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ÖkoArtCervus – Literaturstudie zur ökologischen Funktion von Huftieren als .pdf

Aus ökologischer Sicht verursachen Huftiere keine Schäden, sondern Störungen. Beweidung und Tritt durch Rothirsche und andere Huftiere sind Störungen, die sehr häufig Ausgangspunkt für besonderen Artenreichtum und Biologische Vielfalt sind. Ein wichtiger Bestandteil ökosystemarer Prozesse ist außerdem die Zersetzung und der Abbau von tierischen Abfallprodukten – also von Aas und Kot. Neben diesen Themen beschreibt die Broschüre den erheblichen Effekt, den Huftiere durch die sogenannten Zoochorie auslösen, also durch die Verbreitung von Samen in Fell (Epizoochorie) und mit dem Kot (Endozoochorie).

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat aus Anlass ihres 8. Rotwildsymposiums in Baden-Baden eine Literaturzusammenfassung zur ökologischen Funktion des Rothirsches veröffentlicht. Die Studie mit dem Titel „ÖkoArtCervus“ gibt einen Überblick über die komplexen ökologischen Zusammenhängen von Rotwild und anderen Huftieren und ihrer Umwelt und beschreibt ihren Nutzen für Artenvielfalt und ökologische Prozesse.

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Herbst, C.; Kinser, A. & Münchhausen, H.Frhr.v. (2016): ÖkoArtCervus. Eine Literaturstudie zur ökologischen Funktion von Rotwild und anderen wildlebenden Huftieren. Deutsche Wildtier Stiftung (Hrsg.), ISBN 978-3-936802-20-7, 6 S.

Inhalt

Recherche ökologische Funktion Rothirsch

1 Schaden und Nutzen – eine Einleitung
2 Beweidung: Baumaßnahme des Artenreichtums
   2.1 Einfluss von Beweidung auf Vegetationsgesellschaften
   2.2 Einfluss von Beweidung auf die Fauna
3 Mit Schalen und Hufen: Vielfalt durch Störung
4 Zoochorie: Die Spediteure der Artenvielfalt
5 Aas und Kot: Orte voller Leben
6 Fazit

Tagungsband zur Jagd in großen Schutzgebieten veröffentlicht

Unter dem Titel „Der Hirsch als Naturschützer“ hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Tagungsband ihres 8. Rotwildsymposiums veröffentlicht. Die Publikation dokumentiert die Vorträge und Diskussionen des Symposiums, dass 2016 in Baden-Baden stattgefunden hat. Den Tagungsband „Der Hirsch als Naturschützer” erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 14,90 € inkl. Versandkosten unter Telefon 040 9707869-0 oder über unser Bestellformular.

Der Tagungsband des 8. Rotwildsymposiums enthält wissenschaftliche Beiträge, die die positiven Effekte von Rothirsch und Co. auf die Biologische Vielfalt darstellen und belegen. Andere Vorträge setzten sich damit auseinander, wie das Wissen um die ökologische Bedeutung großer Huftiere in praktisches Handeln übersetzt werden kann. Dies ist vor allem für Nationalparke, Biosphärenreservate und andere Großschutzgebiete relevant.

 

In der Publikation werden aber auch Beispiele von Nationalparken, Biosphärenreservaten und andere Großschutzgebieten präsentiert, in denen bereits heute Konsequenzen aus dem Wissen um die ökologische Bedeutung von Huftieren gezogen werden. Die Jagd außerhalb großer jagdfreier Gebiete dient dort nur noch dem Schutz des land- und forstwirtschaftlich genutzten Umlandes. In Ihrer „Baden-Badener Erklärung“, die den verschiedenen Buchbeiträgen im Tagungsband vorangestellt ist, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung ebenfalls einen vollständigen Jagdverzicht auf den bereits heute ausgewiesenen Prozessschutzflächen. In Summe ist dies weniger als 1 % der terrestrischen Fläche der Bundesrepublik Deutschland! Darüber hinaus sollten zukünftig alle Großschutzgebiete eine Vorreiterrolle beim Umgang mit Huftieren einnehmen.

