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Neue Studie zur Winteranpassung des Rotwildes

(Stuttgarter-Zeitung.de vom 03. Januar 2016) Wie sehr Rotwild seinen Organismus an die wechselnden Jahreszeiten anpassen kann, haben Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einer neuen Studie vorgestellt:Im Winter verdaut das Rotwild seine Nahrung in einem kleineren Verdauungstrakt. Wird es wieder wärmer, gibt es mehr zu fressen und die Organe werden wieder größer.

Um ihren Stoffwechsel in Gang zu halten, benötigen Rothirsche im Winter mehr Energie. Allerdings finden sie jetzt viel weniger zu fressen als im Sommer und die Pflanzen enthalten obendrein kaum noch Nährstoffe. Ein tödliches Dilemma droht, das die Hirsche mit ihren in der warmen Jahreszeit angefressenen Fettvorräten allein kaum lösen können. Daher passen sie ihren Organismus mit einer Reihe von Maßnahmen an die harschen Winter an, berichten Walter Arnold von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „American Journal of Physiology“.

Den vollständigen Artikel zur Winteranpassung finden Sie hier.

Kleinere Organe benötigen weniger Energie

Den Tricks der Winteranpassung des Rotwilds kamen die Forscher auf die Schliche, als sie drei Jahre lang 16 Hirschkühe durch alle vier Jahreszeiten fütterten – und dabei verblüffende Zusammenhänge beobachteten: Um ihren Körper auch im Winter auf Betriebstemperatur aufzuheizen, brauchen die Tiere bei tieferen Temperaturen mehr Energie. Trotzdem fressen die Hirschkühe im Winter gerade einmal halb so viel wie im Sommer. Dabei stand ihnen beliebig viel Nahrung zu Verfügung. Ein genauer Blick auf den Organismus und eine detaillierte Analyse des Stoffwechsels der Tiere erklärte den Forschern dieses rätselhafte Verhalten: So schrumpften die Verdauungsorgane des Rotwilds im Winter erheblich. Diese Maßnahme können die Tiere sich gut leisten, weil sie ohnehin weniger fressen und daher weniger zu verdauen haben. Die kleineren Organe wiederum brauchen weniger Energie.

Bessere Nahrungsausnutzung

Gelöst ist das Problem damit aber bei weitem noch nicht. Erst als die Forscher die Vorgänge in der Darmwand der Hirsche analysierten, entlarvten sie den entscheidenden Trick, mit dem die Tiere die Winteranpassung vervollständigen. Dort transportieren die Zellen Bestandteile der gefressenen Nahrung wie Zucker und Teile von Proteinen in den Organismus, die besonders viel Energie enthalten. Im Winter aber transportieren die Zellen dort die nahrhaften Zucker und Protein-Bruchstücke viel schneller in den Organismus als im Sommer. In der kalten Jahreszeit nutzen die Hirsche so die Nahrung viel besser als an warmen Tagen aus. Diese Überlegung bestätigen die Forscher, wenn sie den Kot der Tiere untersuchen. Im Winter finden sie darin erheblich weniger Proteine als im Sommer. „Im Winter zählt eben jede Kalorie“, fasst Walter Arnold zusammen.

Die vorgestellte Studie zum saisonalen Wechsel von Organmasse und Nährstoffaufnahme beim Rotwild finden Sie hier:

Walter ARNOLD, Christoph BEIGLBÖCK, Marion BURMESTER, Maria GUSCHLBAUER, Astrid LENGAUER, Bernd SCHRÖDER, Mirja WILKENS, Gerhard BREVES. Contrary seasonal changes of rates of nutrient uptake, organ mass, and voluntary food intake in red deer (Cervus elaphus). American Journal of Physiology – Regulatory, Integrative and Comparative Physiology, 2015; 309 (3): R277 DOI:

Forderung nach Jagdverzicht im Winter

Die Ergebnisse dieser neuen Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien unterstreichen die Notwendigkeit von Energie-Spar-Möglichkeiten für Rotwild im Winter. Die Wissenschaftler um Walter Arnold haben bereits vor einigen Jahren eine temporäre Stoffwechselruhe des Rotwildes in der kalten Jahreszeit nachweisen können. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert daher seit langem, die Jagd auf Rotwild am 31. Dezember eines Jahres zu beenden. Durch die Möglichkeit zur Energieersparnis werden dadurch indirekt auch Wald-Wildschäden verhindert.

