gesetzt:

  1.  Das Rotwild im heimischen Raum zu erhalten,
  2.  den Lebensraum für das Wild nach Möglichkeit zu verbessern,
  3.  Wildschäden und Waldschäden möglichst zu minimieren und
  4.  die Jagd auf diese bedeutende Wildart auch in Zukunft zu ermöglichen.

Das alles könne nur dann gelingen, wenn Jäger, Förster und Grundeigentümer eng zusammenarbeiten und versuchen, ihre unterschiedlichen Interessen möglichst in Einklang zu bringen, sagte Jagdvorsteher Edgar Köster. Zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und um den vier Zielen noch näher zu kommen, habe die Jagdgenossenschaft das nun vorliegende Gutachten in Auftrag gegeben.

Der Waldsolmser Bürgermeister Bernd Heine nannte das unabhängige Gutachten eine hervorragende Grundlage zur Kooperation zwischen der Gemeinde und den Jagdpächtern.

Den vollständigen Artikel in der Wetzlarer Neuen Zeitung finden Sie hier.

Neuer Leitfaden für die moderne Rotwildjagd

Das Rotwild ist nicht nur die größte Schalenwildart in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sie ist auch die sensibelste. Bei keiner anderen Art können durch Jagdfehler so leicht Schäden provoziert werden. Das WILD UND HUND Sonderheft „Auf den Hirsch“ zeigt, wie aus wildbiologischen Erkenntnissen eine Jagdpraxis wird, die zu einem tagaktiven Rotwildbestand führt. Erfahrene Autoren erläutern, worauf sich der Jäger beim Ansprechen konzentrieren muss, wie die Jagd mit Ruhezonen funktioniert, wie eine Drückjagd auf Rotwild organisiert wird und was es bei der Ansitzjagd zu beachten gilt. Ein Beitrag der Deutschen Wildtier Stiftung setzt sich mit den natürlichen Verhaltensweisen des Rotwildes auseinander.

Das Sonderheft „Auf den Hirsch“ können Sie hier bestellen. 

WILD UND HUND Exklusiv Nr. 46: Auf den Hirsch inkl. DVD, 100 Seiten, 9,90 € zzgl. Versandkosten

Großrudel beim Rotwild

Mit der Bildung von Großrudeln sucht Rotwild den Schutz in der Menge. Besonders beim Vorkommen von Wölfen ist die Begründung für solche Großrudel dann schnell gefunden. Zu den vielen alltäglichen Problemen bei der Jagdausübung käme damit ein neues; denn in der Tat ist die Bejagung solcher Großverbände besonders schwierig. Und nicht zuletzt verursachen Großrudel besonders große Wildschäden. Aber welche Faktoren sind es wirklich, die das räumliche und soziale Verhalten von Rotwild und anderen sozial lebenden Pflanzenfressern bestimmen, und welche Rolle spielen dabei die Wölfe?

Einen Beitrag von Ulrich Wotschikowsky zum Vorkommen von Großrudeln lesen Sie hier.  

Tierschutz darf bei der Jagd nicht auf der Strecke bleiben!

## Presseinformation zum 7. Rotwildsymposium: „Jagd“ ## Warum gehen wir Menschen so unterschiedlich mit Wildtieren um? Manche Arten werden vergöttert, andere verdammt. Manche gehegt und gefüttert, andere gnadenlos verfolgt. Im Mittelpunkt des 7. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung steht daher das Verhältnis zwischen Mensch und Wildtier. Die Veranstaltung findet vom 25. bis 28. September 2014 in Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Im Vorfeld beleuchtet die Deutsche Wildtier Stiftung in einer Reihe von Presseinformationen anhand verschiedener Beispiele den Umgang mit Wildtieren in Deutschland. Die fünfte Folge thematisiert die Jagd.

Wölfe, Bären und Luchse kennen bei der Jagd auf Beutetiere weder Ethik noch Moral! Sie töten, um zu fressen: Dabei ist es ihnen gleich, ob die gerissene Beute ein Muttertier ist und das Junge einsam und verlassen den Hungertod stirbt oder der gehetzte Hirsch im Winter jedes Gramm Fett zum Überleben braucht. So ist Natur! Doch der Mensch hat andere Maßstäbe. „Ethik und Moral unterscheiden den jagenden Menschen vom Raubtier“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Im Gegensatz zum Raubtier versuchen ethisch handelnde Jäger ganz bewusst, Wildtieren Leid zu ersparen. Dazu gehört, neben vielen weiteren Aspekten, Muttertiere nie vor Jungtieren zu erlegen und jedes verwundete Tier so schnell wie möglich von seinem Leiden zu erlösen. „Leider gibt es immer wieder gewissenlose Jäger, die den Muttertierschutz nicht besonders ernst nehmen“, mahnt Münchhausen. Genauso schlimm ist, wenn nicht jedes beschossene Tier mit einem geeigneten Hund nachgesucht wird. „Wir fordern alle Jäger auf, über Jagdethik nicht nur am Stammtisch zu reden, sondern auch danach zu handeln! Dabei darf es keine Unterschiede zwischen einer Wildtaube und einem Rothirsch geben“, fordert der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung.

Neben der Jagdpraxis sollte auch die Jagdgesetzgebung moralischen Ansprüchen unterliegen. Nicht zuletzt müssen Gesetze dafür sorgen, dass Wildtiere ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen können. „Doch leider wird gerade der Rothirsch durch politische Vorgaben an seinen natürlichen Wanderbewegungen gehindert“, kritisiert Münchhausen. Darüber hinaus führen die im europäischen Vergleich besonders langen Jagdzeiten beim Rotwild in Deutschland dazu, dass die Tiere im Winter häufig ihre Energiereserven nicht schonen können. Die Folge: Waldvegetation wird durch Verbiss und Schälen geschädigt.
Woher der Wind bei der Frage rund um Jagdzeiten gerade weht, zeigt sich aktuell in Niedersachsen: Die Landesregierung hatte eine Verkürzung der Jagdzeiten für Rotwild vorgeschlagen, doch bei der Forst-Lobby regte sich gegen diesen Vorschlag sofort massiver Widerstand. „Leider ist die Landesregierung eingeknickt und hat ihren Vorschlag zurückgezogen“, bedauert der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Gerade die letzten beiden Januarwochen seien mit die erfolgreichsten für die Jagd, heißt es in einer Stellungnahme der niedersächsischen Förster. „Dass Wildtiere in den Wintermonaten dringend Ruhe benötigen, wird ignoriert“, sagt Münchhausen und fordert, dass Jagdgesetze auch das Wohl der Wildtiere berücksichtigen.

Das 7. Rotwildsymposium findet vom 25. – 28. September 2014 in Warnemünde statt. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stiftung „Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern“ und durch das Land Mecklenburg-Vorpommern. Schirmherr der Tagung ist Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Zu den Referenten gehören Kapazitäten wie Dr. Florian Asche, Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, Prof. Dr. Konrad Ott, Prof. Dr. Friedrich Reimoser und Dr. Helmuth Wölfel.

Weiterführende Informationen:

Informationen zur Jagdpolitik der Länder finden Sie hier.

Mehr zum Thema Rotwildverbreitung erfahren Sie hier.