Das 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung fand vom 07. bis 09. Juli 2016 im Kurhaus Casino in Baden-Baden statt und wurde durch die Eva-Mayr Stihl Stiftung gefördert.

 

Inhalt des Tagungsbandes

Baden-Badener Erklärung (Abschlussdokument des 8. Rotwildsymposiums)

Grusswort 

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (Alleinvorstand Der Deutschen Wildtier Stiftung)

Ökologische Funktionen von Rotwild in seinem Lebensraum

Der Rothirsch und die Biodiversität – Versuch einer Standortbestimmung (Sven Herzog)

Die Ökologischen Wirkungen von Rotwild und anderen wildlebenden Huftieren: Ergebnisse einer Literaturrecherche (Andreas Kinser, Coralie Herbst & Hilmar Freiherr v. Münchhausen)

Der Einfluss vom Rothirsch auf die Vegetation und die ökologischen Prozesse im Schweizerischen Nationalpark (Flurin Filli)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger (Marcus Meißner, Ulrich Maushake, Niko Balkenhol, Sven Herzog, Johannes Isselstein, Christoph Raab, Horst Reinecke, Laura Richter, Friederike Riesch, Johannes Signer, Hans-Georg Stroh & Bettina Tonn)

Von hier nach dort: Endozoochorer Transport von Pflanzendiasporen durch den Rothirsch – Potenzial für Arten des wertgebenden Offenlands (Anya Wichelhaus)

 

Der Umgang mit Schalenwild in großen Schutzgebieten

Rotwildmanagement in den Nationalparken Deutschlands – ein Überblick aus sozialwissenschaftlicher Perspektive (Stefan Ehrhart & Ulrich Schraml)

Bewertung der Naturnähe des Rothirschmanagements in mitteleuropäischen Nationalparken (Stephan Jüstl & Marco Heurich)

Die Grenzen der natürlichen Entwicklung: Wildtiermanagement im Nationalpark Hainich (Rüdiger Biehl)

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin: Ein Modell für nachhaltige Nutzung – auch für den Rothirsch? (Mathias Herrmann & Frank Christian Heute)

Faszination Wildnis! Herausforderung Rotwild? (Hubertus Meckelmann)

Der Rothirsch als Teil unseres Naturerbes (H. Otto Denstorf)

Prozessschutz für den Rothirsch – Zwischen Illusion und Vision (Friedrich Burghardt)

 

Posterpräsentationen

Streifgebietsgrößen von Rothirschen im subalpinen Raum unter intensivem Fütterungsregime (Johanna Maria Arnold & Klaus Hackländer)

Einflussfaktoren auf Verbiss, Schäle und Fegen von Rothirsch, Reh und Damhirsch in europäischen Waldökosystemen (Johanna Maria Arnold, Philipp Gerhardt, Eduard Hochbichler & Klaus Hackländer)

Fang von Rotwild im Rahmen des Projektes „Erhalt von Offenlandschaften durch zielgerichtetes Flächen- und Wildtier-Management“ (Marcus Meißner, Laura Richter, Niko Balkenhol & Sven Herzog)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als landschafts-Pfleger: Vegetation und Fernerkundung (Christoph Raab, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Rotwildtelemetrie (Laura Richter, Christoph Raab, Marcus Meißner & Niko Balkenhol)

Erhalt von Offenlandschaften – wildlebende Rothirsche als Landschaftspfleger: Vegetationsökologie (Friederike Riesch, Bettina Tonn, Marcus Meißner & Johannes Isselstein)

Die Ausbreitung des Wolfs und seine empfundenen Effekte auf den Rothirsch in den Niedersächsischen Revieren – Ergebnisse aus der Wildtiererfassung (WTE) (Egbert Strauß & Reinhild Gräber)