Neuer Leitfaden für die moderne Rotwildjagd

Das Rotwild ist nicht nur die größte Schalenwildart in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sie ist auch die sensibelste. Bei keiner anderen Art können durch Jagdfehler so leicht Schäden provoziert werden. Das WILD UND HUND Sonderheft „Auf den Hirsch“ zeigt, wie aus wildbiologischen Erkenntnissen eine Jagdpraxis wird, die zu einem tagaktiven Rotwildbestand führt. Erfahrene Autoren erläutern, worauf sich der Jäger beim Ansprechen konzentrieren muss, wie die Jagd mit Ruhezonen funktioniert, wie eine Drückjagd auf Rotwild organisiert wird und was es bei der Ansitzjagd zu beachten gilt. Ein Beitrag der Deutschen Wildtier Stiftung setzt sich mit den natürlichen Verhaltensweisen des Rotwildes auseinander.

Das Sonderheft „Auf den Hirsch“ können Sie hier bestellen. 

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Nationalpark Schwarzwald will Jagdruhezone für Schalenwild

(Stuttgarter Zeitung vom 01. September 2015) Die Grundidee von Nationalparken ist der Prozessschutz. Der Mensch zieht sich zurück und lässt der Natur freien Lauf. Das unterscheidet die Schutzgebietskategorie „Nationalpark“ von z.B. „Naturschutzgebieten“, in denen durch gezielte Pflegemaßnahmen bestimmte Arten oder Lebensräume erhalten werden können. Die Idealvorstellung einer ungezügelten Natur stößt jedoch häufig an Akzeptanz-Grenzen, wenn sich zeigt, dass Natur auch zerstörerisch wirken kann – wenn Stürme oder Feuer wüten, Borkenkäfer Fichten kahl fressen oder Rotwild und Rehe Bäume schädigen. In einem Nationalpark aber spricht man nicht von Schaden. Im Prozessschutz gehört alles zum Ökosystem, ob Pflanzen, Pilze, Insekten, Tiere – gleichberechtigt und wertneutral. Der Nationalpark Nordschwarzwald will daher das Prozessschutz-Prinzip nun auch für große Wildtiere gelten lassen: Von Herbst an soll das Rotwild im Nationalpark Nordschwarzwald auf rund 2000 Hektar nicht mehr geschossen werden. Eine echte Herausforderung ist dabei der Anspruch, den Abschussplan für das gesamte Gebiet trotzdem zu erfüllen, um die angrenzenden Wirtschaftswälder nicht zu gefährden. Das zukünftige Jagdkonzept stützt sich daher vor allem auf zwei Bereiche: Bewegungsjagd und ausreichende Äsungsflächen.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Rotwild und anderes Schalenwild übernimmt in großen Ökosystemen häufig ganz unbemerkt ökologische Funktionen. Mehr zur Öko-Rolle von Rothirsch & Co, finden Sie hier.

Rechtsstreit um Verstoß gegen Muttertierschutz

(TegernseerStimme vom 21.08.2015) Im Forstbetrieb Schliersee der Bayerischen Staatsforsten wurden bei einer Drückjagd im vergangenen November drei Alttiere erlegt. Es bestehe der Verdacht, „dass es sich um zwei führende Stücke gehandelt haben könnte“, schrieb der damalige Schlierseer Forstbetriebsleiter wenige Tage später in einem offenen Brief, mit dem er sich „von einer Duldung solcher etwaigen Verstöße distanziere“. Bestätigt wurde der mögliche Verstoß gegen den Muttertierschutz auch von Jagd-Beteiligten. Es folgte eine Strafanzeige, die von der Polizeiinspektion Miesbach verfolgt wurde. Im Juni diesen Jahres stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen jedoch ein – sehr zum Unmut vieler Jäger in der Region, denen die „Wald vor Wild“-Doktrin im Freistaat Bayern längst ein Dorn im Auge ist. Die pensionierte Richterin Annemarie Schwintuchowski hat den Fall nun bis zum Generalstaatsanwalt getrieben.

Den Artikel zum Rechtsstreit um den Abschuss der Alttiere am Tegernsee finden Sie hier.

Einen Beitrag zum Muttertierschutz beim Rotwild finden Sie im Tagungsband zum 7. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung. Helmuth Wölfel lässt dabei keinen Zweifel daran, dass Rotwildkälber die Führung durch das Alttier weit über die Laktation hinaus benötigen. Informationen zum Tagungsband finden Sie hier.