Auswirkungen der Landschaftszerschneidung auf Rothirsch (Cervus Elaphus) und Wildkatze (Felis Silvestris): eine deutschlandweite landschaftsgenetische Studie (Katharina Westekemper)

Rotwildausstellung wandert ins Müritzeum

Können Sie sich vorstellen, dass Rotwild, das durch Wanderer oder Skifahrer im Winter gestört wird, bis zu 30 % mehr Energie benötigt? Gemeinsam mit der Deutschen Wildtier Stiftung beleuchtet das Müritzeum in Waren in einer Sonderausstellung ab dem 07. Juli das Leben von Deutschlands größter Hirschart genauer. Am Vorabend, dem 06.07.2017, wir die Ausstellung um 18:30 Uhr durch einen öffentliche Vortrag von dem bekannten Fotografen und Autor Burkhard Stöcker eröffnet. Unter dem Titel „Der König der Wälder und die Krone der Schöpfung – von Hirschen und Menschen, Geweihen und Forstwirtschaft“ führt er eindrucksvoll in das Leben von Deutschlands größter Hirschart ein.

Die Rotwild-Wanderausstellung der Deutschen Wildtier Stiftung informiert in sechs Modulen über die Biologie und Lebensweise des Rotwilds und macht auf die aktuelle Situation des Rotwilds in Deutschland aufmerksam. Weiterhin werden die Historie der Jagd und Ergebnisse aus der aktuellen Rotwildforschung vorgestellt. Die Ausstellung beleuchtet auch die Konflikte, die rund um „Cervus elaphus“ entstehen. Sie ist für Familien, die in den kommenden Wochen und Monaten Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern machen und für alle Naturfreunde gleichermaßen interessant.

Das Müritzeum bietet seinen Besuchern eine Reihe von Natur-Erlebnissen. Informationen zu Angeboten, Öffnungszeigen und Eintrittspreisen finden Sie auf der Website des Müritzeums.

 

Ort: Müritzeum, Zur Steinmole 1, 17192 Waren (Müritz)

Ausstellungsdauer: 07. Juli bis 12. November 2017

Instinkt oder Erfahrung: Das Meideverhalten von Rotwild

„Das Rotwild entzieht sich immer mehr seiner Bejagung.“ Dieses Zitat könnte zurzeit ebenso gut aus dem Spessart wie aus dem Harz oder dem Taunus kommen. Kanadische Wissenschaftler sind diesem Phänomen in den vergangenen Jahren auf den Grund gegangenen und haben es nun wissenschaftlich untermauert: Je älter die Tiere werden, desto erfolgreicher entziehen sie sich ihrer Bejagung.

In den Untersuchungsgebieten in den kanadischen Provinzen Alberta und British Columbia versahen die Forscher 49 weibliche Wapitis (Cervus elaphus canadensis) mit Sendehalsbändern und beobachteten die Tiere über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Das Ergebnis: Ab einem Alter von etwa acht Jahren sind mache Individuen für ihre menschlichen Verfolger praktisch unerreichbar. Dabei lernen die erfahrenen Tiere offenbar gleich mehrere Methoden, um nicht erschossen zu werden. Indem sie sich grundsätzlich weniger bewegen, die Nähe von unübersichtlichem Gelände bevorzugen und in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv sind, verringern sie die Gefahr, einem Jäger zu begegnen. Die Forscher fanden sogar Hinweise darauf, dass die Tiere auf unterschiedliche Arten der Jagd unterschiedlich reagierten.

Den vollständigen Artikel auf spiegel.de finden Sie hier.

Zu dem wissenschaftlichen Artikel „Learning from the mistakes of others: How female elk (Cervus elaphus) adjust behaviour with age to avoid“ hunters gelangen Sie hier.

Zwischen vererbtem (Evolution) und erworbenem (Erlerntem) Verhalten

Besonders gravierende Auswirkungen auf den langfristigen Jagderfolg wären zu befürchten, wenn das erlernte Verhalten der erfahrenen Rothirsche bereits an die nächste Generation weitergegeben werden würde. Und gerade an dieser Stelle schwelt derzeit ein Streit unter Biologen, der die Evolutionstheorie nach Charles Darwin zumindest in Teilen in Frage stellt. Denn die Trennung zwischen vererbtem (Evolution) und erworbenem (Erlerntem) Verhalten lässt sich längst nicht mehr uneingeschränkt aufrechterhalten.

Womöglich ist es die sogenannten Epigenetik, die die Brücke zwischen Genen und Erfahrung schlägt. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für Epigenetik lieferte 2013 ein Forscherteam in Atlanta. Sie ließen männliche Mäuse an einer nach Mandeln riechenden Chemikalie schnüffeln und versetzten ihren Pfoten kurz darauf einen schwachen Stromschlag. Bald hatten die Mäuse gelernt, den Geruch mit dem Stromschlag in Verbindung zu bringen und mieden fortan alles, was mit Mandelgeruch zu tun hatte. Anschließend wurden die Männchen mit nicht konditionierten Weibchen verpaart. Und überraschenderweise reagierte die Mehrzahl der Nachkommen ebenfalls ängstlich auf den Geruch von Mandeln. Der Effekt war sogar noch in der folgenden Mäusegeneration nachweisbar, er musste also vererbt worden sein. Australische Wissenschaftler folgen nun daraus, dass es im Gehirn die strikte Trennung zwischen Erlerntem und Angeborenem nicht gibt. Instinkte, so die Forscher, könnten sich aus erlerntem Verhalten entwickelt haben.

Für Rotwildpopulationen würde die Epigenetik bedeuten, das „antrainiertes“ Verhalten, wie beispielsweise die Meidung von Wildäsungsflächen bei Büchsenlicht, auch nach einer Änderung der Jagdmethoden noch einige Jahre in der Population Bestand haben wird.

Den vollständigen Artikel über Instinkt und Erlerntes auf spektrum.de finden Sie hier.

 

 

Der Rothirsch ist Tier des Jahres – in der Schweiz

(Pro Natura vom 03.01.2017) Der Größenunterschied könnte kaum deutlicher sein: Während in Deutschland die etwa 30 Gramm schwere Haselmaus zum „Tier des Jahres 2017“ gewählt wurde, hat die Naturschutzorganisation Pro Natura mit dem etwa 6.000 mal schwereren Rothirsch einen «wilden Pendler» zum Tier des Jahres 2017 der Schweiz erkoren.

Die zwei bekanntesten Merkmale von Cervus elaphus sind sein majestätisches Geweih sowie sein ohrenbetäubendes Röhren zur Brunftzeit. Weniger bekannt ist, dass Rothirsche ein ausgeprägtes Mobilitätsbedürfnis haben. Sie wandern oft weite Strecken zwischen Tages- und Nachtquartier sowie zwischen Sommer- und Winterlebensraum. Auch in der Schweiz werden diese Wanderrouten durch Strassen, Schienen und Siedlungen immer mehr unterbrochen. Pro Natura macht sich mit der Wahl des Rothirschs für die nötige Überbrückung von menschgemachten Hindernissen stark – zugunsten aller Wildtiere. «Es braucht in unserer immer stärker zerschnittenen Landschaft dringend wieder mehr durchgängige Wildtierkorridore, entlang derer sich Tiere ungehindert bewegen können», fordert Andreas Boldt, Wildtierspezialist bei Pro Natura. Dazu startet Pro Natura eine Kampagne unter dem Motto «Freie Bahn für Wildtiere!»