 

 

Tagungsband zur Jagdethik veröffentlicht

Unter dem Titel „Gestresst, Verwaist und Eingesperrt“ hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Tagungsband zu ihrem 7. Rotwildsymposium veröffentlicht. Die Beiträge zur Doppelmoral im Umgang mit großen Wildtieren sind dabei aktueller denn je: Die jüngsten Entwicklungen in der Jagdpolitik zeigen, dass bei unseren Wildtieren mitunter mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Die Beiträge zu den ethischen Prinzipien in der Jagdpraxis unterstreichen dagegen die Verantwortung jedes einzelnen Jägers für unsere Wildtiere. Den Tagungsband “Gestress, Verwaist und Eingesperrt” erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 14,90 € inkl. Versandkosten unter Telefon 040 9707869-0 oder über ein Bestellformular.

Ethik und Moral unterscheiden den menschlichen Jäger vom tierischen Fressfeind. Um den ethischen und moralischen Ansprüchen unserer Gesellschaft gerecht zu werden, müssen die Jäger wie alle anderen die Natur nutzenden Menschen bei ihren Entscheidungen ihre Verantwortung für das Wohlbefinden der Wildtiere gegen ihre Handlungsmotive abwägen. Eine besondere Verantwortung hat der Gesetzgeber, der den Rahmen für die Handlungen des Menschen vorgibt. Doch die Messlatte für „gutes“ Handeln wird in Deutschland je nach Wildtier unterschiedlich angesetzt. Wie wäre es sonst möglich, dass die Ausbreitung von Wolf und Biber begrüßt, die des Rothirsches aber vor allem in den südlichen Bundesländern verboten wird? Und wieso glauben wir, Igel füttern zu müssen, Rothirsche jedoch nicht? Ist damit nicht George Orwells „Farm der Tiere“, auf der alle Tiere gleich, aber manche gleicher sind, in unserem Land allgegenwärtig?

Das 7. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung stellte die Frage nach der Gleichheit der Wildtiere. Die im nun erschienenen Tagungsband zusammengestellten Beiträge schlagen einen Bogen über die verschiedenen Facetten eines ethischen und moralischen Umgangs mit unseren großen Wildtieren und beleuchten die jagdpraktischen Aspekte des Tier- und Artenschutzes, die „richtiges“ oder „gutes“ Handeln ausmachen. Themen sind dabei u.a. der Muttertierschutz, das Nachsuchenwesen oder die natürlichen Verhaltensweisen des Rotwildes. Als Aufruf an die Jagdpraxis und Forderung an den Gesetzgeber hat die Deutsche Wildtier Stiftung ihr „Ostsee-Papier“ zum ethischen Umgang mit großen Wildtieren dem Tagungsband vorangestellt.

Das 7. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung fand vom 25. bis 28. September 2014 an der Ostsee in Warnemünde statt und wurde durch die Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern und das Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

 

Inhaltsverzeichnis des Tagungsbandes

Das „Ostee-Papier“ zum ethischen Umgang mit unseren großen Wildtieren in Politik und Jagd

Grußworte

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung)

Claus Robert Agte (Stifter und Vorsitzender der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern)

Dr. Till Backhaus (Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern)

Deutschland – Deine Farm der Tiere

Zum psychischen Phänomen der Projektion im Naturschutz (Florian ASCHE)

Hirsch und Jäger zwischen Ethik und Moral

Jagd aus naturethischer Sicht (Konrad OTT/ Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Vom Prädator zum Jäger – ethische Prinzipien bei der Jagd (Sven HERZOG/ Technische Universität Dresden)

Die Doppelmoral im Umgang mit großen Wildtieren

Die Ausbreitung großer Wildtierarten: grenzenlos und eingesperrt (Janosch ARNOLD/ WWF Deutschland)

Jagdschutz versus Forstschutz – sind Bäume wertvoller als Tiere? (Thomas GEHLE)

Füttern in der Not? Spatz ja – Hirsch nein? (Gregor BEYER, MdL a. D.)