Mitte des 19. Jahrhunderts war der Rothirsch in der Schweiz ausgerottet. Die Rückkehr fand ab 1870 von Österreich her statt. Mit dem eidgenössischen Jagdgesetz von 1875 wurden für die Rothirsche entscheidende Verbesserungen eingeführt: Jagdbanngebiete, in denen die Tiere nach wie vor Schutz finden, beschränkte Jagdzeiten sowie der Schutz der weiblichen Tiere. Heute leben wieder etwa 35.000 Rothirsche in der Schweiz. Die Rückkehr des Rothirschs in seine ursprünglichen Lebensräume ist dabei noch nicht abgeschlossen. Da die Wiederbesiedlung der Schweiz von Osten her geschieht, zeigt sich auch ein auffälliges Verbreitungsmuster: Am meisten Tiere leben im Südosten der Schweizer Alpen. Vorkommen gibt es aber auch im Mittelland. Etwas weniger im Jura. An seiner natürlichen Ausbreitung wird der Rothirsch durch die vielerorts unüberbrückbaren Hindernisse wie Autobahnen, Bahnlinien oder Siedlungen gehindert.

Einen für Deutschland vorbildlichen Umgang mit dem Rothirsch gibt es in der Schweiz mit Blick auf den Wintersport: Um im Winter Energie zu sparen, fallen Rothirsche für einige Stunden am Tag in eine temporäre Kältestarre. Bei Störungen in diesen Phasen müssen Rothirsche jedoch in Sekundenbruchteilen direkt vom Sparmodus in den Vollbetrieb wechseln. Entsprechend hoch ist der Energieverschleiss. Umso wichtiger sind für das Tier des Jahres 2017 der Schweiz absolut ungestörte Winterlebensräume. Diese werden in der Schweiz als umfassende Wildruhezonen geschützt. Besonders Wintersportlerinnen und -sportler sind gebeten, sich an die ausgeschilderten Wildruhezonen zu halten. Informationen zu Lage und Bedeutung dieser Rückzugsgebiete fürs Wild gibt es unter www.wildruhezonen.ch.

Zum Tier des Jahres 2017 in der Schweiz gelangen Sie hier.

 

Im wilden Ruhrgebiet röhrt der Rothirsch

Das Ruhrgebiet ist der größte Ballungsraum Mitteleuropas. Jahrzehntelang wurde hier das unterste nach oben gekehrt, die Luft verpestet, das Land geschunden. Die Zeche für den Raubbau bezahlte die Natur. Doch mit dem Rückgang der Industrie begann ein neues Kapitel im Ruhrgebiet: Pflanzen und Tiere erobern Stück für Stück zurück, was für immer verloren schien. Mehr noch: Industrieruinen und Brachen bieten anderswo vertriebenen eine neue Heimat und locken sogar Raritäten an, die man sonst kaum noch findet. Während sich die Ödlandraritäten oft im Verborgenen verstecken, sorgen die größten Tiere des Ruhrgebiets jeden Herbst für lautes Spektakel. Die einst zur Deckung des Holzbedarfs im Bergbau angepflanzten Wälder der Üfter Mark bleiben heute weitgehend sich selbst überlassen. Sie bieten die ideale Bühne für die Brunft der Rothirsche. Nirgendwo sonst in Nordrhein-Westfalen lässt sich das eindrucksvolle Ereignis besser beobachten.

Den Film von Christian Baumeister finden Sie hier in der WDR-Mediathek.

 

Unterart des Rothirsches in Afghanistan wiederentdeckt

(naturschutz.ch vom 08.10.2016) Forscher haben nach über 40 Jahren den Baktrischen Rothirsch (Cervus elaphus bactrianus) in Afghanistan wiederentdeckt. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Art dort ausgestorben sei. Der Baktrische Rothirsch, auch als Bucharahirsch bekannt, ist in Zentralasien heimisch. Ursprünglich war er in Turkmenistan, im Amu-Darja Gebiet, im Dreiländereck Afghanistan, Usbekistan und Tadschikistan sowie der Syr-Darjy-Region verbreitet. Er wird zu den Edelhirschen (Cervus) gezählt und bildet eine Unterart des Rothirschs (Cervus elaphus).

Bereits in den 1970er Jahern wurden nur noch etwa 120 Exemplare der Art gezählt und sie sollte unter Schutz gestellt werden. Durch zwei Kriege und mehrere Jahrzehnte politischer Unruhen wurden diese Bemühungen im Keim erstickt. Während der Kriege wurde der Baktrische Rothirsch zur Nahrungsbeschaffung gejagt und stand kurz vor der Ausrottung.

Den Originalartikel finden Sie hier:

MOHEB et al. (2016): Bactrian deer (Cervus elaphus bactrianus) still exist in Afghanistan. DSG Newsletter Nº28, ISSN 2312-4644.

 

Der Rothirsch als Naturschützer

Hamburg, 7. Juli 2016. Rothirsche und andere Huftiere sind der Schlüssel für viele ökologische Prozesse und ihr Wirken ist häufig Ausgangspunkt für besonderen Artenreichtum und Biologische Vielfalt. Doch selbst in unseren großen Schutzgebieten wie den National- oder Naturparken und den Biosphärenreservaten wird unser größtes heimisches Wildtier meist nur geduldet und nicht als Bestandteil der zu schützenden ökologischen Prozesse wahrgenommen. Um diesen Konflikt ging es auf dem 8. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung in Baden-Baden. Über 170 Teilnehmer aus Naturschutz-, Jagd- und Forstbehörden, Politik und Wissenschaft kamen im Kurhaus Casino zusammen, um bis Samstag über den Umgang mit großen Huftieren wie dem Rothirsch in Großschutzgebieten zu diskutieren.

„In Großschutzgebieten muss sich der Umgang mit dem Rothirsch von der intensiv durch Land- und Forstwirtschaft genutzten Landschaft unterscheiden“, forderte Professor Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. Immerhin ein Drittel der Fläche Deutschlands liegt in einem Großschutzgebiet. In vielen dieser Gebiete darf sich Rotwild jedoch bereits per Gesetz nicht ausbreiten. „Der Rothirsch lebt in Baden-Württemberg gerade einmal auf vier Prozent der Landesfläche – das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist beispielsweise per Gesetz rotwildfrei.“ Prof. Vahrenholt plädierte dafür, Rotwildbezirke abzuschaffen oder wenigstens zu erweitern.

Auf Flächen, die exklusiv der Natur vorbehalten sind, soll nach den Vorstellungen der Deutschen Wildtier Stiftung der Einfluss von Rothirsch & Co. als natürlicher Lebensraumgestalter verstanden und unterstützt werden. Diese sogenannten Prozessschutzflächen, die zum Beispiel in den Nationalparken liegen, entsprechen weniger als 1 % der Fläche Deutschlands, machen unterm Strich aber weit über 100.000 Hektar oder 130.000 Fußballfelder aus. „Auf diesen Flächen sollte die Jagd ruhen und Natur wirklich Natur sein dürfen“, fordert Professor Dr. Fritz Vahrenholt.