Ethische Prinzipien in der Jagdpraxis

Wieviel Alttier braucht das Kalb? Zum Muttertierschutz beim Rotwild (Helmuth WÖLFEL)

Vermeidung von Schmerzen: das behördliche Nachsuchenwesen in Dänemark (Mads FLINTERUP/ Dänisches Schweisshund-Register)

Ermöglichen natürlicher Verhaltensweisen – wanderndes und tagvertrautes Rotwild (Andreas KINSER & Hilmar Freiherr v. MÜNCHHAUSEN/ Deutsche Wildtier Stiftung)

Wissen und Training: Basis für ein verantwortungsvolles Jagdhandwerk (Heiko HORNUNG/ Redaktion WILD UND HUND)

Empfehlungen an Politik und Praxis

Wider die Doppelmoral beim Umgang mit Wildtieren: Empfehlungen an die Politik (Dieter DEUSCHLE/ LJV Baden-Württemberg)

Kriterien für eine zukunftsfähige Jagd: Empfehlungen an die Praxis (Friedrich REIMOSER/ Universität für Bodenkultur Wien)

Einführung in die Exkursionsziele

Lebensraumnutzung des Rotwildes in Mecklenburg-Vorpommern am Beispiel des Darss/Zingst (Matthias NEUMANN & Frank TOTTEWITZ/ Thünen-Institut für Waldökosysteme)

Posterpräsentationen

Beeinflussung des Raum-Zeit-Verhaltens von Rotwild (Cervus elaphus) durch großräumige Beweidungsprojekte auf ausgewählten DBU-Naturerbeflächen – eine Projektvorstellung (Siegfried RIEGER et al./ Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde)

Vergleichende Analyse verschiedener Methoden zur Erfassung von freilebenden Huftieren (Reinhild GRÄBER et al./ Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung)

Wildschwerpunktgebiete in Mecklenburg-Vorpommern (Matthias NEUMANN/ Thünen-Institut für Waldökosysteme)

Untersuchung der Knochenmarkfettgehalte von Rot- und Rehwild in Niedersachsen (Jan WAGNER et al./ Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung)

Das Bestellformular finden Sie hier.

Entwicklung der Rotwildpopulation in der HG Schuenhagen

In der Hegegemeinschaft Schuenhagen – Franzburg (Nordvorpommern) ergaben sich im vergangenen Jahr Unstimmigkeiten zur Populationsdynamik und Höhe des Rotwildbestandes zwischen den Jägern, Jagdbehörden und den Grundeigentümern. Die Aufgabe eines bestellten Gutachters bestand darin, eine realistische Einschätzung der Entwicklung des Rotwildbestandes zu erarbeiten, auf deren Grundlage auf der Mitgliederversammlung der Hegegemeinschaft ein von allen Parteien getragener Abschussplan verabschiedet werden konnte.

Zusammenfassend stellte der Gutachter fest, dass der gegenwärtige Rotwildbestand in der Hegegemeinschaft Schuenhagen – Franzburg ca. 700 Stück Rotwild beträgt und damit etwa das Doppelte des Zielbestandes. Er empfiehlt dringend einen zeitlich begrenzten Maßnahmeplan, der eine drastische Reduzierung von Zuwachsträgern vorsieht.

Das Gutachten zur Entwicklung der Rotwildpopulation finden Sie hier.

Mehr Informationen zur Hegegemeinschaft Hochwild Schuenhagen-Franzburg finden Sie hier.

 

 

Riesenhirsche überlebten die Eiszeit

(scinexx.de vom 10.06.15) In Baden-Württemberg gefundene Knochenreste haben sich überraschend als Relikte des Megaloceros giganteus, des Riesenhirsches, entpuppt. Im Journal „Scientific Reports“ hat ein Autorenteam u.a. von der Uni Tübingen ihre Untersuchungen der Knochenfragmente veröffentlicht: Demnach verschwanden die letzten Riesenhirsche offenbar doch nicht bereits in der Eiszeit aus Mitteleuropa. Stattdessen müssen einige Individuen noch vor 12.000 Jahren gelebt haben.

Der Riesenhirsch war einer der großen Pflanzenfresser des Eiszeitalters. Mit einer Schulterhöhe von zwei Metern und einem Geweih von bis zu 3,40 Metern Spannbreite war er eine imposante Erscheinung, die von unseren Vorfahren auch in vielen Höhlenbildern verewigt wurde. Doch mit dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit vor rund 20.000 Jahren verschwand der 1,5 Tonnen schwere Hirsch aus Mitteleuropa – so dachte man jedenfalls bisher. Nur im Nordwesten Europas hielten sich noch einige Vorkommen, vor rund 7.000 Jahren starb der Riesenhirsch dann endgültig aus. Doch nun sind Johannes Krause von der Universität Tübingen und seine Kollegen bei Ausgrabungen in zwei Höhlen am Rand der Schwäbischen Alb auf fossile Knochen eines hirschähnlichen Tieres gestoßen. Datierungen ergaben, dass diese Relikte rund 12.000 Jahre alt sind. Weil zu dieser Zeit schon lange keine Riesenhirsche in dieser Gegend mehr vorkamen, hielt man die Knochen zunächst für die Relikte eines Urzeit-Elchs. Um ganz sicher zu gehen, unterzogen die Forscher die in den Höhlen Hohle Fels und Hohlenstein-Stadel entdeckten Knochen einer genetischen Untersuchung. Es gelang ihnen dabei, mitochrondriale DNA aus den Knochen zu gewinnen und auf ihre Artzugehörigkeit zu analysieren. Das überraschende Ergebnis: Es handelte sich eindeutig um Knochen des Riesenhirschs Megaloceros giganteus.

„Diese unerwartete Präsenz von Megalocerus giganteus in Süddeutschland nach der Eiszeit deutet darauf hin, dass dieser Riesenhirsch länger hier überlebte als bisher angenommen“, sagen die Forscher. Möglicherweise habe es auch in anderen Gebieten Mitteleuropas solche Überlebenden gegeben.

Konkurrenz durch Rothirsch und Co
Die DNA half den Forschern auch dabei, die Verwandtschaft der Riesenhirsche näher zu bestimmen – und einen möglichen Grund für ihr Aussterben. Demnach ist der heutige Damhirsch und nicht der Rothirsch der engste noch lebende Verwandte des Riesenhirsches. „Anhand des Körperbaus wurde spekuliert, ob der Rothirsch am nächsten mit dem Riesenhirsch verwandt sei, dies können wir in unserer Studie klar widerlegen“, sagt Erstautor Alexander Immel von der Universität Tübingen.

Der Rothirsch scheint dafür schon damals ähnlich wie die Rentiere ein Konkurrent des Riesenhirschs gewesen zu sein, wie Isotopenanalysen der Knochen nahelegten: „Vor der letzten Kaltzeit unterschieden sich die Werte von allen drei Arten, danach zeigte sich eine klare Übereinstimmung“, erklärt Mitautorin Dorothée Drucker. „Das deutet auf einen kleiner werdenden Lebensraum hin oder auf eine sich überschneidende Ernährungsweise der Hirscharten.“

Die Forscher spekulieren, dass sich die Riesenhirsche nach der letzten Kaltzeit den Lebensraum und die Nahrung mit anderen Hirscharten teilen mussten. Zudem war ihr bis zu 3,40 Meter breites Geweih wenig geeignet für das Leben im zunehmend bewaldeten Europa. Wahrscheinlich setzten dem Riesenhirsch die Konkurrenz mit anderen Arten sowie eine mögliche Überjagung durch Menschen zu, was letztlich zum Aussterben dieser imposanten Hirsche führte. (Scientific Reports, 2015;  doiu.a. von der Uni Tübingen : 10.1038/srep10853)

Den gesamten Artikel auf scinexx.de finden Sie hier.

Den online-Artikel „Mitochondrial Genomes of Giant Deers Suggest their Late Survival in Central Europe“ finden Sie hier.

Von (A)ustritt bis (Z)usammenarbeit: Aktuelles aus Hegegemeinschaften

Während sich die einen noch streiten, ziehen andere bereits an einem Strang: Vor einem halben Jahr hat der Arbeitskreis „Lebensraumkonzept für das Rotwildgebiet Wattenberg-Weidelsburg“ (Nordhessen) seine Arbeit aufgenommen. Neben der Hegegemeinschaft, dem Forstamt, Jägern und Landwirten sind in dem Arbeitskreis Wissenschaftler der Uni Kassel und weitere Naturschützer eingebunden. Ziel des Arbeitskreis ist, den Bestand an Rotwild zu erhalten und gleichzeitig seinen Lebensraum zu verbessern. Außerhalb des Waldes soll der Lebensraum zugunsten des Rotwildes verbessert werden, zum Beispiel durch Feldholzinseln und durch Wildruhezonen. Einen Artikel aus der HNA finden Sie hier.

In Sachsen führte ein unterlegener Antrag auf Abwahl des Vorstandes dagegen zum Austritt von drei Forstbezirken des Staatsbetriebes Sachsenforst aus der Hegegemeinschaft Erzgebirge. In der Hegegemeinschaft schwelt seit einigen Monaten ein Streit um die Abschussplanung und der Staatsbetrieb strebte die Ablösung des bisherigen Vorstandes an. Einen Artikel aus der Freien Presse finden Sie hier.