Als Rothirsche noch die Adriaküste entlang wanderten

(derstandard.at vom  19. Juni 2016) Für die meisten Menschen ist der Rothirsch der „König des Waldes“. Tatsächlich ist Europas zweitgrößte Hirschart erst mit der Ausbreitung des Menschen nach und nach zum Waldbewohner geworden – davor lebten die Tiere eher in Gebieten mit wenig Gehölzen oder Bäumen oder sogar in Steppen-ähnlichen Landschaften. Und sie dürften über weite Strecken gewandert sein, berichten Forscher der University of Georgia nach Fossilienfunden aus dem Adriaraum. Heute gibt es an den dichtbesiedelten Adriaküsten keine Rothirsche mehr. In der Altsteinzeit zogen sie jedoch offenbar mit dem Wechsel der Jahreszeiten die Küste entlang. Das Forscherteam analysierte die bis zu 12.000 Jahre alten fossilen Zähne von Rothirschen, Steinböcken und Gämsen aus drei Höhlen, die einst von Menschen bewohnt waren. Dabei interessierte sie der Anteil eines Sauerstoffisotops, das bei migrierenden Tieren eine geringere Schwankungsbreite als bei ortstreuen aufweist. Es zeigte sich, dass die Hirsche – anders als die beiden Spezies von Ziegenartigen – regelmäßig gewandert sein müssen; und die als Jäger und Sammler lebenden Menschen sind ihnen gefolgt. Die Forscher konnten über die Isotopenanalyse aber auch mitverfolgen, wie sich die Lebensweise der Hirsche im Lauf der Jahrtausende verändert hat. Je weiter es von der Alt- auf die Mittelsteinzeit zuging, desto geringer wurden die Entfernungen, die die Hirsche zurücklegten oder noch zurücklegen konnten.

Den vollständigen Artikel in derstandard.at  finden Sie hier.

Die wissenschaftliche Veröffentlichung finden Sie hier.

Pilaar Birch SE, Miracle PT, Stevens RE, O’Connell TC (2016) Late Pleistocene/Early Holocene Migratory Behavior of Ungulates Using Isotopic Analysis of Tooth Enamel and Its Effects on Forager Mobility. PLoS ONE 11(6): e0155714. doi:10.1371/journal.pone.0155714

Rotwild in Nordvorpommern

Die urigen, kaum zerschnittenen Laubwälder Nordvorpommerns bieten nicht nur dem seltenen Schreiadler einen Rückzugsraum, sondern sind auch viel genutzte Einstandsbereiche des Rotwildes. Sogar die großen Ackerflächen, Feldgehölze und Schilfröhrichte zwischen Stralsund, Velgast und dem Recknitztal werden vom Rotwild im Jahresverlauf als Lebensraum genutzt. Die Landesforst MV präsentiert daher bis zum 26. Juni gemeinsam mit dem Landkreis Vorpommern-Rügen die Wanderausstellung „Der Rothirsch in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern „ in Schuenhagen.

Viele Menschen wissen nur wenig über den „König des Waldes“. Der Glaube, das Reh sei die „Frau vom Hirsch“, ist noch weit verbreitet. Der „röhrende Hirsch“ hängt als Wandbild im Wohnzimmer, die Hegeschauen der Jäger werden von manchen als reine „Knochen-Präsentation“ wahrgenommen und dem einen oder anderen erscheint das Naturerlebnis, Rotwild in freier Wildbahn zu beobachten, nur ein Privileg von Jägern zu sein. Schließlich können hohe Bestände erhebliche Schäden in Wald und Feld anrichten. Die Wanderausstellung der Deutschen Wildtier Stiftung verfolgt das Ziel, diese faszinierende Tierart vor unserer Haustür aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten und den Menschen näher zu bringen. Sie ist daher für Familien und Naturfreunde ebenso interessant wie für Fachleute. Sie enthält Fakten über Biologie, Verhalten und Verbreitung des Rotwildes in Deutschland und in Mecklenburg-Vorpommern. Auch Konfliktfelder und Lösungswege werden behandelt. Die Ausstellung wurde vom Land Mecklenburg-Vorpommern finanziell unterstützt.

Die Landesforst MV präsentiert die Wanderausstellung „Der Rothirsch in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern “ gemeinsam mit dem Landkreis Vorpommern-Rügen als Träger des Naturschutzgroßprojekts „chance.natur – Nordvorpommersche Waldlandschaft“ in den Räumen des ehemaligen Pferdestalles auf dem Forstamtshof in Schuenhagen. Die Ausstellung ist bis zum 26. Juni in Schuenhagen.