Bei vergleichsweise sehr niedrigen Wilddichten steht derzeit der Fortbestand eines Wintergatters in Oberbayern zur Diskussion. Der Forstbetrieb Ruhpolding will das Fütterungsangebot für Hirsche im Winter reduzieren und ein Wintergatter auflösen. Doch vor allem steht der fürs nächste Jahr angestrebte Abschusssoll in der Kritik: Der Kreisvorsitzende der Jägervereinigung Rosenheim befürchtet, dass die Wilddichte deutlich unter 10 Tiere pro 1.000 Hektar fallen wird. Einen Artikel aus der ovb-online finden Sie hier.

 

Tod dem Rothirsch! Lang lebe der Rotfuchs…?

## Presseinformation zum 7. Rotwildsymposium: „Gleichheit“ ## Warum gehen wir Menschen so unterschiedlich mit Wildtieren um? Manche Arten werden vergöttert, andere verdammt. Manche gehegt und gefüttert, andere gnadenlos verfolgt. Im Mittelpunkt des 7. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung steht daher das Verhältnis zwischen Mensch und Wildtier. Die Veranstaltung findet vom 25. bis 28. September 2014 in Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Im Vorfeld beleuchtet die Deutsche Wildtier Stiftung in einer Reihe von Presseinformationen anhand verschiedener Beispiele den Umgang mit Wildtieren in Deutschland. Die dritte Folge thematisiert den Konflikt um die „Gleichheit“ der Wildtiere.

Die Jagd auf Schalenwild wie Hirsch, Reh und Wildschwein ist im überwiegenden Teil der Bevölkerung akzeptiert; denn die meisten Menschen wissen, dass diese Wildarten in Deutschland zahlreich sind und reguliert werden müssen. Die Schäden in der Land- und Forstwirtschaft würden sonst überhandnehmen. Außerdem liefert die Jagd Wildfleisch für die Ernährung. „Ohne Jagd verursachen die großen Wildtiere enorme Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, bis die Populationen irgendwann durch verheerende Seuchen zusammenbrechen würden“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Doch was bei Hirsch, Reh und Wildschwein recht und billig ist, gilt nicht unbedingt für andere Wildtiere: „So einleuchtend die Bejagung von Schalenwild ist, so umstritten ist die Jagd auf Rotfuchs, Steinmarder und Waschbär“, so Münchhausen weiter. „Dabei sind auch diese Arten häufig und können als Beutegreifer negative Auswirkungen auf bedrohte heimische Arten haben.“

Vor allem die am Boden brütenden Vogelarten wie Rebhuhn, Wiesenweihe und Brachvogel haben es schwer. Sie stehen auf der Speisekarte der pelzigen Beutegreifer ganz oben. „Den Bodenbrütern geht es in intensiv genutzten Agrarlandschaften ohnehin schon sehr schlecht“, betont der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Zusätzlich kommen die oft nur noch kleinen Populationen seltener Vogelarten durch Rotfuchs, Waschbär, Steinmarder & Co. unter Druck.“ Doch die Jagd auf pelztragende Beutegreifer ist unpopulär. „Ihr Einfluss auf die Artenvielfalt ist in der Bevölkerung weitgehend unbekannt und das Nutzen von Pelzen gilt als verwerflich“, kritisiert Münchhausen.

Wildtiere unterliegen in ihrem „Wert“ stark der emotionalen und wirtschaftlichen Betrachtung durch den Menschen – oft leider ohne Blick auf die ökologischen Zusammenhänge in der Natur. „Wir fordern einen fairen Umgang mit allen Wildtieren, egal ob Rothirsch oder Rotfuchs“, betont der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wenn die Jagd auf Schalenwild zur Sicherung der land- und forstwirtschaftlichen Erträge recht ist, muss die Jagd auf häufige Beutegreifer als Beitrag zum Artenschutz nur billig sein.“

Das 7. Rotwildsymposium findet vom 25. – 28. September 2014 in Warnemünde statt. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stiftung „Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern“ und durch das Land Mecklenburg-Vorpommern. Schirmherr der Tagung ist Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Zu den Referenten gehören Kapazitäten wie Dr. Florian Asche, Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, Prof. Dr. Konrad Ott, Prof. Dr. Friedrich Reimoser und Dr. Helmuth Wölfel.

Weiterführende Informationen:

Die Positionen der Deutschen Wildtier Stiftung zur Rotwildpolitik finden Sie hier.

Informationen zur Rotwildpolitik der Länder finden Sie hier.